1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Ausbildung :: Allgemeine Grundlagen

Trainingstipp von Leslie Desmond: Wie galoppiere ich leicht, unbeschwert und doch versammelt? Teil 1

Leslie Desmond gehört zu den internationalen Toptrainern. Als Schülerin von Bill Dorrance hat sie ihre Methode "Feel and Release" genannt, also "Gefühl und Nachgeben“. Hier lernen Reiter eine verlässliche, gefühlvolle Partnerschaft mit ihrem Pferd zu entwickeln. Wie das beim Thema Galopp aussieht, sagt sie in diesem Artikel. Teil 1 beschreibt den Weg zum losgelassenen Galoppieren.
Grenzen Sie ihre Suche auf dem Gebiet Allgemeine Grundlagen ein. Mit einem Suchbegriff liefert unsere Datenbank Fachbeiträge zu diesem Thema an.

Wenn man ein Pferd rückwärts richtet, kann man am besten sehen, ob es seine Hufe richtig hebt. Schleifspuren im Sand bedeuten, dass das Pferd die Beine nicht richtig anhebt. Es bewegt sich nicht leichtfüßig und losgelassen, sondern schlurft durch den Sand. Dies ist ein sicherer Hinweis darauf, dass dieses Pferd sich auch in der Vorwärtsbewegung – und gerade im Galopp – genauso flach und schlurfend vorwärts bewegt. Es springt die Galoppschritte dann nicht richtig durch, sondern nimmt sie gequält und schwer.

Wenn sich das gleiche Pferd aber ohne Reiter bewegt, sind seine Galoppsprünge meist frei, losgelassen und ungezwungen. Der Grund: Der Reiter ist nicht richtig vorbereitet und ausgebildet. Er muss bei sich selbst anfangen. Sich fit machen. Ist er es nicht, kann er sich elastischer trainieren. Wenn er kein genaues Ziel hat, kann er zielgerichteter werden. Nur ein Reiter, der Fit und in seiner Mitte ist, kann dem Pferd ein guter Partner sein. Ein Pferd, dass von Natur aus frisch und frei galoppiert, muss lediglich lernen, dass es das auch unter dem Reiter kann und darf. Das heißt nicht, dass man nun nur noch durch die Gegend jagd. Folgende Punkte zeigen einen möglichen Weg zum Ziel: Zu einem freien, losgelassenen, ungezwungenen und doch kontrollierten Galopp.

Flexibilität und Spontanität sind gefordert

Manchmal müssen wir uns erst ändern, damit sich unser Pferd ändern kann. Menschen, die den ganzen Tag funktionieren müssen – die z.B. immer das tun müssen was ihr Chef sagt – haben häufig Schwierigkeiten damit, sich los zu lassen. Denn Flexibilität, Spontanität und Anpassungsfähigkeit ist das, was wir dem Pferd bei seiner Ausbildung anbieten müssen. Nur über diese Eigenschaften lässt sich eine gefühlvolle Mensch-Pferd-Beziehung aufbauen. Versuche dich neu zu definieren. Nur für einen Augenblick. Wenn du Probleme hast in deinem Beruf, in deiner Familie, mit dem Computer oder sonst wie, was stellst du dann nicht alles für Überlegungen an, was du anders tun kannst, um das Problem zu lösen. Warum willst du nicht auch mit deinem Pferd einen neuen besseren Versuch starten?

Was bedeutet es eigentlich, ein Pferd zu versammeln, ihm einen Rahmen geben, es rund zu machen oder ins Gebiss zu reiten? Zunächst einmal bedeutet es für das Pferd, dass es sich nicht frei bewegen kann. Darüber denken viele nicht nach, die nach diesen Richtlinien arbeiten. Es ist wichtig, dass du deinem Pferd immer wieder kleine Aufgaben stellst. Eine Aufgabe für dein Pferd kann alles sein, was du möchtest. Du kannst ihm sagen: „Bitte einen Schritt zurück“, oder „den Kopf etwas runter bitte“, oder „bitte in den Hänger“ oder auch nur „Geh hier entlang!“. Aus irgendeinem Grund forderst du das von deinem Pferd. Nur fordere es bewusst und führe es bewusst durch. Jeden Schritt, immer mit Schritten, die du von deinem Pferd mit Absicht forderst und nicht dein Pferd einfach so von sich alleine machen will. Du musst wollen und nicht immer fragen: „Was will mein Pferd?“

Oft fordern Reiter etwas ab und im nächsten Augenblick ändern sie schon wieder ihre Meinung. Das erstickt den Versuch. Gib deinem Pferd aber auch die Möglichkeit das auszuführen, was du von ihm willst. Was wir wollen, ist das leichte und willige Gefühl des Pferdes für das was wir wollen. Es muss sich anfühlen, als wenn dein Pferd lang und gelöst mit weiträumigen Schritten nach einem Ritt nach Hause geht. Es ist die freie fließende Bewegung der Hüften und Schultern, wenn das Pferd entspannt ist, der Kopf schwingt und die Zügel schwingen lose mit im Rhythmus der vier Füße.

