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Reiter :: Outfit

Sicherheitswesten, Rückenprotektoren und Airbags schützen Reiter immer besser bei Stürzen

Das Thema Reiterschutz wird seit eh und je begleitet von Vorurteilen und möglichen Horrorszenarien. Ein Großteil der Reiter trägt zwar mittlerweile ohne Murren einen Helm, beim Schutz des Oberkörpers - also der Wirbelsäule und des Brustkorbes - zieren sich noch immer viele Reiter. Aber: Bei einem Sturz auf den Rücken kann die Wirbelsäule lebensgefährlich oder dauerhaft verletzt werden. Deswegen raten Experten, zumindest im Gelände, beim Springen und der Arbeit mit jungen oder schwierigen Pferden einen Oberkörperschutz zu tragen.
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Allein in Deutschland gehen Versicherungen von bis zu 90.000 Reitunfällen pro Jahr aus, ein Großteil davon sind Stürze vom Pferd. Ohne entsprechenden Schutz des Oberkörpers gibt es Prellungen, Quetschungen im Rumpfbereich, Rippen- oder Schlüsselbeinbrüche und schlimmstenfalls Wirbelsäulenverletzungen mit Querschnittslähmung oder gar Todesfolge. Sicherheitswesten haben aber nun mal den hartnäckigen Ruf, steif, klobig und unbequem zu sein, das richtige Abrollen zu behindern und zu keiner Jahreszeit so richtig zu passen. Im Sommer schwitzt man, im Winter sind sie über der warmen Jacke zu eng.

Die Sicherheitswesten schützen vor schlimmen Verletzungen

Doch nachweislich führt an Sicherheitswesten im Falle eines Falles kein Weg vorbei. Ein Rundum-Sorglos-Paket wird es natürlich niemals geben, aber zur Wahl stehen derzeit drei Arten von Sicherheitswesten: der Rückenprotektor, die klassische Sicherheitsweste (Vollprotektor) und die Schutzweste mit Airbag. Alle haben Vor- und Nachteile, sollten jedoch hundertprozentig richtig sitzen und den gängigen Normen entsprechen.

Eine Sicherheitsweste dämpft den Sturz beim Aufprall auf den Boden, gegen einen Baumstamm oder ein Hindernis ab, weswegen das Tragen mittlerweile für Military-Reiter und in der Vielseitigkeitsprüfung vorgeschrieben ist. Ein erhöhtes Risiko besteht außerdem beim Springreiten, bei der Arbeit mit Jung- und Problempferden sowie bei Ausritten im Gelände.

Aber auch beim Freizeitreiter, der normal in der Halle oder auf dem Reitplatz trainiert oder ins Gelände reitet, kann sich ein Pferd plötzlich erschrecken und bockend den Reiter abwerfen. Daher schreiben etliche Reitschulen vor, dass Kinder und Jugendliche grundsätzlich einen Oberkörperschutz tragen müssen. Für Kinder darf die Weste auf keinen Fall so gekauft werden, dass sie mitwächst! Eine nicht passende Weste bringt gar nichts – im Gegenteil. Ist sie zu groß, kann sie verrutschen und die Halswirbel bei einem Sturz verletzen. Ist sie zu lang, behindert sie den Sitz. Ist sie zu kurz, ist die untere Rückenpartie nicht ausreichend geschützt.

Erste Wahl, die klassische Sicherheitsweste

Die Sicherheitsweste, oder auch Vollprotektor, besteht aus einem festen Schaum oder Kunststoff, der bei einigen Modellen für eine bessere Beweglichkeit des Reiters in Waben (Panels) eingeteilt ist. Sie ist mehrere Zentimeter dick und hat einen gleich starken Vorder- und Rückenteil. Die gepolsterten Schulter-  und Seitenpartien werden mit Klettverschlüssen an Körpergröße und Taillenweite des Reiters exakt angepasst. Vor dem Kauf müssen Rückenlänge sowie Brust- und Taillenumfang ausgemessen werden, um die richtige Größe zu ermitteln.

Aktuell werden nach der EN 13158 drei Klassen eingeteilt: die BETA 2000/2009 Level 1 Schutzweste für den Grundschutz, die Level 2 Weste für mittleres Sturzrisiko und die Level 3 Weste für größtmögliche Sicherheit. Sie sind bereits ab 60 bis 80 Euro erhältlich, höherwertige Modelle beginnen bei 100 Euro. Nachteile sind die Stauwärme im Sommer sowie die etwas eingeschränkte Beweglichkeit.

Rückenprotektoren: Vorbild aus dem Motorradsport

Eine Alternative stellen die Rückenprotektoren dar. Diese wurden aus dem Motorradsport übernommen und schützen speziell das Rückgrat. Entlang der Wirbelsäule ist eine Verstärkung aus Kunststoff oder Gel-Schaum angebracht, die Stöße absorbiert. Die Vorteile liegen auf der Hand: Rückenprotektoren sind leicht, der Reiter hat deutlich mehr Bewegungsfreiheit und schwitzt weniger. Preislich beginnen sie bei 40 Euro und sind damit das mit Abstand günstigste System. Nachteile: Auf Brust- und Seitenteile wurde bewusst verzichtet, was diese Körperpartien einer erhöhten Verletzungsgefahr aussetzt. Rückenprotektoren werden aktuell in zwei Klassen nach EN 1621-2 geprüft, diese gelten allerdings für den Motorradsport. Reiter sollten grundsätzlich das höhere Level wählen.

Airbag-Westen: Wenn Luft schützt

Vor einigen Jahren wurden – nach dem Vorbild der Automobilbranche – Schutzwesten mit Airbag entwickelt. Darin sind Luftkammern verbaut, die durch eine Druckpatrone im Falle eines Sturzes im Bruchteil einer Sekunde aufgepustet werden. Der Mechanismus wird durch eine Reißleine, die vorab am Sattel befestigt wird, ausgelöst. Airbag-Westen schützen nicht nur Rücken und Brustkorb, sondern auch Nacken und Hüfte und damit insgesamt noch besser als eine klassische Sicherheitsweste. Nachteile gibt es allerdings auch: Der Preis liegt bei 400 Euro aufwärts und ist so deutlich höher als bei den beiden anderen Systemen. Die Weste funktioniert außerdem nur mit Druck-Patrone, die im Falle eines Sturzes sofort ausgetauscht werden muss – was schnell mal vergessen wird. Am Boden bietet sie keinerlei Schutz, etwa vor Tritten des Pferdes.

Richtiges Fallen sollte geübt werden

Je nach Bedürfnis sind heutzutage also verschiedene Sicherheitssysteme auf dem Markt, die dem Reiter einen größeren Schutz der Wirbelsäule und des Brustkorbes bieten. Alternativ oder ergänzend sollte aber auch das richtige Fallen und Abrollen über ein spezielles Training erlernt werden.


Quelle:

Julia Schay-Beneke
Bild: Fotolia #50123119