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Fohlen: Ausbildung richtig machen

Die Fohlenausbildung beginnt gleich nach der Geburt. Was ein Fohlen in seinen ersten Lebenswochen und -monaten bereits lernen soll oder muss, wird oftmals kontrovers diskutiert. Einerseits soll das Fohlen möglichst artgemäß im Herdenverband aufwachsen, damit es ohne Eingriff des Menschen sein natürliches Verhalten entfalten kann. Andererseits lernt das junge Pferd gerade im Fohlenalter am sichersten, prägendsten und ist für den Menschen leichter zu handhaben als ein ausgewachsenes Pferd.
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Two cute brown and black foal on the summer meadowDie Fohlenausbildung zu unterlassen und ein Fohlen absolut „wild“ aufwachsen zu lassen kann später zu Problemen führen, wenn der Mensch das Pferd für seine Dienste nutzen will. Da die meisten Pferde als Sport- und Freizeitpferde gezüchtet werden, ist eine frühzeitige Gewöhnung an den Menschen nicht abzulehnen, da es Mensch und Tier nur Vorteile bringen kann. Dennoch ist und bleibt das Fohlen ein Pferd, und man sollte sich hüten, es als „Schoßhündchen“ aufziehen zu wollen. Als Individuum „Pferd“ hat das junge Tier natürliche Bedürfnisse in Bezug auf Spiel, Bewegungsdrang, Sozialverhalten und andere pferdespezifische Verhaltensweisen, die es aufgrund seiner Instinkte entsprechend auszuleben versucht. Das Aufwachsen unter Artgenossen, das Spiel und der Kontakt zu ihnen ist darum für die Entwicklung eines gesunden Körpers, des Geistes und der Seele des jungen Pferdes unabdingbar.

 

Training von Geburt an?

Die Phase der Prägung des neugeborenen Fohlens beginnt direkt nach der Geburt. Das Fohlen bindet sich dabei an ein größeres Objekt, das es in seiner Umgebung wahrnimmt. Normalerweise ist das die Mutter. Die Mutterstute leckt das Fohlen nach der Geburt trocken und stellt so den ersten sozialen Kontakt zu ihrem Neugeborenen her. Der Mensch kann das Fohlen ebenfalls berühren und vorsichtig abrubbeln – an den Ohren anfassen, über Nase, Gesicht, Rücken und Beine streichen. Die Prägung verstärkt die Akzeptanz von verschiedenen Reizen im späteren Leben. Die Pferde werden umgänglicher, lassen sich leichter anfassen, die Hufe behandeln und der allgemeine Umgang mit ihnen wird erleichtert. Des Weiteren reagiert das Fohlen durch die Prägung dem Menschen gegenüber nie ängstlich.

Für eine artgerechte Aufzucht darf darüber hinaus aber niemals vergessen werden, in erster Linie eine entsprechende Prägung auf die Mutter zu ermöglichen. Beim bekannten Imprint-Training sollte man daher bestimmte Grenzen nicht überschreiten. So sind Techniken durchaus bedenklich, bei denen das Fohlen zu Boden gedrückt oder der Finger in sämtliche Körperöffnungen geschoben wird.

Beschäftigung mit Lerncharakter besser als vermenschlichen

Manche Hobbyzüchter und Pferdeliebhaber laufen Gefahr, ihr – oftmals einziges – Fohlen zu vermenschlichen. Häufig kann beobachtet werden, dass Fohlenbesitzer mit ihrem Pferdenachwuchs spielen: Die jungen Fohlen laufen den Besitzern hinterher, legen ihnen die Hufe auf die Schultern. Wenn das Fohlen allerdings älter, größer und stärker wird, können solche Spielereien zu bösen Verletzungen führen. Wie soll das Pferd begreifen, warum es jetzt nicht mehr steigen darf? Plötzlich sind solche Spielereien zu schlimmen Untugenden geworden, die den Pferden nur sehr schwer wieder abzugewöhnen sind. Deshalb gilt: Fohlen sind kein Spielzeug, auch wenn sie noch so niedlich sind.

Besser ist, sich mit einem Fohlen sinnvoll zu beschäftigen. Damit ist gemeint, dem Pferde-Nachwuchs gewisse Dinge beizubringen, die ihm im Umgang mit dem Menschen später ein angenehmeres Leben bescheren. Dazu gehört beispielsweise das Tragen eines Halfters, sich führen, anfassen, putzen und anbinden zu lassen, Hufe herzugeben und bereits den Sinn von Stimmkommandos kennenzulernen, mit denen diverse Manöver oder Aufgaben später unter dem Sattel unterstützt werden.

