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Panorama :: Pferde Legenden

Coureur – gestorben im Namen der Ehre

Ein kleiner Frederiksborger-Hengst, genannt Coureur, hat vor vielen Jahren die Ehre seiner Rasse und seines ganzen Landes gerettet – und für seinen beherzten Einsatz mit dem Leben bezahlt. Hier ist seine unglaubliche Geschichte.
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Im Jahre 1684 besuchte der englische Gesandte Robert Molesworth die Königlichen Ställe in Kopenhagen. Dabei traf er auf den dänischen Oberstallmeister Baron Anton Wolf von Haxthausen, der ihm vorschwärmte, wie schnell seine Pferde wären. Molesworth lachte nur und behauptete, dänische Pferde besäßen weder Schnelligkeit noch Ausdauer. Doch Haxthausen erwiderte, alle seine Pferde könnten die 40 Kilometer lange Strecke zwischen Kopenhagen und Hillerod in weniger als einer Stunde laufen.

"Als ein wahrer Engländer konnte Molesworth nicht abreisen, ohne eine Wette zu machen", schreibt Johanne Steenstrup in ihrem Führer "Secret Copenhagen". Also wetteten die beiden um 1000 holländische Dukaten, ob Haxthausen Recht hatte. Zuvor durfte der Oberstallmeister ein Pferd 14 Tage lang trainieren. In dieser Zeit wurde auch die Strecke hergerichtet: Zwischen Schloss Frederiksborg in Hillerod und Schloss Christiansborg in Kopenhagen wurden sämtliche störenden Hecken, Zäune und andere Hindernisse aus dem Weg geräumt.

Haxthausen suchte einen jungen Jockey aus, dem er 100 Dukaten von seinem Gewinn versprach, falls er erfolgreich wäre, außerdem eine Anstellung auf Lebenszeit. Als Rennpferd erwählte er einen kleinen Frederiksborger (die königlich-dänische Rasse, die später das Fundament für die  Knabstrupper-Zucht legte), eigentlich ausgebildet für die Lektionen der hohen Schule. Der Name Coureur, unter dem er heute bekannt ist, stand damals sinnbildlich für alle Pferde, die das Talent zum Rennen hatten. Wie er wirklich hieß, ist unbekannt.

Am 9. August 1684 war es dann so weit: "Die ganze Stadt Kopenhagen sowie die Leute aus Hillerod kamen, um diesen Spaß mitzuerleben", schreibt Steenstrup. Und Coureur enttäuschte sie nicht. Er erreichte schweißgebadet nach 42 Minuten das Ziel. Die Freude über den Sieg war unter den Dänen so groß, dass man glatt vergaß, sich um das völlig ausgepumpte Pferd zu kümmern. Auch sein Jockey dürfte dazu beigetragen haben, dass Coureur die Anstrengung nicht überlebte und schließlich vor Erschöpfung tot zusammenbrach. Immerhin stand für ihn sein Job auf dem Spiel. Als letzte Ehrerbietung ließ man den Hengst ausstopfen und in der königlichen "Kunstkammer" aufstellen.

Zu besichtigen in Kopenhagen

„Über 300 Jahre sind seitdem vergangen, seine Punkte sind verblasst, sein weißes Fell ist gelb geworden, die Ohren sind abgeknickt und die Haare der einst üppigen Mähne und des Schweifes fast alle abgebrochen“, schreibt der Reitausbilder Bent Branderup in einem Buch über Knabstrupper. „Aber ich bitte Sie, wenn Sie nach Kopenhagen kommen, gehen Sie in den Königlichen Stall und besuchen Sie diesen getigerten Hengst, der die Ehre der Rasse rettete und dafür mit seinem Leben bezahlte und der noch heute stolz den vornehmsten aller Schulsprünge für Sie ausführt – die Kapriole.“

Zu finden ist Coureur im Museum der Royal Stables in Schloss Christiansborg, Christiansborg Ridebane 12, 1218 K in Kopenhagen. Es ist täglich von 13.30 bis 16 Uhr geöffnet (außer Montags von Oktober bis Mai).

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Knabstrupper

 


Quelle:

Regina Käsmayr

 

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