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Pferde und Musik: Lassen sich Pferde durch Musik beeinflussen?

Viele Wissenschaftler haben sich bereits mit dem Thema Pferde und Musik beschäftigt. Denn Musik kann uns Menschen tiefgreifend emotional berühren - doch gilt das auch für Pferde?
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Viele Wissenschaftler haben sich bereits mit dem Thema Pferde und Musik beschäftigt. Denn Musik kann uns Menschen tiefgreifend emotional berühren – doch gilt das auch für Pferde?

Pferde und Musik

Wie beeinflusst Musik Pferde emotional?

Wie wirkt Musik sich auf die Emotionen von Pferden im Stall aus? Um das herauszufinden, führten polnische Wissenschaftler im Jahr 2015 eine Studie mit 70 dreijährigen reinrassigen Araberpferden durch.1 Die Tiere wurden in eine Experimentalgruppe von 40 und eine Kontrollgruppe von 30 Pferden aufgeteilt und in getrennten Ställen untergebracht. Das Forschungsteam spielte der Experimentalgruppe während der gesamten Studie fünf Stunden am Nachmittag speziell komponierte Musik vor. Die Kontrollgruppe wurde nicht mit Musik beschallt.

Die Wissenschaftler beurteilten den emotionalen Zustand der Pferde in Ruhe, beim Satteln und beim Aufwärmspaziergang mit Reitern. Sie orientierten sich dabei an der Herzaktivität. Die Messungen wurden sechsmal im Abstand von 30 bis 35 Tagen durchgeführt. Die Forscher verglichen auch die Leistung der beiden Pferdegruppen bei Rennen.

Die Ergebnisse zeigten: Die Musik beeinflusste das emotionale Befinden der Rennpferde positiv. Der Einfluss war bereits nach dem ersten Monat der Untersuchungen erkennbar und nahm im zweiten und dritten Monat zu. Danach trat ein Gewöhnungseffekt ein. Musik im Stall kann demnach für zwei bis drei Monate als Mittel zur Verbesserung des Wohlbefindens von Rennpferden eingesetzt werden kann.

Absetzer: Weniger Stress für junge Fohlen durch Musik

Musik könnte auch Stress für junge Absetzer verringern. Das fanden Forscher der Equine Research Unit der University of Queensland auf dem Gatton Campus 2011 in einer Studie heraus.2

Zwölf gemeinsam aufgezogene Absetzer wurden in zwei Gruppen mit etwa gleichem Temperament aufgeteilt. An den Wochenenden wurden alle Absetzer gemeinsam auf die Weide gelassen. An Wochentagen befand sich eine Gruppe auf der Koppel und die andere im Stall, mit oder ohne beruhigende Musik. Anschließend blieben beide Gruppen fünf Tage lang mit und fünf Tage ohne Musik im Stall.

Die Wissenschaftler benutzten im Verlauf der Studie das Forrest Gump-Hauptthema von Alan Silvestri. Sie spielten es den Pferden täglich von 9 Uhr morgens bis 15 Uhr nachmittags kontinuierlich vor. Die Forscher wählten dieses spezielle Musikstück wegen seines konstanten Rhythmus, seiner Kontinuität und der vorhersehbaren Melodie aus.

Das Forschungsteam zeichnete jeden Tag von 9 bis 15 Uhr die Informationen über die Herzfrequenz jedes einzelnen Pferdes und seines Verhaltens auf. Sie fanden heraus, dass die Musik zwar keinen Einfluss auf die mittlere Herzfrequenz hatte, jedoch die Herzfrequenzvariabilität deutlich reduzierte. Und ein weiteres gutes Zeichen: Die Absetzer verbrachten mehr Zeit mit Fressen, anstatt im Stall herumzulaufen, wenn sie beruhigende Musik hörten.

Musik macht Reiter und Pferde glücklich

Nicht nur Pferde profitieren vom Musikhören, sondern auch die Reiter. Das erforschten Kathrin Schütz und Jill von Conta an der Hochschule Fresenius in Düsseldorf in einer Studie mit 40 Reitern.3 Dabei trainierte eine Hälfte der Teilnehmer zu Mozart Re:Loaded, einer Mischung aus elektronischer und klassischer Musik. Die andere Hälfte trainierte ohne Musik. Nach einer Woche fühlte sich die erste Gruppe viel motivierter.

Klassik oder Jazz: Welche Musik mögen Pferde?

Pferde im Stall bevorzugen moderne und einfache Klavierstücke sowie auch Country. Das beweist eine Studie von Pferdewissenschaften-Dozentin Linda Greening und Clare Carter, Studentin im Abschlussjahr am Hartpury College in Gloucester aus dem Jahr 2012.4

Durch die Musik von Beethoven oder dem amerikanischen Country-Songwriter Hank Williams Jr. kamen die Tiere zur Ruhe. Jazz und Rock lösten hingegen Stress bei den Tieren aus, was sich durch Stampfen, Schnauben und Wiehern zeigte. Das führten die Wissenschaftlerinnen auf die häufig auftretenden Moll-Sequenzen und variierenden, schnellen Tempi von Jazz-Musik zurück. Diese Faktoren könnten irritierend auf Pferde wirken.

Kopfhörer für Pferde

Die Studien zeigen: Die richtige Musik beeinflusst Pferde positiv. Diese Ergebnisse machte sich Hugo Kajdas zunutze. Der junge Unternehmer möchte Pferdeliebhabern wie seiner Schwester helfen, den Stress von Pferden zu lindern, beispielsweise beim Zähmen. Er entwickelte deshalb HorseCom, den ersten Kopfhörer für Pferde.

Das intuitive Gerät verbindet Reiter und Pferd mithilfe von Musik. HorseCom besteht aus einem Set Kopfhörern für das Pferd, einem Headset für den Reiter und einem Abo für die dazugehörige Smartphone-App.

Reiter und Pferd auf diese Weise zu synchronisieren kann das Training positiv beeinflussen. Außerdem kann es dabei helfen, Geräusche der Außenwelt, zum Beispiel von Fahrzeugen, abzuschirmen. Die Verbindung zwischen Pferd und Reiter kann so nochmals gefestigt werden.

Zitate:

1 Anna Stachurska, Iwona Janczarek, Izabela Wilk, Witold Kędzierski: Does Music Influence Emotional State in Race Horses?. In: Journal of Equine Veterinary Science: Volume 35, Issue 8, August 2015, Pages 650-656.

2 Clive J. Philipps, Stephen Todd Anderson: Effect of music on the behavioural and physiological responses of stabled weanlings. In: Journal of Equine Veterinary Science: Volume 31, Issue 8, Mai 2011, Pages 321-322.

3 Jill v. Conta & Kathrin Schütz: „Music is the key“ – Eine Untersuchung zur Wirkung von Musik im Reitsport in Bezug auf die Bewertung der eigenen Motivation. In: Angewandt-wissenschaftliche Perspektiven der Psychologie – Abschlussarbeiten an der Hochschule Fresenius. München: CIP Verlag, 2018.

4 C. F. Carter & L. Greening: Auditory stimulation of the stabled equine; the effect of different music genres on equine behaviour. University of the West of England, Hartpury College, Gloucester, UK, 2012.


Quelle:

barnboox