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Reiter :: Gesundheit

Checkliste: So findet man den richtigen Platz für Therapeutisches Reiten

Therapeutisches Reiten ist für viele kranke, behinderte oder beeinträchtigte Menschen eine wertvolle und anerkannte Hilfe. Aber herauszufinden, welche therapeutische Maßnahme die richtige ist und welcher Betrieb am besten geeignet ist, macht doch einige Probleme. Diese Checkliste soll dabei helfen, im Dschungel der Fachbegriffe und Ausbildungsgänge, bei der Auswahl von Therapeuten (ob zwei- oder vierbeinig), nicht die Kontrolle zu verlieren.
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Das Therapeutische Reiten wird mehr und mehr entdeckt, weil es nachweislich vielen Menschen mit rehabilitativen oder integrativen Maßnahmen über das Medium Pferd und dem pädagogischen, psychologischen oder psychotherapeutischen Behandlungsansatz weiterhelfen kann. Um dabei die richtige Therapie auszuwählen oder den passenden Therapeuten auf der entsprechenden Anlage zu finden, braucht es Zeit und Geduld. Als wichtigsten Ansprechpartner kann man das Deutsche Kuratorium für Therapeutische Reiten e.V. (DKThR) empfehlen.

Die nachfolgende Checkliste unterteilt die Fragen in die folgenden Bereiche: Therapie, Therapeuten, Betrieb und Pferde.

1. Welche Reittherapie ist die richtige?

Das DKThR unterscheidet vier Therapie Formen:

  • Die Hippotherapie für alle neurologische und orthopädische Erkrankungsbilder.
  • Die Heilpädagogische Förderung bei der es darum geht, die soziale und geistige Entwicklung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen positiv zu beeinflussen.
  • Die Ergotherapie richtet sich an Menschen, die im Hinblick auf Wahrnehmung, Neurophysiologie oder Psychomotorik Unterstützung brauchen.
  • Bei Reiten als Sport, oft unter dem Sammelbegriff Inklusion geführt, werden Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen mit dem Reiten und Pferden zusammengebracht.

2. Wer entscheidet welche Therapie richtig ist?

Die einzelnen Therapieformen sind teilweise durchlässig oder liegen nahe beisammen. Daher sollte die letztendliche Entscheidung für eine der Therapien der behandelnde Arzt oder eine ausgewiesene Fachkraft des Therapeutischen Reitens treffen. Fragen sie gezielt nach, ob die angebotene Therapie für sie oder ihren Angehörigen die richtige ist.

3. Woran erkennt man einen guten Therapeuten?

Jede Therapieform benötigt eine spezifische Grund-Qualifikation, sowohl Pferde-fachlich und eine Vorbildung in einem einschlägigen Fachbereich und die danach ausgerichtet reittherapeutische Ausbildung. Da der Begriff Reittherapeut nicht geschützt ist, sollte man bei der Wahl des Therapeuten  ganz besonders aufmerksam sein. Eine Aufklärung wo, welche und bei welchem Träger die Ausbildung bzw. der Abschluss gemacht wurde, kann jeder fordern. Recherchieren Sie über die Ausbildung beim DKThR, wenn Sie unsicher sind.

4. Bildet sich der Therapeut kontinuierlich weiter?

Wie in vielen anderen Berufen ist auch beim Therapeutischen Reiten die Weiterbildung der Therapeuten ein wichtiger Pfeiler der Qualitätssicherung. So fließen neue Erkenntnisse in die tägliche Arbeit mit den Patienten ein. Fragen Sie nach, welche Fortbildungen ihr Therapeut besucht, das ist erlaubt und erwünscht.
5. Wie findet man den richtigen Therapiebetrieb?
Nachdem sie die passende Therapie ausgewählt haben, sollten sie auf die Suche nach einem Betrieb, der diese Therapieform anbietet, gehen. Im Internet, speziell auf der Seite des DKThR, wird eine Suche angeboten. Am besten sehen sie sich die in Frage kommenden Anlagen persönlich an. Wie so oft, ist auch hier der erste Eindruck der entscheidende. Hat der Betrieb ein gepflegtes, sauberes, aufgeräumtes Erscheinungsbild? Sind die Personen freundlich und auskunftsfreudig? Wie ist die Atomsphäre?

