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Verschiedene Pferdesportarten in Deutschland

Der Pferdesport trifft in Deutschland weiterhin auf großes Interesse. Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts IPSOS im Jahr 2020 betätigen sich
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Der Pferdesport trifft in Deutschland weiterhin auf großes Interesse. Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts IPSOS im Jahr 2020 betätigen sich hierzulande 2,3 Millionen Menschen als Reiter, Voltigierer oder Fahrer. 11,3 Millionen Menschen zeigen grundsätzliches Interesse für Pferdesportarten und 1,3 Millionen Pferde stehen in Deutschlands Ställen. Auftraggeber dieser Umfrage ist die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN), die sich ihre Informationen online und über persönliche Interviews beschaffte. Auch die Häufigigkeit, mit der die jeweilige Sportart betrieben wird, stand im Visier der Forscher, ebenso wie Aufbau und Größe von deutschen Pferdesportgruppen. Welche Pferdesportarten sind in Deutschland beliebt?

Reiten, aber mit Stil Die Dressur
Reiten, aber mit Stil: Die Dressur gehört zu den beliebten Disziplinen in Deutschland

38 Jahre jung und vollzeitbeschäftigt: die „Durchschnittsreiterin“

Die „typische Reiterin“ ist laut der genannten Studie 38 Jahre alt, hat eine gute Ausbildung hinter sich, geht einem Vollzeitjob nach und verfügt über ein überdurchschnittliches Einkommen. Sie wohnt in einem Ort, der weniger als 100.000 Einwohner hat. Auffällig ist, dass die Zahlen beim Nachwuchs sinken, während die über 40-Jährigen auf diesem Gebiet immer mehr werden. In ein paar Jahren steigt das Durchschnittsalter mit hoher Wahrscheinlichkeit über die 40er-Marke. Außerdem sinkt die Beteiligung am Turniersport, derzeit liegt sie noch bei 24 Prozent. Das heißt, dass fast drei Viertel aller Pferdesportler ein reines Freizeitvergnügen unterhalten, bei dem es ihnen vor allem um die intensive Beziehung zum Pferd und der Natur geht. Im Gegenzug gibt es immer mehr Menschen, die selbst niemals oder kaum im Sattel sitzen, aber mit einem Pferd Spaziergänge unternehmen oder sich mit Bodenarbeit beschäftigen.

Nichtsdestotrotz erfreuen sich verschiedene Pferdesportarten besonderer Beliebtheit. Mit dabei sind natürlich sämtliche Klassiker wie Dressur, Galopp- und Trabrennen, Springreiten, Fahrsport und Voltigieren. Tauchen wir gemeinsam in jeden einzelnen Sport ein, um ihren Charme und ihre Möglichkeiten auszuloten. Vielleicht bekommt der eine oder andere Wettkampfmuffel dabei doch noch Lust, sich mit Gleichgesinnten im Turnier zu messen. Und sei es nur im kleinen Rahmen unter Freunden und Bekannten.

Trab- und Galopprennen: Schnelligkeit ist keine Hexerei

Beim Trabrennen ist, wie der Name bereits sagt, allein die Gangart Trab gewünscht. Die Pferde werden entweder beritten oder angespannt, je nachdem, wie das Rennen ausgelegt ist. Beim Trabreiten nimmt der Jockey auf dem Sattel Platz, beim Trabfahren lenkt er sein Tier vom angehängten Sulky aus. Normalerweise besteht das Geläuf aus Asche bzw. Schlacke oder auch aus Sand. Rennbahnen, die auch noch für andere Disziplinen bereitstehen, sind oftmals mit Gras bedeckt. Bei mehr als 10 irregulären Schritten – also außerhalb des Trabs – erfolgt die Disqualifikation. Auch am Start und am Ziel sind keine Galoppsprünge oder Ähnliches erlaubt. Das klingt zunächst sehr streng, doch einem guten Traber unterlaufen diese ärgerlichen Fehler im Regelfall nicht. Das Aufwärmen erfolgt häufig direkt auf der Piste mit sogenannten „Heats“. Dabei können die Zuschauer einen intensiven Blick auf die Teilnehmer werfen, ihre Form beurteilen und gezielte Wetten abgeben.

