1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Ausbildung :: Allgemeine Grundlagen

Horsemanship-Trainer-Übersicht: Herkunft, Methoden und Unterschiede

Horsemanship (HMS) könnte frei übersetzt auch „Natürlicher Umgang mit Pferden“ bedeuten. In den letzten Jahren gewinnt der Begriff im Gesamten Pferdesportbereich immer mehr an Bedeutung und es gibt zahlreiche Trainer, die sich mit dieser Methode befassen.
Grenzen Sie ihre Suche auf dem Gebiet Allgemeine Grundlagen ein. Mit einem Suchbegriff liefert unsere Datenbank Fachbeiträge zu diesem Thema an.

20100824-dsc_1932Der Grundgedanke des HMS beschreibt in erster Linie die „Art des Umgangs mit dem Pferd“ und bezieht alles mit ein, was Reiten, Ausbildung, Haltung und Pflege anbelangt. HMS-Training ist damit deutlich mehr als nur Bodenarbeit. Es erfordert vom Reiter eine hohe, emotionale Flexibilität und Verantwortung beim Umgang mit dem Pferd. Geeignet ist HMS-Training reitweisenunabhängig, denn jeder Reiter profitiert im täglichen Umgang mit Pferden von grundlegenden Kenntnissen des natürlichen Pferdeverhaltens. Zum besseren Verständnis wollen wir im Folgenden die ursprünglichen Begründer der modernen HMS-Methode sowie einige Trainer vorstellen.

Die Urväter der Horsemanship Bewegung

Tom Dorrance (1910 – 2003) – fühlen und denken wie ein Pferd
Er gilt als Begründer der HMS Bewegung. Mit seinem Bruder Bill war er einer der ersten Cowboys, die diesen Begriff prägten. Ihn  zeichnete  ein besonders gefühlvoller Umgang mit Pferden aus, der sich deutlich von den damals üblichen Ausbildungsmethoden abhob, Pferde mit Gewalt gefügig zu machen. Tom Dorrance versuchte Aufgaben so zu arrangieren, dass das Pferd sie versteht und lehnte rein mechanische Abläufe ab. Leslie Desmond gilt als seine beste Schülerin und hat mit ihm zusammen das Buch: „True Horsemanship Through Feel“ geschrieben. Sie gibt heute noch Kurse in seinem Sinne in Europa, mitunter auch in Deutschland.

Ray Hunt (1929-2009) –  mach das Falsche schwer und das Richtige leicht. Er war Rancher der Westküste, der bekannteste Schüler seines Mentors Tom Dorrance und mit seinen Kursen/Clinics auch der wirtschaftlich erfolgreichste. In den siebziger Jahren sorgte er so für eine weite Verbreitung der pferdefreundlichen HMS-Methode bis weit über die USA hinaus. Beim Training stand das Wohl des Pferdes im Vordergrund, dem zum Erlernen von Lektionen immer die notwendige Zeit gegeben wurde, damit es diese bestmöglich, nach seinem Können, bewältigte.

Monty Roberts – den Menschen als Leittier akzeptieren. Er entwickelte seine eigene Methode mit dem Kernpunkt des „Join-up“, bei der Instinkte wie Flucht- und Herdentrieb genutzt werden. Das Pferd soll sich dem Menschen anschließen und ihn als Leittier akzeptieren. Monty Roberts war der erste, der  HMS in  Europa vermittelte. Er trainierte die Pferde der britischen Königin Queen Elisabeth und wurde ihr offizieller Berater. Bekannt wurde er in Deutschland durch die Arbeit mit dem Rennpferd „Lomitas“ (Gestüt Fährhof), der erst nach seinem Training bereit war, eine Startbox zu betreten.

Aktuelle Trainer der modernen Horsemanship Bewegung

Buck Brannaman – Geduld, Führung, Mitgefühl, Deutlichkeit und Reiten mit feiner Hand. Als Schüler von Tom Dorrance/Ray Hunt gilt er derzeit als einer der führenden Ausbilder der HMS-Methode weltweit und unterrichtet reitweisen-unabhängig. In seiner Kindheit schwer misshandelt, entwickelte er besonderes Einfühlungsvermögen für den Umgang mit (traumatisierten) Pferden, lernte, wie sie zu denken und zu fühlen und mit ihrem Instinkt zu arbeiten. Er inspirierte Nicholas Evens zu dem Roman „Der Pferdeflüsterer“ und stand aktiv und beratend bei den Filmaufnahmen zur Seite.

Pat Parelli – die Psychologie des Pferdes als Herden- und Fluchttier verstehen
Er gründete 1981 die „Parelli Natural Horsemanship“ (PNH)-Methode, ein Ausbildungskonzept für Pferde und Menschen, das weltweit verbreitet (Parelli Instruktoren) und für alle Reitweisen geeignet ist. PNH beruht auf Kommunikation, Respekt und Vertrauen zwischen Mensch und Pferd und berücksichtigt die unterschiedlichen Pferdepersönlichkeiten. Zu den grundlegenden Übungen gehören die sieben Spiele am Boden, die von vielen Pferdebesitzern herangezogen werden. Mensch und Pferd sollen lernen, gegenseitig auf immer feinere Signale zu reagieren.

Alfonso Aguilar – das Pferd nicht beherrschen sondern überzeugen
Der Tierarzt und Trainer gilt als einer der besten Horseman, er wirkte mit an der Entstehung der PNH-Methode von Pat Parelli und entwickelte dann sein eigenes Programm „Natural Concepts“. Er begegnet Pferd und Mensch mit Geduld und Verständnis, geht individuell auf jedes Pferd/Reiter-Paar ein und setzt auf gute Beziehungsarbeit um Probleme zu lösen. Seine Arbeit ist geprägt von Sensibilität, positiver Motivation, Freude und der Vermeidung von Druck.

