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Fohlenfütterung: Was Fohlen und Jungpferde wirklich brauchen

Nach nur sechs Monaten haben Warmblutfohlen ihr Geburtsgewicht beinahe verfünffacht. Fehler in der Fütterung während der Aufzucht können sich negativ auf Gesundheit, Lebenserwartung und Leistungsfähigkeit der Tiere auswirken.
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2002-nachkommen-als-jaehrlingeFohlen werden ohne Antikörper gegen Krankheitserreger geboren. Daher ist die Aufnahme von Kolostralmilch wichtig für die Erhöhung der Überlebenschancen. Diese erste Milch versorgt die Fohlen mit wichtigen Antikörpern und muss innerhalb der ersten Stunden nach der Geburt getrunken werden, da die Antikörper-Konzentration von Stunde zu Stunde abnimmt. Sollte es hierbei zu Verzögerungen kommen oder ist keine Kolostralmilch vorhanden, muss der Mensch schnell eingreifen.

Kontaktieren Sie in so einem Fall immer einen Tierarzt. Möglich ist beispielsweise die Verwendung pulverisierter Kolostralmilch, die im Futtermittelhandel erhältlich ist. In großen Gestüten lohnt es sich einen Kolostralmilch-Vorrat anzulegen. Dazu wird von gesunden Stuten, die genügend Milch geben, innerhalb der ersten zwölf Stunden nach dem Abfohlen eine geringe Menge Kolostralmilch abgemolken und in geeigneten Gefäßen eingefroren (Haltbarkeit 18 Monate). Auch der Einsatz von Ammenstuten kann in Erwägung gezogen werden.

 

Die ersten Monate sind entscheidend

Im Alter von zwei Monaten beginnen die Fohlen damit, feste Nahrung zu fressen. Da die Muttermilch schon ab dem dritten Lebensmonat nicht mehr für die alleinige Versorgung ausreicht, kann nun mit der gezielten Zufütterung von Kraftfutter begonnen werden. Dieses sollte alle wichtigen Aminosäuren enthalten und eine ausgewogene Mineralisierung für Fohlen aufweisen. Auf der sicheren Seite ist man bei der Verwendung spezieller Fohlenfutter, die alle wichtigen Nährstoffe für ein gesundes Wachstum enthalten, wenn man sich bei der Dosierung an den Empfehlungen der Hersteller orientiert.

Der Salz- oder Mineralleckstein der Mutter muss für die Fohlen unerreichbar sein, um Gesundheitsstörungen zu verhindern. Sobald die Witterung es zulässt, sollten die Fohlen gemeinsam mit den Stuten auf die Weide gebracht werden, selbstverständlich mit den entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen beim Anweiden. Wenn kein Weidegang möglich ist, muss auf jeden Fall dafür gesorgt werden, dass die Fohlen genügend Auslauf bekommen. Das Fressen des mütterlichen Kots ist eine natürliche Verhaltensweise von Fohlen. Neben der Aufnahme von B-Vitaminen und bakteriellem Eiweiß wird dadurch der Aufbau einer intakten Darmflora gefördert.

Absetzen: Ein neuer Lebensabschnitt beginnt

Das Absetzen sollte frühestens mit sechs Monaten und behutsam erfolgen, um den Stress für die Tiere so gering wie möglich zu halten. Jetzt kann man die Kraftfuttermenge erhöhen, um den Wegfall von Energie und Eiweiß aus der Muttermilch zu kompensieren. Im ersten Lebensjahr ist eine Zufütterung von Kraftfutter auch während der Weidesaison notwendig, bei sehr üppigem Grasaufwuchs sollte es aber in der Menge etwas reduziert werden. Im zweiten Lebensjahr genügt im Sommer in der Regel ausgiebiger Weidegang und ein geeignetes Mineralfutter. Die Verwendung von Mineralleckschalen, an der die Jungtiere sich selbst bedienen können, birgt immer die Gefahr einer unbemerkten Unter- oder Überversorgung mit Mineralstoffen.

Bei kargem oder geringem Futterangebot auf der Weide empfiehlt sich die Gabe von Heu und Kraftfutter. Im Winter bildet qualitativ hochwertiges Heu in ausreichender Menge die Futtergrundlage, ergänzt mit Kraftfutter. Wird ein Teil des Fohlenfutters durch Hafer (gequetscht oder thermisch aufgeschlossen) ersetzt, so muss ein Mineralfutter in entsprechender Menge beigemischt werden.

Qualität und Menge der Fütterung beeinflusst die Gesundheit

Eine eher knapp gehaltene Fütterung führt zu einem langsamen Wachstum der Fohlen. Damit ist eine auf viel Raufutter basierende Fütterung gemeint, die nur durch so viel Kraftfutter wie nötig und ausreichend Mineralfutter ergänzt wird. Eine intensive Fütterung mit hohen Kraftfuttergaben führt hingegen zu einer schnellen Zunahme des Körpergewichts. Diese Fohlen sind früher ausgewachsen als ihre extensiv aufgezogenen Artgenossen, haben jedoch auch häufiger Probleme am Bewegungsapparat. Insbesondere die gefürchtete Osteochondrose tritt bei dieser Gruppe vermehrt auf. Des Weiteren belastet ein zuviel an Eiweiß den Stoffwechsel und die Verdauung.
Fazit: Für eine gesunde Fohlenaufzucht gilt: Eine nicht zu intensive Fütterung ergänzt durch eine ausgeglichene Mineralstoffversorgung sowie tägliche Bewegung, auch im Winter!


Quelle:

Sven und Peggy Morell
Bild: Katarinenhof