Galopprennen sind eine weitere Sparte des Pferdesports. Hier laufen Pferde eine bestimmte Distanz in der schnellst möglichsten Zeit. Im Gegensatz zu den Trabrennen sind in diesem Fall alle Gangarten erlaubt, die anderen Teilnehmer dürfen nur nicht regelwidrig behindert werden. Bei dieser Art des Pferderennens besteht ebenfalls die Möglichkeit, Wetten abzuschließen. Die Erträge aus den Pferdewetten, die von Besuchern vor Ort abgeschlossen werden, dienen dazu, die Veranstaltungen und Preise zu finanzieren. So trägt sich das Event selbst.

Das Rennen beginnt an der Startmaschine, wo die Pferde mit ihren aufsitzenden Jockeys in vorher ausgeloster Reihenfolge platziert werden. Der Startrichter gibt das Startsignal – nun gilt es, das Ziel vor allen anderen zu erreichen. Die besten Pferde erhalten ein Zusatzgewicht von 5 kg, Handicap genannt, um die Chancen gleichmäßig zu verteilen. Der Zielrichter bestätigt den Sieger und alle anderen Platzierungen, manchmal ist dafür ein Zielfoto vonnöten. Ein erfahrener Jockey ist immer auch ein guter Stratege, der die Stärken und Schwächen seines Pferdes kennt und diese im Rennen voll zur Geltung bringt. Es geht also bei Weitem nicht um „kopfloses Rasen“, sondern um Schnelligkeit gepaart mit Intelligenz und Einfühlungsvermögen.

Zum Galopprennen gehört nicht nur Schnelligkeit, sondern auch Strategie
Zum Galopprennen gehört nicht nur Schnelligkeit, sondern auch Strategie

Springreiten: Abheben ohne Flügel

In Springreiten geht es darum, einen Hindernisparcours in möglichst kurzer Zeit zu absolvieren, möglichst ohne Abwürfe oder Fehler. Wer hier vorn mit dabei sein möchte, benötigt eine hervorragende Technik und eine gute Portion Mut. Die besondere Herausforderung besteht darin, an jedem Hindernis eine optimale Flugkurve zu finden, die Rhythmus und Balance mitberücksichtigt. Der Reiter muss ebenso wie sein Tier hochpräzise und konzentriert arbeiten. Schon seit 1912 zählt das Springreiten zu den olympischen Disziplinen, wir haben also eine Sportart mit langer, anerkannter Tradition vor uns. Erste Weltmeisterschaften fanden 1953 statt. Wer noch nicht ganz so weit ist, der versucht es erst in der Klasse E für Einsteiger. Die schwerste Stufe ist S mit fünf Sternen, denn jeder Schwierigkeitsgrad hat noch ein paar Upgrades.

Fahrsport: Unterwegs mit 1 bis 4 PS

Der Fahrsport ist besonders vielfältig, hier gibt es zahlreiche verschiedene Varianten. Pferdefans können einen Einspänner, Zweispänner oder Vierspänner fahren, doch damit nicht genug. Zur Auswahl stehen auch noch Tandem (doppelte Einspänner) und Random (Sechsspänner). Wer es lieber etwas kleiner mag, der setzt auf Ponys, andere wiederum spannen ihre Pferde verschiedenster Größen an. Messen dürfen Sie sich, wenn gewünscht, in Dressurprüfungen, Geländeprüfungen und auch im Hindernisfahren. In der kombinierten Wertung absolviert der Fahrer mit seinen Tieren alle drei Disziplinen. Die Dressur erfordert einen hohen Ausbildungsstand sowie absolute Präzision und Eleganz. Die Hindernisfahrt geht durch einen sogenannten Kegelparcours, hierbei sind Geschicklichkeit, Schnelligkeit und Gehorsam gefragt. Die Geländeprüfung gilt als eine Art Herzstück jedes Turnieres, sie wartet mit herausfordernden Hindernissen auf.

