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Ausbildung :: Allgemeine Grundlagen

Reiten im Gelände: Regeln und Tipps

Eigentlich sollten die erfolgreichen Sportler Vorbilder sein, um eine Sportart populär zu machen und ein positives Image zu prägen. Gerade im Reitsport bröckelt das Ansehen aufgrund von Dopingskandalen und überzogenen Trainingsmethoden gewaltig. Da aber das breitensportliche Reiten nicht in abgeschlossenen Hallen stattfindet, sondern in freier Natur, ist der Freizeitreiter an der Front und kann mithelfen, den Reitsport wieder positiv zu prägen.
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Ausritt im AllgäuVor allem der Geländereiter kann den Reitsport der Öffentlichkeit präsentieren, denn er steht in direktem Kontakt mit den Mitmenschen, die er beim Sonntagsausflug oder Feierabendspaziergang trifft. Der Freizeit-Geländereiter ist deshalb mehr als viele andere Sportler in der Lage, sein Image zu formen. Dies geschieht leider nicht immer in positivem Sinne. Es gibt überall schwarze Schafe, so natürlich auch im Reitsport. Für viele Menschen sind Reiter immer noch ein „elitäres Völkchen“. Es ist schwierig, eingefahrene Vorstellungen zu ändern. Doch auch wenn sich das Bild vom elitären Gesellschaftssport zum Breitensport längst geändert hat, bedeutet dies nicht, dass sich die Außenwirkung positiv verändert hat.

Missständen keinen Raum geben

Es ist schwierig, das Bild des Reiters positiv zu prägen, so lange Missstände im Pferdetraining (z. B. Barren, Hyperflexion etc.), in der Zucht (Überproduktion von Pferden mit der Folge von grausamen Schlachtpferdetransporten), und in der Haltung (Berichte von ausgemergelten Pferden in sogenannten Gnadenbrothöfen) durch die Presse gehen. Die Vorstellungen über den Reitsport und die Pferdehaltung in den Köpfen der Menschen langfristig positiv zu prägen kann nicht an der Spitze des Eisbergs beginnen, sondern muss an der Basis angegangen werden. So ist der Freizeitreiter im alltäglichen Umgang mit seinem Pferd gefordert. Schon ein freundliches Grüßen während eines Ausritts kann oft Wunder bewirken und eine voreingenommene Meinung schlagartig ändern. Es reicht nicht, die üblen Taten von anderen zu verurteilen, man muss den korrekten Umgang mit dem Pferd vorleben.

Korrektes Verhalten des Reiters im Gelände ist ein Beitrag, den jeder leisten kann und soll. Für viele Reiter ist es eine Selbstverständlichkeit, Fußgänger oder Radfahrer freundlich zu grüßen. Und dass an Passanten nur im Schritt vorbeigeritten wird, sollte ebenfalls selbstverständlich sein. Doch man kann noch aktiver werden. Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit für ein nettes Gespräch, denn viele Fußgänger fürchten sich vor Pferden und weichen oft schon weiträumig aus, sobald ein Pferd in Sichtweite kommt. Es ist erschreckend, wie viele Menschen in ihrer Kindheit vom Pferd gefallen sind und seither nie mehr Kontakt zu den Vierbeinern haben wollten. „Eigentlich mag ich Pferde, aber seit ich damals vom Pferd gefallen bin, halte ich lieber einen großen Abstand“, hört man nicht selten.

Ein Gespräch mit Spaziergängern kann so manches Missverständnis aus dem Weg räumen. Sicher hat man die Gelegenheit zu erklären, dass Pferde keine aggressiven oder gefährlichen Tiere sind, die angreifen oder beißen, sondern vor unbekannten Dingen lieber Reißaus nehmen. Anfängliche Unsicherheiten oder Angst können dabei sogar in Sympathie umschlagen und bald trauen sich die Gesprächspartner das Pferd auch zu streicheln.

Gespräche suchen – Aufklärung betreiben

Einerseits kann man mit Gesprächen Vertrauen und Sympathie gewinnen, andererseits andere Verkehrsteilnehmer aufklären, dass Pferde durchaus erschrecken können, wenn Motorräder oder Autos schnell vorbeirauschen. Nach Möglichkeit sollte man sich auch mit den Landwirten der Umgebung gut stellen. Vielleicht findet man auf diese Weise einen zuverlässigen und günstigen Heu- und Strohlieferanten! Und wenn das Pferd einmal versehentlich einen Sprung in ein frisch angesätes Feld gemacht hat, wird der Landwirt sicherlich auch mal ein Auge zudrücken.

Wer häufig im Wald reitet, sollte sich um die Bekanntschaft des Försters oder Jägers bemühen. Im Wald gibt es häufig Konfliktsituationen, da jeder Waldbesucher – sei es Förster, Jäger, Reiter oder Pilzesucher – andere Interessen vertritt. Da kann es passieren, dass der Reiter dem Jäger das Wild vergrault. Andererseits könnte das Pferd eines Reiters durch den Schuss eines Jägers erschrecken. Es macht darum durchaus Sinn, das Gespräch mit dem Jäger zu suchen, der einen gerne über seine Jagdgewohnheiten in Kenntnis setzt, so dass man zu diesen Zeiten den Wald meiden kann.

Zum guten Ton des Reiters gehört es außerdem, bei längeren Gesprächen vom Pferd abzusteigen, um sich mit seinem Gegenüber auf Augenhöhe unterhalten zu können. Das Pferd sollte außerdem gut geschult sein, damit es gehorsam und ruhig stehen bleibt. Es macht einen schlechten Eindruck und verunsichert den Gesprächspartner, wenn das Pferd herumzappelt.

Der erste Eindruck hat keine zweite Chance

Auch das äußere Erscheinungsbild prägt die Meinung über die Reiter. Den ersten Eindruck gewinnt der Betrachter über die Kleidung und Ausrüstung des Reiters. Und wie man so schön sagt, hat der erste Eindruck keine zweite Chance. Deshalb ist der erste Eindruck, den man auf die Mitmenschen macht, besonders wichtig. Es muss auf dem Pferd zwar nicht der Sonntagsanzug sein, man sollte sich aber sauber und zweckmäßig kleiden. Die Ausrüstung wie Sattel und Zaumzeug sollten ebenfalls gepflegt sein. Auch den Zustand des Pferdes beurteilen selbst Laien unbewusst. Ist ein Pferd nassgeschwitzt, hat es den Anschein, als hätte man das Pferd gehetzt. Ein mageres Pferd fällt dem Beobachter genauso negativ auf: Der Pferdebesitzer kommt sofort in den Verdacht, sein Pferd hungern zu lassen. Gegen zu dicke Pferde haben die meisten hingegen nichts einzuwenden. Interessanterweise ist es beim Menschen gerade umgekehrt: Zu dünne Menschen werden als Ideal bewundert, während übergewichtige Menschen eher Verachtung ernten.

Ein schön geputztes Pferd macht immer einen guten Eindruck. Stroh im Schweif galt schon seit jeher als Fauxpas. Der Gesundheit des Pferdes zuliebe sollte man größeres Augenmerk auf eine saubere Sattellage legen, damit das Pad nicht scheuert. Trotzdem macht die Optik einfach den Eindruck aus, den man bei anderen hinterlässt.


Quelle:

Renate Ettl
Bild: Fotolia #101973795