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Panorama :: News-Archiv

„Vom Weg abgekommen“: Quarter Horse- VIP Frank Merrill veröffentlicht viel beachteten Artikel

05.11.2014 – Im amerikanischen Blatt „Quarter Horse News“ vom 15. Oktober 2014 hat Past President und Hall of Fame-Mitglied der American Quarter Horse Association (AQHA) Frank Merrill ein bemerkenswertes Statement veröffentlicht mit dem Titel ‚Strayed the Cours‘ – übersetzt: ‚Vom Weg abgekommen‘. Darin kritisiert er die bereits seit einiger Zeit zu beobachtenden Trends im Training und Showing – ja in der Philosophie – im Western- und Quarter Horse-Sport. Auch das für die Amerikaner äußerst unbequeme Thema der Medikation von Turnierpferden spricht Merrill an. Ein bemerkenswerter Artikel und Schritt aus der Deckung von einem VIP der Szene.
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NRHA Sportwart und Mitbegründer der NRHA Germany Bernie Hoeltzel (selbst nicht nur Trainer und Züchter, sondern auch FEI- und NRHA- Richter) machte explizit darauf aufmerksam mit den Begleitworten: „Ich stehe mit ganzem Herzen dahinter, und ich muss sagen, ich bin ganz seiner Meinung. Frank macht auf Auswüchse in der Zucht und im Training aufmerksam, die durchaus nicht nur den Westernreitsport angehen. Ein absolut lesenswerter Artikel!“

Hier eine Zusammenfassung der aufrüttelnden Worte von Frank Merrill:

Frank Merrill ist eine sehr bekannte Persönlichkeit in der AQHA-Szene. Er ist Pferden und Quarter Horses seit über 50 Jahren verbunden. „Ich hatte das Glück, großartige Pferdeleute als Lehrmeister zu haben“, so Merrill. „Und ich habe mich immer bemüht, das Wissen, das ich von ihnen gelernt habe, auch weiterzugeben. Wir sollten immer daran denken: Mit unserem Verhalten und den Wertvorstellungen, nach denen wir leben, stellen wir ein Vorbild für die nächste Generation da. Es liegt an uns, dass es ein gutes Vorbild ist! Unser Ziel muss es sein, die Pferdeindustrie voranzubringen – sauberes, pferdegerechtes Training gehört ganz wesentlich dazu, und gerade hier müssen wir Vorbild sein.“

„Aber die Zeiten ändern sich, und wie ich fürchte, nicht immer zum Besseren. Mittlerweile sind einige Personen, die sich Pferdeleute nennen, vom Weg abgekommen. Ich weiß, dass ist ein hartes Statement, das auf viel Gegenwehr treffen wird. Aber es muss einmal gesagt werden. Manches gefällt mir ganz und gar nicht, was ich in der heutigen Pferdeindustrie sehe, und wir sind teilweise einen weiten Weg von den Vorstellungen abgekommen, die uns Pferdeleuten immer wichtig waren.“

„Nehmen wir nur mal die Zucht. Heute diktiert der Markt die Pferdezucht. Wichtig ist, was die Nachzucht an Geld einbringt, vielfach ohne Rücksicht darauf, ob das Fohlen auch vom Gebäude her so ist, dass es lange Trainingsjahre problemlos besteht. Zu massige Fütterung tut das ihre dazu. Dabei kann man sehr wohl ein erstklassiges Pferd mit gesunder Fütterung, viel Weidegang und Bewegung und mit der richtigen Hufpflege durch einen erstklassigen Schmied aufziehen.“

„Der beste Hengst und die beste Stute sollten zusammengebracht werden, um ein noch besseres Fohlen zu bekommen. Dabei zählen natürlich erfolgreiche, große Namen – bizarr ist es allerdings, wenn nur noch nach dem Buchstaben gezüchtet wird und dabei genetische Defekte, Charakterschwächen und Gebäudefehler außer Acht gelassen werden.“

„Auch in der Ausbildung werden leider in vielen Disziplinen Abkürzungen gegangen, die nur zu kurzfristigen Erfolgen führen, langfristig jedoch nach hinten losgehen. Anstatt das junge Pferd nach altbewährten Methoden langsam und konsistent zu trainieren, geht man vielerorts Abkürzungen, die auch zu bemerkenswerten Erfolgen führen – allerdings oft ohne Rücksicht darauf, wie das Pferd in 8 oder 10 Jahren sein wird. Junge Pferde werden wie am Fließband trainiert ohne Rücksicht auf ihre Individualität. Wenn etwas nicht sofort funktioniert, ist das Pferd nicht wert. Und viel davon kommt durch den Druck, den Besitzer auf die Trainer ausüben.“

„Und schließlich noch ein gern verschwiegener Punkt: Doping. Der Einsatz von Medikamenten ist mehr oder weniger zur Norm geworden, um noch mehr Erfolg zu erzielen. In nicht allen Disziplinen gibt es Doping-Kontrollen. Und selbst dort, wo es sie gibt, gibt es immer noch Bestrebungen, sich um die Regeln zu drücken. Wir, die wir für das Wohl der Pferdeindustrie kämpfen, müssen vor allem hinter dem ‚Welfare‘-Aspekt stehen. Sonst werden uns irgendwann die Kunden und Pferdekäufer wegfallen. Es kann nicht sein, dass wir Horsemanship aufgeben auf Kosten der Pferde, nur um schnelle, kurzlebige Erfolge zu erzielen.“

„Ihr Frank Merrill“


Quelle:

NRHA o.G. / Barnboox

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