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Ausbildung :: Allgemeine Grundlagen

Handpferdereiten: Fohlen und Jungpferde

Junge Pferde können als Handpferd schon früh an Aufgaben herangeführt werden, die sie später als Reitpferd meistern müssen. Das Mitführen des jungen Pferdes neben einem erfahrenen Reitpferd ist deshalb eine hervorragende Möglichkeit, den Youngster insbesondere im Gelände mit den verschiedensten Situationen vertraut zu machen.
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q-ranch-dsc_0691__2_Einige Grundvoraussetzungen für das Handpferdereiten sind in den Barnboox-Fachartikeln „Handpferdereiten: Im Doppelpack macht`s Spaß“ und „Handpferdereiten: So gelingt der Start“ nachzulesen. Diese dort beschriebenen Erfahrungen sind hilfreich, wenn man schon junge Pferde als Handpferd mitnehmen möchte. So spricht nichts grundsätzlich dagegen, bereits wenige Wochen nach der Geburt, wenn die Mutterstute wieder leicht geritten werden kann, das Fohlen an der Seite seiner Mutter ins Gelände zu führen. Gerade wenn die Mutterstute später wieder als Reitpferd genutzt werden soll, ist das frühe Reiten für Figur und Kondition vorteilhaft.

Das Fohlen als Handpferd

Wer schon ein Fohlen als Handpferd einsetzen will, muss bereits Erfahrung im Handpferdereiten und im Umgang mit Fohlen haben. Alle Schritte die hier beschrieben sind, finden in den ersten Lebenswochen und -monaten des Fohlens statt. Zeitdruck darf hier gar keine Rolle spielen. Es wird nur umgesetzt, was das Fohlen bereit ist zu leisten. Keine Überforderung und so wenig Druck wie möglich sind die wichtigsten Regeln.

Bereits in den ersten Lebenswochen sollte normalerweise ein Fohlen daran gewöhnt werden, ein Halfter zu tragen und sich führen zu lassen. Dies ist nicht nur praktisch im täglichen Umgang mit dem Pferd, sondern auch notwendig, um es im Notfall verarzten zu können, ihm eine Wurmkur zu verabreichen, die Hufe zu trimmen oder es auf eine andere Koppel zu bringen. Denn in manchen Situationen ist es nicht ungefährlich, das Fohlen unkontrolliert der Mutterstute nachlaufen zu lassen.

Erstes Führtraining

Das Halfter sollte perfekt angepasst sein. Ist das Halfter zu locker verschnallt, könnte es damit irgendwo hängenbleiben, zu enge Halfter hingegen sind unangenehm zu tragen und können Druckstellen verursachen. Anfangs sollte das junge Pferd nur unter Aufsicht ein Halfter tragen. Konnte sich das Fohlen einige Zeit an das Tragen des Halfters gewöhnen, ist es an der Zeit, einen Führstrick einzuhaken. Die ersten Führversuche finden stets in der Nähe der Mutterstute statt, damit sich das Fohlen sicher fühlt. Mit zunehmender Routine und Vertrauen zum Menschen kann man schließlich den Abstand zur Mutterstute immer mehr erweitern.

Schließlich folgt im nächsten Schritt, die eingeschränkte Bewegungsfreiheit am Strick zu akzeptieren. Das Angebundensein birgt jedoch für so ein junges Pferd Gefahren, wenn es versucht, sich loszureißen. Ideal ist, das Fohlen an seiner Mutter zu fixieren, was mit Hilfe eines stabilen Bauchgurts geschieht. An der Seite der Mutterstute fühlt sich das Fohlen sicher und lernt nebenbei, das Angebundensein zu akzeptieren.

