1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Ausbildung :: Allgemeine Grundlagen

Handpferdereiten: So gelingt der Start

Ob es um das Mitführen eines Packpferdes auf einem Wanderritt geht, man ein junges Pferd an das Gelände gewöhnt oder einem alten Pferd etwas Bewegung verschaffen möchte – das Pferd an der Hand spart Zeit, fördert die Ausbildung und macht zudem noch richtig Spaß.
Grenzen Sie ihre Suche auf dem Gebiet Allgemeine Grundlagen ein. Mit einem Suchbegriff liefert unsere Datenbank Fachbeiträge zu diesem Thema an.

Reiten mit HandpferdUm zwei Pferde sicher kontrollieren zu können, sind einige Voraussetzungen notwendig. Wenn ein Reiter bereits mit seinem Reitpferd Probleme hat, ist er beim Mitführen eines zweiten Pferdes vollends überfordert. Darum ist die erste Grundvoraussetzung ein absolut zuverlässiges und sicheres Reitpferd. Es sollte scheufrei, einhändig kontrollierbar und gegenüber anderen Pferden sozial eingestellt sein.

Die Rangordnung muss vorher klar sein

Es muss sichergestellt sein, dass sich Reit- und Führpferd gut miteinander vertragen. In der Regel sind hierfür immer zwei Pferde geeignet, die auch miteinander im Auslauf leben. Sie haben die Rangordnung bereits klar festgelegt, so dass es während des Ritts kaum zu Streitereien kommen wird. In der Praxis hat es sich bewährt, das ranghöhere Pferd zu reiten und das rangniedrigere mitzuführen, da es in der Natur der Sache liegt, dass das rangniedrigere Tier immer hinter dem ranghöheren geht. Da das Handpferd in der Regel eine Halslänge weiter hinten gehen sollte, gibt es weniger Probleme, als wenn das ranghöhere Pferd plötzlich dem rangniedrigeren folgen soll. Bei Pferden aber, die sehr gute Freunde sind, kann man ohne Probleme Reit- und Handpferd wechseln. Bei befreundeten Pferden ist es auch möglich, sie Kopf an Kopf auf gleicher Höhe gehen zu lassen, so lange man die Kontrolle über das Handpferd beibehält.

Halfter oder Gebiss?

Rechtlich gesehen ist es vorgeschrieben, Handpferde am Gebiss mitzuführen. Hierfür eignet sich eine einfache Wassertrense. Um jedoch einen einseitigen Zug auf das Gebiss zu vermeiden, hilft eine Longierbrille, die an beiden Gebissringen eingeschnallt wird. Sie sorgt dafür, dass der Zug des Führstricks auf beide Gebissringe verteilt wird, da der Führstrick mittig – wie beim normalen Stallhalfter – eingehakt wird. Das Handpferd an den Reitzügeln mitzuführen, ist unpraktisch, bei geschlossenen Zügeln auch gefährlich und sollte daher vermieden werden.

Das Handpferd läuft jedoch dann am Stallhalfter mit, wenn das junge Pferd noch nicht an das Gebiss gewöhnt worden ist. Knotenhalfter sind für das Handpferdereiten nur geeignet, wenn sie in Größe und Material geeignet und richtig angepasst werden. In jedem Fall: Vorsicht! Auch das beste Handpferd – ob jung oder alt – kann eigene Ideen entwickeln und unvermittelt stehen bleiben oder nach vorne stürmen. Dann muss der Reiter in der Lage sein, das Beipferd wieder in die Idealposition zu bringen. Dem Reiter sollte es gelingen, das Handpferd – unabhängig vom Reitpferd – entweder zurückzuhalten oder anzutreiben. Ein vorgeschaltetes Bodenarbeitstraining kann hierzu sehr hilfreich sein.

Temperamentvolle und dominante Pferde sollten immer am Gebiss geführt werden. in extremen Fällen –wenn kein Gebiss möglich ist – kann das Einschnallen einer Führkette um das Nasenteil des normalen Stallhalfters (jedoch nicht beim Fohlen!) helfen, ein stürmisches Pferd im Zaum zu halten.

Sicherheit geht vor

In einer gewohnten Umgebung und unter kontrollierbaren Bedingungen – am besten auf dem umzäunten Reitplatz oder in der Reithalle – lassen sich viele Bereiche des Handpferdereitens üben. Der Reiter kann lernen, separat auf die Pferde einzuwirken und die Pferde erfahren dabei, was von ihnen gefordert ist.

Geführt wird das Handpferd stets auf der rechten (verkehrsabgewandten) Seite des Reitpferdes. Dies ist in der Regel auch die gewohnte Seite, von der das Pferd vom Boden aus geführt wird. Später kann übungshalber auch die Seite gewechselt werden, im Straßenverkehr ist jedoch darauf zu achten, dass das Handpferd auf der verkehrsabgewandten Seite geführt wird.

Steuerung des Handpferdes

Ein Handpferd sollte nicht nur lernen, auf Schulterhöhe neben dem Reitpferd herzulaufen, sondern muss bei Engstellen auch mal hinter dem gerittenen Pferd gehen können. Hierfür muss der Führstrick lange genug sein, so dass der Reiter nicht gezwungen ist, sich nach hinten zu lehnen, damit das Beipferd auch ohne zu drängeln hinter dem Reitpferd nachlaufen kann. Das Reitpferd könnte sonst unter Umständen auf das Führpferd ausschlagen. Gut trainierte Handpferde schließen nach der Engstelle von selbst wieder zur Normalposition neben dem Reitpferd auf.

Mit dem Handpferd sollte man auch Wendungen nach beiden Seiten und das Rückwärtsrichten üben. Schnell wird das Beipferd dabei lernen, dass es bei einer Wendung nach links seine Schritte verlängern muss, um auf gleicher Höhe zu bleiben. Bei einer Wendung nach rechts muss es dagegen die Gangart verlangsamen beziehungsweise sogar eine Hinterhand Wendung ausführen. Besonders das Rückwärtsrichten wird aufzeigen, wie gut man beide Pferde vom Sattel aus kontrollieren kann. Es muss sichergestellt sein, dass beide Pferde nahezu gleich gut unter der Kontrolle des Reiters stehen. Wenn man das Handpferd schon so weit ausgebildet hat, macht das Handpferdereiten natürlich umso mehr Spaß.

Der Führstrick

Die Länge des Führstricks ist entscheidend für dessen Einsatzmöglichkeiten. Die ideale Länge ergibt sich zum einen aus der Größe der Pferde, zum anderen vom Ausbildungsstand und den Manövern, die man fordert. Einerseits muss der Strick lange genug sein, um ein bequemes Hintereinandergehen der beiden Pferde zu gewährleisten, andererseits muss der Führstrick problemlos kurz genommen werden können, wenn es die Situation erfordert.

Das Material des Führstricks sollte rutschfest und mit einem stabilen Karabinerhaken ausgestattet sein. Als ideal haben sich längere Bodenarbeitsseile (ca. 4 Meter Länge) erwiesen. Keinesfalls einen Anbindestrick mit einem sich selbstöffnenden Panikhaken verwenden!

Der Führstrick wird immer mit der Hand auf der Seite des Beipferdes gehalten. Er darf jedoch keinesfalls um die Hand gewickelt werden! Schon ein einziger Ruck des Handpferdes und der Reiter könnte vom Reitpferd stürzen – mit allen erdenklich negativen Konsequenzen. Zum Führen eines Handpferdes gelten ansonsten dieselben Regeln wie beim Führen eines Pferdes vom Boden aus.


Quelle:

Renate Ettl
Bild: Fotolia #71035968