Akzeptanz des Halfters Schritt für Schritt lernen

Fohlen sind nach der Geburt oft sehr scheu dem Menschen gegenüber. Trotzdem sollte man jede Gelegenheit nutzen, wenn zum Beispiel die Mutter ihr Futter bekommt, mit in die Box zu gehen. Zu Anfang vielleicht nur ruhig danebenstehen und sich erst nach und nach dem Fohlen nähern. Manchmal sind Fohlen auch sehr neugierig und kommen von sich aus. Anfassen und streicheln sollte man es zuerst am Widerrist, dann einen Arm um die Brust und später den zweiten Arm um die Hinterhand legen. So kann man das Fohlen auch schon etwas in eine Richtung dirigieren. Das kann je nach Fohlencharakter und Trainingsintensität 4 bis 6 Wochen dauern.

Wenn sich das Fohlen ohne Probleme vom Menschen anfassen lässt, ist es für den Pferdebesitzer nicht mehr schwierig, ihm eines Tages auch das Halfter überzustreifen. Das junge Tier wird sich sehr bald an das Tragen des Halfters gewöhnen. Schon jetzt kann man außerdem immer wieder fordern, dass das Fohlen ein Beinchen aufhebt. Schnell wird es lernen, sein Gleichgewicht auf drei Beinen zu halten.

Grundsätzlich sollte das Fohlen das Halfter nur zu einem bestimmten Zweck tragen. Ein Fohlen immer das Halfter tragen zu lassen, weil man es so mit einem schnellen Griff festhalten kann, ist nicht zu empfehlen. Der schnelle Griff wird oft als Gefahr wahrgenommen und macht das Fohlen nur „Kopfscheu“. Wenn dies erst geprägt ist, wird das Pferd es unter Umständen nie mehr verlieren.

Der nächste Schritt ist das Führen. Zusätzlich zum Führstrick, der nun am Halfter angebracht wird, kann man zur Verdeutlichung seiner Aufforderung ein Seil in Form einer Schlaufe um die Hinterhand des Fohlens legen. Wie zu Anfang mit dem Arm um die Hinterhand. Begleitend zum Stimmkommando zupft man leicht am Führstrick und übt zusätzlich etwas Druck mit dem Seil aus. Bald wird das Fohlen die Bedeutung, „nach vorne gehen“, herausfinden. Falsch wäre hingegen, am Führstrick zu ziehen. Das junge Pferd wird die Beine in den Boden stemmen und dagegenhalten. Die Führposition ist ebenfalls wichtig, um die richtige Position des Pferdes beim Führen von Anfang an klar zu kommunizieren. Man sollte nicht direkt vor dem jungen Pferd stehen. Der richtige Platz ist auf der Schulterhöhe des Fohlens.

Langsam mit dem Anbinden beginnen

Ist das Führen nach den ersten 6 bis 8 Monaten für das Fohlen normal, hat es dabei auch gelernt, am Führstrick ruhig stehen zu bleiben, dann kann man mit dem Anbindetraining beginnen. Wichtig: Fohlen oder Jungpferde sollten nur unter Aufsicht angebunden sein. Bei neuen Erfahrungen für das Fohlen, wie Tierarzt oder Hufschmied ist es immer besser, es zuerst selbst festzuhalten. Grundsätzlich wichtig ist ein sicherer Anbindeplatz sowie stabile, reißfeste Anbindestricke und gepolsterte Halfter. Ein Pferd führen und anbinden zu können, sind die Grundvoraussetzungen für jeden weiteren Umgang mit dem Vierbeiner. Das Erlernen dieser Lektionen im Fohlen- und Jährlingsalter sind deshalb vorteilhaft.

Das Alleine bleiben, Vorstufe zum Absetzen

Das Alleine bleiben ist bereits eine Vorstufe zum Absetzen des Fohlens. Man beginnt mit dem Training, indem man das Jungtier vorerst nur wenige Minuten alleine lässt. Das geschieht beispielsweise, wenn die Mutterstute zum Putzen oder Hufe säubern aus der Box oder Herde geführt wird. Das Fohlen soll in dieser Zeit alleine in der Stuten- und Fohlenherde zurückbleiben. So wird die Trennung von der Mutter erträglicher. Das Fohlen wird dennoch versuchen, seiner Mutter zu folgen, darum ist ein besonderes Augenmerk auf die Ausbruchsicherheit des Paddocks oder der Weide zu richten.

Das Fohlen wird sich langsam an das Alleinsein gewöhnen und nach wiederholtem Male ruhiger zurückbleiben, denn es weiß, dass die Mutter wieder zurückkommt. Später lässt sich das Alleine bleiben auf eine Stunde ausdehnen, beispielsweise kann man dann mit der Mutterstute bereits alleine ausreiten.

Wenn diese Grundvoraussetzungen in den ersten Lebensmonaten des jungen Pferdes erarbeitet worden sind, wird sowohl das Absetzen, der weitere Umgang und die weiterführende Ausbildung des jungen Pferdes keine großen Probleme darstellen.


Quelle:

Renate Ettl, Barnboox
Bild: Fotolia #112718837