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Möglichkeiten der Stuten-Überwachung

Die Mehrzahl aller Stuten kann ihr Fohlen ohne Schwierigkeiten allein zur Welt bringen. Doch in 10 Prozent aller Fälle ist menschliche Hilfe nötig. Schlaflose Nächte müssen trotzdem nicht sein. In den Tagen vor der Geburt gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Stute zu überwachen.
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Alle ein bis zwei Jahre zieht die Hobbyzüchterin Karin Meyer-Reike aus Wolfsburg ein Fohlen aus ihrer Quarter-Horse-Zuchtstute Leo. Bei jeder Geburt wartete die Stute, bis alle Menschen weg waren. Es schien sogar, als wüsste sie genau, zu welchen Uhrzeiten Meyer-Reike gewöhnlich im Stall auftauchte. Beim letzten Fohlen schlief die Pferdebesitzerin sogar im Gemeinschaftsraum des Stalles. Kaum, dass sie einmal kurz nach Hause fuhr, kam auch schon eine SMS der Stallbetreiberin: Fohlen ist da – gesund und munter! „Ich habe den Eindruck, Leo will einfach nicht, dass Menschen während der Geburt anwesend sind“, glaubt Karin Meyer-Reike. „Ich wäre zwar gern mal bei einer Geburt dabei, aber im Grunde ist mir nur wichtig, dass sie, wenn etwas schief läuft, nicht stundenlang leidet.“

Deshalb gibt es nun im Stall eine Kamera, die tragende Stuten in der Abfohlbox überwacht. Der Monitor steht entweder im Wohnhaus der Stallbetreiber oder – wenn es um eine Einstellerstute geht – im Gemeinschaftsraum der Reiter. Vor allem bei Stuten, die bereits Geburtsprobleme hatten, ist eine Überwachung von großer Bedeutung. Frühere Schwergeburten, Fohlenverluste oder Erkrankungen während der Trächtigkeit sind Alarmsignale. Aber auch bei vollkommen gesunden Stuten ist es sinnvoll, die Geburt zu überwachen, um eine wirkungsvolle Erstversorgung des Fohlens zu gewährleisten.

 

Beliebtes Überwachungselement: Die Videokamera

Laut einer Online-Umfrage unter 80 Züchtern nutzen 43 % eine Videokamera als Haupt-Überwachungselement in den Tagen vor der Geburt. Meist sind Systeme im Einsatz, die entweder über Funk oder Kabel übertragen. Kabelübertragung liefert gewöhnlich ein besseres Bild, eignet sich aber nur, wenn Stall und Empfangsgerät in direkter Nähe liegen. Die Kameras sollten mit Infrarotlicht ausgestattet sein, um auch nachts brauchbare Aufnahmen zu machen. Alternativ kann man im Stall ein gedimmtes Licht brennen lassen. Moderne Systeme nutzen heute das Mobilfunknetz und das Smartphone als Empfangsgerät. Doch auch die beste Videokamera ersetzt nicht den regelmäßigen Kontrollgang in den Stall. Trotz Kameraüberwachung muss ein Züchter sich nachts alle zwei Stunden den Wecker stellen, um zumindest einen ausgiebigen Blick auf den Monitor zu werfen.

Mit speziellen Geburtsmelder verpassen Sie keine Fohlengeburt

Deshalb schwören viele Stutenbesitzer auf eine andere Möglichkeit: Rund 1/3 der Befragten gaben bei der bereits erwähnten Online-Umfrage an, statt der Kamera einen Geburtsmelder zu benutzen. Geburtsmelder sehen in der Regel ähnlich aus wie Longiergurte und werden der Stute angelegt, sobald der errechnete Termin näher rückt oder erste Anzeichen der Geburt (siehe unten) sichtbar sind. Dabei gibt es verschiedene Systeme.

Erkennung über Körperfeuchtigkeit

Zum Beispiel der „Wächtomat“ besteht aus einem Sender am Pferd und einem Empfänger in bis zu 200 Meter Entfernung. Die Stute trägt einen Brustgurt, an dem der Sender befestigt ist und einen Bauchgurt, an dem eine Spezial-Elektrode angebracht ist. Am Hals der Stute befindet sich ein Messfühler, der die elektrische Leitfähigkeit auf dem Fell des Tieres misst. Steigt die Feuchtigkeit durch vermehrtes Schwitzen vor der Geburt an, wird dies über Funk übermittelt und es ertönt ein Alarm.

Erkennung über Körpertemperatur

Um die Geburtenerkennung über das Schweißbild hinaus zu erweitern, ergänzte der „Birth Control“ das System um eine weitere Funktion. Es wird zusätzlich die Temperatur des Pferdes über Sensoren am Gurt gemessen. Im Jahr 1992 wurde in einer Studie die Körpertemperaturentwicklung der Stute vor und während der Geburt untersucht. Dabei wurde ein Temperaturabfall von durchschnittlich 0,76°C festgestellt, der vier Stunden vor der Geburt eintrat. Der Temperaturtiefpunkt war zur Zeit der Geburt festzustellen. Diese Werte erkennt der Birth Control und sendet sie per Handy an den Züchter.

Das Seitenlage System

Der „Birth Alarm“ baut darauf, dass die Stute sich zur Geburt in Seitenlage begibt. Da nicht jede Stute während der Geburt die gleichen Verhaltensweisen zeigt, bietet der Birth Alarm zwei verschiedene Einstellungsmöglichkeiten: Die erste ist für Stuten vorgesehen, die sich ausschließlich zur Geburt in die völlige Seitenlage begeben. In dieser Einstellung sendet das System nach 7,6 Sekunden Seitenlage – so lange dauert eine durchschnittliche Wehe – einen Alarm an den Empfänger.

Die zweite Einstellung ist für Stuten, die generell häufig in der Seitenlage ruhen. Das betrifft etwa 10% aller werdenden Pferdemütter. Im Falle einer Geburt bereitet sich die Stute nach den ersten Wehen auf die nächste Kontraktionswelle vor und verlässt dazu die seitliche Position. Ruht sie jedoch nur, so bleibt sie wesentlich länger liegen. In der zweiten Einstellung merkt sich das Gerät also die Abfolge von Liegen und Stehen und alarmiert den Züchter erst dann, wenn der Rhythmus einer Geburt entspricht.

Hundertprozentig: Das Scheiden-Kontrollsystem

Wer eine nahezu hundertprozentige Kontrolle der Stute bevorzugt, kann vom Tierarzt ein Scheiden-Kontrollsystem anbringen lassen. Das erste dieser Art kam 1989 aus Amerika nach Europa. Dabei wird der Sender an den Schamlippen der Stute angenäht. Kommt es zur Eröffnungsphase der Geburt, wird der auslösende Magnet vom Sender getrennt und löst den Alarm aus. Wichtig: Der Sender schlägt erst an, wenn es bereits zum Austritt der Fruchtblase kommt. Dann hat man natürlich nur noch wenig Zeit. Deshalb empfiehlt es sich nur für Pferdebesitzer, die in direkter Nähe zum Stall wohnen. Zahlreiche Tierkliniken und große Zuchtstätten schwören darauf. Das Anbringen sollte Ihr Tierarzt vornehmen.


Quelle:

Regina Käsmayr
Bild: Gallagher Europe BV