Jean-Claude Dysli (1935- 2013) – Pferde lügen nicht und haben kein materielles Denken
Der gebürtige Schweizer war vor rund 50 Jahren der erste, der Quarter Horses und damit auch die Idee des Westernreitens nach Europa brachte. Bei einem USA Aufenthalt kam er mit der Westernreitszene in Kontakt, lernte bei den Trainern George und Harry Rose und verschrieb sich der traditionellen altkalifornischen Reitweise. Er war eng befreundet mit den Western-Legenden Tom Dorrance und Ray Hunt, arbeitete lange Jahre als Cowboy, ritt hunderte von Pferden anund züchtete Quarter Horses.

Mark Rashid – die Energie in gewünschte Bewegungen umleiten
Er besitzt die Fähigkeit aus Sicht des Pferdes zu schauen, setzt bei Problemlösungen auf sensible Kommunikation und regt Pferd und Mensch gleichermaßen zum Nachdenken an. Im Alter von 10 Jahren traf er einen alten Mann, von dem er lernte, mit Pferden zu arbeiten statt gegen sie. Als Aikidomeister durchdringen Grundsätze dieser Kampfkunsttechniken sein HMS-Training. Im Aikido kommt es nicht zur Konfrontation, die Attacke wird sanft umgelenkt. Bei Pferden macht er es ähnlich, indem er ihre Energie in Bewegung umleitet und zwar in die Richtung, in der er sie haben möchte.

Clinton Anderson und Steve Halfpenny – HMS von Down-Under
Clint lernte durch die Beobachtung von Wildpferden (Brumby) viel über das natürliche Pferdeverhalten und setzt beim Training auf Körpersprache, Wiederholung und Konsequenz, wobei jeder kleinste Versuch des Pferdes in die richtige Richtung belohnt wird.

Steve arbeitete als PNH-Instruktor und entwickelte 2002 das „Silversand Horsemanship-Konzept“, das auch in Deutschland unterrichtet wird. Er ist bekannt für seinen ausgeglichenen und souveränen Umgang mit Problempferden, betrachtet das Pferd ganzheitlich und baut zwischen den Übungen Ruhepausen zum Nachdenken ein.

Aktuelle und regionale HMS Trainer in Deutschland

Neben den oben erwähnten bekannten HMS-Trainern gibt es auch in Deutschland zahlreiche HMS Ausbilder, wie z.B. PNH-Instruktoren und TGT®-Trainer (Peter Kreinberg). Andere haben die HMS-Methode um Nuancen ergänzt, etwas abgewandelt oder haben bestimmte Schwerpunkte wie beispielsweise Jungpferdeausbildung, Verladetraining, Bodenarbeit oder Reiten. So findet jeder Reiter oder Pferdehalter in Deutschland einen HMS-Trainer, passend zum individuellen Pferd-Reiter Paar. Im Folgenden werden beispielgebend einige deutsche HMS-Trainer vorgestellt.

Bernd Hackl – Stärken fördern, Schwächen ausgleichen
Der aus der Sendung „Die Pferdeprofis“ (Vox) bekannte Süddeutsche, widmet sich besonders der Jung- und Problempferdeausbildung. Seine Fähigkeiten eignete er sich in den USA bei Roy Sharpe, Steve Holloway und Bill Hornan an. Eine solide Ausbildung am Boden gilt für ihn als Basis für Vertrauen und Respekt.

Peter Kreinberg – Leichtigkeit als Ziel
Er gehört zu den renommiertesten Ausbildern in Deutschland und ist Entwickler der Ausbildungsmethode „The Gentle Touch®“, die für alle Reitweisen geeignet ist. Sie beinhaltet Aspekte der klassisch-kalifornischen Reitweise, der Kampagne-Reiterei sowie der amerikanischen HMS-Methode.

Claudia Miller – Partnerschaft auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt
Die HMS-Trainerin betrachtet als Tierärztin und Veterinärchiropraktikerin Pferde unter ganzheitlichem Aspekt, denn nur ein emotional, mental und physisch fittes Pferd kann gut mitarbeiten. Sie sieht jedes Pferd als spezielles Individuum, arbeitet mit positiver Energie, Zuversicht und individuell passend zum Pferdetyp.

Weitere ausführliche Informationen zu den jeweiligen Trainern finden Sie auf deren Hompage, dort werden oft auch aktuelle Termine für Kurse sowie weitere regionale Ausbilder angezeigt.

Tom Dorrance: www.tomdorrance.com
Ray Hunt: www.rayhunt.com
Leslie Desmond: www.lesliedesmond.com
Monty Roberts: www.montyroberts.com
Buck Brannaman: www.brannaman.com
Pat Parelli USA: www.parelli.com
PNH Instruktoren: www.parelli-instruktoren.com
Alfonso Aguilar: www.aguilarnaturalconcepts.com
Jean-Claude Dysli: www.jcdysli-riding.com
Mark Rashid: www.markrashid.com
Clinton Anderson: www.clintonanderson.com
Steve Halfpenny: www.silversand.com.au
Bernd Hackl: www.berndhackl.de
Peter Kreinberg: www.thegentletouch.de
Claudia Miller: www.claudia-miller.de


Quelle:

Text und Bild: Meike Bölts