Die erste Weltmeisterschaft im Fahren fand 1972 in Münster statt: Ziemlich spät dafür, dass Mensch und Tier bereits seit mindestens 3.400 Jahren auf diese Weise zusammenarbeiten. Die alten Hethiter haben regelrechte Trainingspläne inklusive Intervalltraining für ihre Streitwagenpferde erstellt. Auch Olympia kannte in der Antike spannende Wagenrennen; leider gehört der Fahrsport derzeit nicht mehr zu den olympischen Disziplinen. Seit 1990 haben die Vierspänner ihren glanzvollen Auftritt bei den Weltreiterspielen.

Voltigieren: Akrobatik auf dem Pferderücken

Menschliche Akrobatik und Pferde passen wunderbar zusammen, das zeigt sich beim Voltigieren. In dieser Sportart führt der Pferdefreund gymnastische Übungen am und auf dem galoppierenden Pferd aus; teilweise handelt es sich um echte Kunststücke. Ein Voltigierer bringt eine enorme Körperbeherrschung und eine hervorragende Kondition mit. Er oder sie benötigt außerdem einen intakten Gleichgewichtssinn, überdurchschnittliche Beweglichkeit und Schnellkraft. Das Pferd muss für diese Zwecke ausgebildet sein, damit es ruhig und gleichmäßig an der Longe läuft. Auch der Longenführer benötigt einige Erfahrung, um seinen Job erfolgreich zu erledigen. Alle drei arbeiten Hand in Hand, um neue Figuren zu erlernen und in Wettbewerben unschlagbar zu werden.

Voltigieren ist auch in Dreiergruppen möglich
Voltigieren ist auch in Dreiergruppen möglich

Beim Voltigieren handelt es sich um eine relativ junge Sportart, die in den 1950ern ihren Anfang nahm. Erste Deutsche Meisterschaften wurden 1963 ausgetragen und 1984 fanden in Österreich die ersten Europameisterschaften statt. Zwei Jahre später startete die Voltigier-WM in der Schweiz. Mittlerweile existieren zahlreiche nationale und internationale Prüfungen nicht nur im Einzelvoltigieren, sondern auch in der Gruppen- und Doppelarbeit. Beim Doppelvoltigieren (Pas de deux) tun sich entweder zwei Damen, zwei Herren oder eine Dame und ein Herr zusammen – je nach Turnier. Eine Voltigiergruppe besteht aus sechs oder acht Mitgliedern, von denen immer nur höchstens drei gleichzeitig beim Pferd sein dürfen. Gruppenprüfungen werden in Pflicht und Kür abgehalten, während Einzelprüfungen auch eine Technikeinlage beinhalten können. Am Anfang stehen immer die Pflichtübungen der jeweiligen Leistungsklasse.

Die Zukunft des Pferdesports in Deutschland

Eine Menschheit ohne Pferde wird es wohl niemals geben, dafür haben die beiden Wesen eine zu enge Beziehung geknüpft. Das gilt auch speziell für Deutschland, wo immerhin mehr als 1 Million Pferde verteilt übers ganze Land in den Ställen und auf den Koppeln stehen. Doch wie schon erwähnt, wächst der pferdebegeisterte Nachwuchs eher spärlich nach. Es bedarf einer breit angelegten Image-Kampagne, um diesen Trend zu stoppen. Vor allem darf der Pferdesport nicht ins Elitäre abgleiten, sondern er muss natürlich und freundlich bleiben, auch wenn Pferdehaltung nicht ganz billig ist. Die einzelnen Sportarten ziehen sehr unterschiedliche Menschentypen an, darauf gilt es zu setzen. Dann kommt auch in Deutschland wieder Fahrt auf.


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admin