Die ersten Schritte als Handpferd

Sind diese Schritte vollzogen, ist das Fohlen darauf vorbereitet, nun auch als Handpferd – selbstverständlich jedoch nur an der Seite seiner Mutter – mitzulaufen. Weil man das Pferd in der Regel von der linken Seite aus führt, gewöhnt man das Fohlen daran, auf der rechten Seite der Mutterstute angebunden zu laufen. Der Strick hierfür darf nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz gewählt werden. Das junge Pferd sollte weder direkt hinter der Mutterstute laufen, noch den Kopf bis zum Boden senken können. Außerdem darf es nicht unter den Hals der Mutter hindurchschlüpfen können. Dennoch muss es mit dem Kopf genügend Bewegungsfreiheit haben, um sich beim Laufen auszubalancieren.

Führt man das Fohlen vom Sattel aus mit, sollte es jedoch nicht angebunden, sondern an der Hand geführt werden. Hierzu ist es von Vorteil, wenn die Mutterstute einhändig geritten werden kann, um eine Hand für das Handling des Fohlens frei zu haben. Man muss damit rechnen, dass sich das Fohlen sträubt, vorwärts zu gehen, mal einen Satz nach vorne oder zur Seite macht, zu steigen versucht oder am Strick oder Sattelzeug knabbern will. Letzteres sollte möglichst unmittelbar unterbunden werden, damit die Ausrüstung nicht darunter leidet und sich das junge Pferd bei einer schnellen Einwirkung keine Maulverletzung zuzieht. Aber auch Flegeleien sollte man nicht dulden.

Sanfte, zupfende Einwirkungen mit dem Führstrick rufen das Fohlen zur Ordnung, wenn es mit seinem Übermut über die Stränge schlägt. Die Ausritte erfolgen zunächst nur im Schritt und nicht länger als eine halbe Stunde, denn ein Saugfohlen hat noch keine Kondition, längere Strecken zu bewältigen. Wird es frühzeitig müde, möchte es ausruhen und sich hinlegen, woran es jedoch gehindert wird. Zudem sollte man mehrere Pausen einkalkulieren, in denen das Fohlen Gelegenheit hat, sich an der Milchbar zu bedienen und neue Kräfte zu tanken.

Absetzer und „Halbstarke“ als Handpferd

Ab nun wird das junge Pferd stets am Strick mitgeführt und sollte bereits eine gute Grundausbildung am Boden genossen haben. Hat man Absetzer oder Jungpferd nicht selbst groß gezogen, sondern gekauft, muss man prüfen wie weit der Ausbildungsstand ist und unter Umständen mit dem Training komplett von vorne beginnen. Aber gerade für Jungpferde, also Jährlinge oder 2-jährige Pferde ist das Handpferdereiten ideal zum Muskelaufbau. Im Gelände mit Steigungen oder Senken, in verschiedenen Gangarten, werden die Muskeln erwiesener Maßen weit besser trainiert als beim Grasen auf der Weide, beim Freilaufen oder Longieren in der Reithalle.

Sind die Jungpferde ein Jahr alt, müssen sie rein rechtlich mit einem Gebiss geführt werden. Die meisten Ausbilder und Trainer empfinden es zu früh, bereits Jährlinge an ein Gebiss zu gewöhnen. Da die Bindung zum Reitpferd nun nicht mehr gegeben ist, können sich die vormals kleinen Schwierigkeiten nun zu handfesten Problemen auswachsen. Deshalb sind Flegeleien möglichst schon im Keim zu ersticken und – insbesondere bei jungen Hengsten – der Umstieg auf ein Gebiss durchaus in Betracht zu ziehen.

Dennoch kennt das junge Pferd bald seinen Job und kann beim Mitlaufen bereits sehr viel lernen. Zudem wird es durch das Mitführen vom Pferd aus optimal auf seine Aufgabe als zukünftiges Reitpferd vorbereitet. So kann sich das Handpferd schon früh daran gewöhnen, dass der Mensch nicht nur vom Boden, sondern auch von höherer Position einwirkt. Berührt und tätschelt man das Handpferd vom Reitpferd aus, akzeptiert es später auch seinen Reiter schneller, weil es bereits weiß, dass von oben keine Gefahr droht.


Quelle:

Renate Ettl
Bild: QH-Ranch

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