Lerne, schnell zu galoppieren!

Und damit sind wir bei der Problematik des Galopps. Ein Weg, dieses Ziel auch im Galopp zu erreichen ist der, dass wir lernen müssen so schnell reiten zu können, wie ein Pferd laufen kann, ohne in den Zügeln und damit im Maul zu hängen, wenn es mal schnell wird. Wir müssen lernen wie man nicht gleich runter fällt. Wir müssen lernen nach vorn zu sehen und nicht nach unten, weiter zu atmen und nicht den Atem anhalten. Wir müssen wissen was wir wollen und nicht daran zweifeln, ob wir das Richtige tun. Das ist viel auf einmal.

Fühle dich im Galopp wohl, reite ihn aus, reite frei, reite vorwärts. Der Galopp ist für ein Pferd sehr bedeutungsvoll. Es ist für dich ein langer Weg, bis du dich wohl fühlst bei vollem Tempo. Du musst einen unabhängigen Sitz haben, und eine unabhängigen Hand. Dein Pferd fühlt sich von Geburt an im Galopp wohl, du musst es erst lernen. Springen in der Englischreiterei und Arbeit mit Kälbern in der Westernreiterei in einem langsameren Tempo, das sind gute Hilfen um dahin zu kommen. Nicht nur weil dein Pferd irgendwann versteht, dass es einen Grund gibt, warum du dieses oder jenes von ihm willst, sondern mehr in der Art, dass da jemand ist, der die natürliche Bewegung des Pferdes bestimmen und ordnen kann. Das Meiste dabei ist mental, denn wenn das Pferd weiß, da ist eine Aufgabe, folgt es in den meisten Fällen auch der Aufforderung diese Aufgabe zu lösen. Das Pferd tut das dadurch, dass es immer im Gleichgewicht bleiben will und in Übereinstimmung mit dem Gefühl des Reiters. Mit anderen Worten: Alles was der Reiter tun muss, er darf das Pferd nicht in seiner Bewegung stören. Er muss mit minimaler Einmischung reiten und nicht aufhören in dieser Art mit seinem Pferd zu sprechen.

Mit Kraft und Leichtigkeit

Wenn ein Pferd in Aufrichtung mit durchhängenden Zügeln, aufmerksam gespitzten Ohren, durchspringenden Hinterbeinen, die Schultern und Vorderfußwurzelgelenke schön weit vorgreifend, um Platz zu schaffen für die Hinterbeine, wenn ein Pferd so galoppiert, dann fühlst du die Kraft und Leichtigkeit mit der ein Pferd sich bewegen kann.

Du kannst in Bill Dorrance’s Buch Fotos mit Beispielen sehen. Du kannst alles von deinem Pferd verlangen, was es physisch kann und das wird es auch tun, wenn es dich versteht. So auch deinen Wunsch aus dem Stand galoppieren zu wollen und umgekehrt vom Galopp zum Stand zu wechseln. Oder anders gesagt, wenn dein Pferd das Gefühl hat, dich nicht zu verstehen, dann fühlt es sich leblos. Ich will damit sagen, es fühlt sich schrecklich. Das kannst auch du fühlen. Trotzdem versuchen Reiter immer wieder ein Pferd zu führen indem sie

1. die Zügel fest anstellen und anziehen und das Pferd dann den Kopf hoch reißen.

2. nach unten schauen (eine Verhaltensweise weil wir immer auf unsere Hände schauen, was in enger Verbindung steht zur Angst runter zu fallen, tatsächlich aber die Vorhand unnötig belastet.

3. das Genick des Pferdes zu stark biegen (Hebelwirkung über die Zäumung, Tricks und ständiges im Maul hängen bewirken das)

4. ein Hohlkreuz machen (eine feste Hand, schlechter Sitz, hochgezogene oder nach vorne gedrückte Absätze. All das bewirkt das).

5. mit flatternden Schenkeln bzw. Schultern auf dem Pferd sitzen.

6. ein Pferd haben, das selbst Gebäudefehler hat: z.B. ein steifes Hinterbein, weiche Sprunggelenke, ein Hohlkreuz, eine schwere Vorhand.

Alle diese Fehler stören die Harmonie, das Gleichgewicht und die Verständigung und es herrscht ein schlechtes Gefühl zwischen Pferd und Reiter. Wie aber mache ich es besser? Lass dein Pferd sich wohlfühlen im Galopp. Du musst 100%-ig auch vorwärts wollen, wenn du angaloppieren willst. Zu Beginn ist das schwer, später kommt das ganz von alleine. Mit 100%-ig meine ich, wirklich voller Dampf voraus und geh einfach nur mit, so wie dein Pferd rennt.

