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Wahl zum Galopper des Jahres: Ivanhowe als erster der drei hochkarätigen Kandidaten im Portrait

04.02.2015 - Drei Top-Pferde bewerben sich derzeit um die begehrte Auszeichnung zum "Galopper des Jahres 2014" – der zweifache Gruppe I-Sieger Ivanhowe, der Melbourne Cup-Gewinner Protectionist und der Derby-Held Sea The Moon (wir berichteten). Nun werden die Kandidaten nacheinander (in alphabetischer Reihenfolge) ausführlich vorgestellt - im Portrait und Interview.
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2014 war unbestritten sein Jahr, ohne Frage. Der ehemalige Derby-Favorit Ivanhowe avancierte zum Gruppe I- Helden. Nach dem vielversprechenden Sieg im Gerling-Preis in Köln und einer schwächeren Vorstellung in Chantilly wegen eines Hufproblems schaffte der Soldier Hollow-Sohn aus dem Gestüt Schlenderhan unter der Regie von Jean-Pierre Carvalho eine Riesenüberraschung.

Im Longines-Großer Preis von Baden (Gruppe I, 250.000 Euro) in Baden-Baden bezwang er unter Filip Minarik den für nahezu unschlagbar gehaltenen Derbysieger Sea The Moon. Mit gewaltiger Endgeschwindigkeit und drei Längen Vorsprung siegte der vierjährige Top-Hengst.

Und am 1. November schlug in München erneut Ivanhowes große Stunde: Im Pastorius-Großer Preis von Bayern (Gruppe I, 155.000 Euro, 2.400 Meter) landete er den zweiten Coup auf höchster Ebene, erneut unter Filip Minarik, aber diesmal als klarer Favorit.

Und dann fackelte sein Team nicht mehr lange und steuerte einen Monat später eines der bedeutendsten Rennen der Welt an, den Japan Cup (Gruppe I, 3,2 Millionen Euro Preisgeld) in Tokio Und dort zeigte er als Sechste eine absolute Glanzleistung. Der zu einer Quote von über 700:10 als Riesenaußenseiter gestartete Crack musste nur fünf Japaner vor sich dulden. Auf dem Schlussstück der 2.400 Meter wurde Ivanhowe immer stärker und verdiente über 120.000 Euro.

Allein 2014 galoppierte der Hengst 410.590 Euro ein – mit drei Siegen sowie der Top-Vorstellung in Japan bei sechs Starts. Er wurde kurz nach dem Auftritt in Tokio nach Australien verkauft und wird dort seine Karriere fortsetzen.

Im Interview gibt Gebhard Apelt, General Manager Gestüt Schlenderhan, exklusive Einblicke in die Rennsaison 2014 von Ivanhowe

Frage von Michael Hähn, German Racing: Ivanhowe startete mit dem Sieg im Gerling-Preis fulminant in die Saison, doch dann ging es zunächst nicht so recht weiter. Was war der Grund?

Gebhard Apelt: In Paris war das Rennen sehr langsam, das hat ihm überhaupt nicht behagt. Ivanhowe hat sich verpullt. Als die vorderen Pferde losgezogen sind, hat er zwar seine Position behauptet, aber der damalige Jockey hat nicht auf diese Situation reagiert, und es hat nicht zu einer besseren Platzierung gereicht. Danach wurde der Beschlag gewechselt, dabei wurde aber von der Zehe etwas zuviel weggekürzt. Das Pferde musste zwei Wochen stehen, eher er neu beschlagen werden konnte. Da war er aus dem Tritt und konnte erst ab August wieder richtig trainiert werden.

Frage: Im Longines-Großer Preis von Baden meldete er sich mit einem Triumph über Sea The Moon eindrucksvoll zurück. Wie waren damals Ihre Erwartungen?

Gebhard Apelt: Vor dem Rennen stach Sea The Moon durch seine Vorformen heraus. Es war aber das erste Aufeinandertreffen zwischen dem besten Dreijährigen und guten Älteren. Da weiß man im Vorfeld nie so genau, wie die einzelnen Jahrgänge zu bewerten sind. Sicherlich handelt es sich bei beiden um sehr gute Pferde. Wir haben eine sehr gute Teamleistung erzielt. Um Sea The Moon zu besiegen, haben wir uns eine besondere Taktik ausgedacht und hatten mit Iniciar ein zweites Pferd am Start, das für Ivanhowe ein passendes Rennen gestalten sollte. Er sollte gewissermaßen auf Ivanhowe aufpassen, damit er schalten und walten konnte, wie er wollte. Die beiden Jockeys haben das perfekt gelöst.

Frage: Im Prix de l`Arc de Triomphe blieb Ivanhowe unter Form, aber im Pastorius- Großer Preis von Baden imponierte er. Wie schätzen Sie diese beiden Starts ein?

Gebhard Apelt: Der Arc stand unter keinem glücklichen Stern, aufgrund der sehr schlechten Startnummer. Wir mussten eine andere Taktik wählen, und die ist leider nicht aufgegangen.
Der Sieg in München war in meinen Augen eine sehr gute Leistung. Ivanhowe kam aus dem Hintertreffen durchs Feld durch. Als die englische Stute in seiner Nähe war, löste sich unser Pferd, nur mit den Händen unterstützt, mit einem sehenswerten Turn of foot in leichter Manier. Zu sehen, wie er sich auf den letzten 150 Metern auf dieser Distanz und dem weichen Boden abgesetzt hat, hat viel Spaß gemacht.

Frage: Wie kam es zu dem Plan, im Japan Cup anzutreten?

Gebhard Apelt: Durch den Sieg in Baden-Baden hatte Ivanhowe eine automatische Startberechtigung im Breeders´ Cup in den USA und im Japan Cup. Der Hengst hatte das Rennen in Paris gut verkraftet und sich in München ja toll von den Gegnern gelöst. Wir haben uns nach dem Großen Preis von Bayern für den Japan Cup entschieden. Die Linienführung und die Art, wie Rennen in Japan gelaufen werden, liegt Ivanhowe unserer Meinung nach besser als in den USA und Honkong.

Frage: Als Sechster schlug sich Ivanhowe in Tokio grandios. Wie beurteilen Sie diese Leistung?

Gebhard Apelt: Das einzige Problem waren die Bodenverhältnisse, aber die kann man sich halt nicht aussuchen. Es hatte zwar in der Woche geregnet, aber die Drainage ist so gut, dass von der Feuchtigkeit nicht mehr viel zu merken war. Der Boden war gut bis fest. Angesichts dieser Verhältnisse und der starken Gegnerschaft ist Ivanhowe ein sehr gutes Rennen gelaufen, was man auch an den Zeiten ablesen kann. Ivanhowe absolvierte die 2.400 Meter in 2:24,1 Minuten.

Frage: Weshalb sollte Ivanhowe aus Ihrer Warte "Galopper des Jahres 2014" werden?

Gebhard Apelt: Ohne Frage ist er das beste ältere Pferd derzeit in Deutschland. Nur Ivanhowe ist hierzulande zweifacher Gruppe I-Sieger in 2014.

(Anmerkung der Redaktion: Inzwischen wurde Ivanhowe nach Australien verkauft, wo er seine Rennkarriere fortsetzen wird.)
 

Lesen Sie hier, wie Sie an der Wahl zum Galopper des Jahres teilnehmen können!
 


Quelle:

German Racing

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