6. Welche Details sind wichtig bei der Betriebs-Auswahl?

Wenn der Gesamteindruck stimmt, sollten sie ins Detail gehen. Gibt es für die Therapie eine exakte Planung? Wie läuft die Absprache und Kooperation mit dem behandelnden Arzt? Passt die Geräteausstattung zur Therapie? Welche Sicherheitsvorkehrungen sind getroffen?

7. Woran erkannt man „gute“ Therapiepferde?

Das Pferd spielt einen wichtigen Part in der Therapie. Als Patient oder Angehöriger hat man aber in den meisten Fällen keine Pferdeerfahrung. Vertrauen sie bei der Beurteilung auf ihr Bauchgefühl und ihren gesunden Menschenverstand. Optisch sollen die Pferde nicht zu dünn oder zu dick sein, das Fell sollte gepflegt aussehen und die Pferde eine gewisse Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen und zwar vor, während und nach der Therapiestunde. Im Vorfeld eine Therapiestunde zu besuchen hilft bei der Beurteilung.

8.Werden die Therapiepferde artgerecht gehalten?

Therapiepferde sind Hochleistungssportler. Pferde brauchen Luft, Bewegung, sozialen Kontakt zu Artgenossen und als Grundfutter ausreichend Gras oder Heu. Auch in einer Haltung im Stall bzw. Box, sollten diese Grundbedürfnisse für die Therapiepferde gegeben sein. Das bedeutet gut durchlüftete Ställe, tägliche Bewegung im Laufstall oder auf der Weide zusammen mit anderen Pferden. Fragen sie nach, wie viele Stunden das Pferd in der Therapie „arbeitet“ und wie es die restliche Zeit verbringt.

9. Werden Therapiepferde nach der Ausbildung weiter gefördert?

Eine gute und solide Ausbildung der Pferde, an der Hand oder untere dem Sattel, ist die Grundvoraussetzung. Aber auch Therapiepferde brauchen Weiterbildung und Ausgleich zum Therapiebetrieb. Also wer bewegt das Pferd wie oft in der Woche? Darf das Pferde auch einmal bei einem Ausritt einfach die Natur genießen? Wird es zwischendurch gymnastiziert, oder anders ausgedrückt, körperlich fit gehalten? Das sind Fragen, die Sie dem Therapeuten stellen sollten.

10. Ist die Rasse der Pferde entscheidend?

Grundsätzlich nein. Ein Therapiepferd wird nach Kriterien wie freundlich, kooperativ, feinfühlig, scheufest und selbstsicher ausgewählt. Aber es gibt kleine und große Rassen, sowie leichte und schwere Patienten. Und das sollte schon zusammenpassen. Verschiedene Rassen bewegen sich vor allem im Trab und Galopp unterschiedlich. Die Auswahl des Therapiepferdes müssen Sie dem Therapeuten überlassen. Er wird diese Kriterien und natürlich die gewählte Therapie in seine Entscheidung mit einbeziehen.

11. Wie trifft man die endgültige Entscheidung?

Kein Betrieb ist perfekt. Bei jedem der einzelnen Bereiche (Therapeut, Anlage und Pferde) gilt es Vor- und Nachteile abzuwägen. Machen Sie sich eine Liste der Punkte die Ihnen wichtig sind und bewerten Sie diese nach einer Skala von 1-6. So kommen Sie am schnellsten zum Ziel. Sicher spielen auch die Kosten, ob durch Kostenträger, Spenden oder durch einen selbst gedeckt, eine Rolle. Nachdem es aber um die gesundheitliche Verbesserung der Patienten geht, sollten diese nicht an erster Stelle stehen.


Quelle:

Zentrum für Therapeutisches Reiten Johannisberg e.V., Barnboox