Keine Angst vor dem Renngalopp!

Um sich an das Gefühl zu gewöhnen, auf einem schnellen Pferd zu sitzen, hilft es, zunächst ein langsames Pferd zu reiten. Dann aber fordere zum Renngalopp auf, wenn du dein Gleichgewicht gefunden hast ohne im Maul zu hängen. Du kannst nicht dein Pferd zum Galopp auffordern und selbst nicht dazu bereit sein. Ich will damit sagen: Habe keine Angst vor dem Galopp. Deine Angst ist zwar gut zu verstehen, aber wenn du Angst hast, musst du die Angst erst verlieren, egal wie du es anstellst, sie muss erst weg. Erst dann kannst du galoppieren und erst dann wirst du fühlen, wie schön und angenehm es ist im vollen Galopp zu reiten, anstatt ständig mit dem Gedanken: Mein Pferd wird doch jetzt nicht durchgehen. Für viele ist es ein geheimer Traum so zu galoppieren.

Deshalb ist es an der Zeit zu lernen wie man das am besten lernt und macht. Bringe dich und dein Pferd auf Erfolgskurs, ich will sagen: „Mach es sicher für dich“ Solltest du noch nie dein Pferd draußen im Gelände galoppiert haben, so musst du erst eine sichere und leichte Verbindung zur Hinterhand und Vorhand sowohl vom Boden als auch im Stand, Schritt und Trab haben. Du wirst schon fühlen, wenn du so weit bist. Außerdem sei sicher, dass du dein Pferd anhalten kannst indem du seine Bewegung durch Gewichtseinwirkung ebenso wie mit sanfter Zügelhand verlangsamst und anhältst. Mit Anhalten meine ich wirklich Stehenbleiben.

Sei sicher, dass du dein Pferd rückwärtsrichten kannst, geradeaus und auf einem Bogen ohne im Maul zu hängen und ohne seine Füße durch den Staub schleifen zu lassen. Beide, der Reiter und das Pferd, müssen dies gut verstanden haben und bequem und einfach in ihr Repertoire aufgenommen haben. Du musst wirklich Vertrauen haben. Es ist keine Garantie dafür, dass es immer sofort gut klappt, wenn du dann zum ersten Mal galoppierst. So aber hast du immer ein gutes Fundament parat. Wenn alles einmal zu sehr aus der Kontrolle gerät, dann weißt du, wie du alles zurücknehmen kannst und wie du wieder zu einer Einigung mit deinem Pferd kommst. Dann suche dir einen guten vertrauten Platz, wo es nicht zu Schwierigkeiten kommen kann. Hier beginnst du mit der Arbeit, die ihr schon kennt und wo ihr euch sicher fühlt, bevor ihr erneut galoppiert. Das kann nach wenigen Minuten sein, oder auch nach Tagen.

Ängstliche Reiter machen Pferde nervös

Wie auch immer, wenn du die Versammlung und Leichtigkeit fühlen möchtest, die ein Pferd von Natur aus hat, dann musst du in der Lage sein in dieser Art ein Pferd zu reiten, bei der du dein Pferd nur auf natürliche Weise beeinflusst. Damit dein Pferd das befolgt, musst du ihm genug Inspiration lassen, dir als Antwort anzubieten was du vorher von ihm verlangt hast: Leichtigkeit und wirkliche Aufmerksamkeit auf die du dich verlassen kannst. Merke dir bitte: Pferde, die von ängstlichen Reitern geritten werden, werden auch ängstlich und das kann gefährlich werden. Ein Pferd muss wissen, dass es sich auch mit einem Reiter auf seinem Rücken frei bewegen kann. Ein Pferd, das das nicht weiß, kann nicht als gut ausgebildet gelten, und auch nicht als reell und erfolgreich trainiert. Noch etwas: Versuche nicht ein Pferd im Galopp zu reiten, auf dem du dich nicht wohl fühlst und versuche es nie alleine.

Du solltest dir bewusst sein: Ein Pferd zu bewegen hat immer etwas damit zu tun, dass sich beide, Pferd und Reiter, verstehen. Das Ziel für den Reiter ist es, für sich selbst und sein Pferd eine Vertrauensbasis zu bilden. Deine Vorstellung ist es, auf vider Hufen unbeschwert dahinzureiten aber die Vorstellung des Pferdes ist es, unter jemanden sich zu bewegen, der seinen Kopf runter ziehen kann oder verdrehen kann, schneller als sich diese Worte schreiben lassen. Auch dein eigenes Pferd denkt genau so und fürchtet das. Zunächst musst du Leben in dein Pferd bringen und es aufmerksam machen. Das ist die Leichtigkeit die da sein muss, ehe du mit der Versammlung beginnst.

Hier geht’s zu Leslie’s Homepage

Hier geht’s zu Leslie’s Büchern


Quelle:

Leslie Desmond