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Haltung :: Weidemanagement

Weidemanagement mit richtiger Beweidung optimieren

Pferde sind von Natur aus Weidetiere. Viel frische Luft, grasen auf offenen Wiesen und dabei ständig in Bewegung im Schritt, das entspricht am besten ihren Lebensgrundlagen. Für unsere domestizierten Pferde solch einen Lebensraum bereitzustellen ist eine große Herausforderung, weil meist die Größe der vorhandenen Flächen im Verhältnis zu der Anzahl der Pferde nicht ausreicht. Ein gutes Management bei der Beweidung ist daher unumgänglich.
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Inzwischen ist allen Pferdebesitzern klar, dass 23 Stunden Box und eine Stunde Reiten pro Tag für das Pferd nicht artgerecht ist. Der kleine Paddock vor der Box hilft, ist aber nicht wirklich ausreichend. Pferde müssen auf die Weide, zur Bewegung, zum Spielen mit anderen Artgenossen, zur Futteraufnahme. Leider gehen sie dabei nicht sorgsam mit der Weide um. Die Tritte der Tiere schädigen die Grasnarbe. Ihr Geschmacksinn lässt sie sehr selektiv entscheiden, welches Gras gefressen wird und welches nicht. Es entstehen mit der Zeit kahle Flächen und Geilstellen, auf denen das Wachstum von ungewünschten Gräsern und Kräutern gefördert wird. Mit guter Weidepflege und optimiertem Beweidungs-Management kann man vorbeugen.

Klassische Stand-Weide nur bei großen Flächen

Die Stand-Weide, ein während der Vegetationszeit durchgängig beweidetes Grünland, ist die am meisten betriebene Weideform. Die Belastung für die Weide selbst ist dabei am höchsten. Die Entstehung von großen Geilstellen und Narbenbeschädigungen ist nahezu unvermeidbar. Hierfür sollten daher Weideflächen von Minimum einem Hektar pro Pferd zur Verfügung stehen. Die Weidepflege, wie säubern der Kotstellen und mähen von großen Geilstellen ist ein permanentes Thema. Ohne Maschineneinsatz geht das auf solch großen Weideflächen nicht.

Portions-Weide ermöglicht kontrollierte Nutzung

Bei der Portions-Weide wird eine größere Weide mit einem fixen äußeren Zaun durch einen zusätzlichen Elektrozaun verkleinert. Die Pferde beweiden größenabhängig ein- bis mehrtägig nur kleinen „Portionen“. Danach wird abschnittsweise der Elektrozaun weiter gesteckt. So wird nicht die gesamte Weidefläche sofort beweidet und ungleichmäßig abgefressen, sondern immer nur ein Abschnitt neu zugeteilt.

Umtriebs-Weide gibt dem Gras die Chance nachzuwachsen

Bei der Umtriebs-Weide wird eine große Fläche in kleine Parzellen unterteilt. Die Größe richtet sich nach der Anzahl der Pferde. Ein Treibgang ermöglicht den Zugang zu jeder einzelnen Teilfläche. Jetzt beginnt man die Beweidung bei einer Fläche und wechselt, nachdem diese Abgefressen ist, zur nächsten. Diese Variante ermöglicht eine mehrwöchige Erholung für die schon beweideten Stücke. Spezielle Weidepflege wie Mulchen oder Düngen kann hier jeweils nach der Beweidung ohne Probleme durchgeführt werden.

Auslauf-Weide, Bewegung wichtiger als Futteraufnahme

Pferde, die überwiegend im Sport eingesetzt werden, freuen sich auch über Bewegung in der freien Natur. Hier sind aber ein dicker Weidebauch und eine ungeregelte Energiezufuhr nicht erwünscht. Also ist eine kleine Auslaufläche mit zumindest Sichtkontakt zu andern Pferden ideal. Im Englischen nennt man dies „Run Outs“, was es sehr gut beschreibt. Es handelt sich um eher schmale und längliche Flächen mit guten Weidezäunen und trockenem Boden. Ob darauf noch Gras wächst ist nicht das entscheidende, es könnte auch Heu zu gefüttert werden. Die Bewegungsmöglichkeit an der Luft und Sonne ist das wichtigste.

Misch-Weide, verschiedene Weidetiere teilen sich eine Wiese

Pferde und andere Weidetiere werden dabei nacheinander im Wechsel, eventuell auch gemeinsam, auf die Weide gelassen. Rinder oder Schafe fressen manches Beikraut, das die Pferde stehen lassen. Gleichmäßiges Abweiden der Fläche mit weniger Geilstellen ist die Folge. Wenn z.B. zuerst die Pferde die Fläche beweiden und nicht zu lange auf der Wiese sind, ist noch genügend Futter für Rinder vorhanden und es besteht nicht die Gefahr, dass diese die Gräser zu kurz abfressen.

Winter-Weide, gesund für die Pferde

Pferde fühlen sich auch im Winter wohl auf der Weide. Ein trockener Unterstand sollte vorhanden sein, dann ist nasskaltes Wetter für sie kein Problem, wobei nordische Rassen sich natürlich besser anpassen können. Wenn der Unterstand einen befestigten Platz davor hat und die Weide nach Bedarf geöffnet oder geschlossen werden kann, spricht nichts gegen eine Winterweide. Im Frühjahr, nach entsprechender Pflege, kann das Gras wieder in Ruhe wachsen.

Wichtiger bei Winterweiden ist die Beschaffenheit der Fläche. Trockene, sandhaltige Böden und eher flache Weiden sind besser geeignet, als wasserhaltige Böden und steile Hänge. Bei einer Beweidung im Winter erhöht sich zum einem generell die Zerstörung der Grasnarbe und zum anderen führt matschiger Boden über kurz oder lang bei Pferde zu Mauke. Steile Hänge können zu Rutschpartien werden und bergen zu dem für die Pferde eine hohe Verletzungsgefahr.

Mäh-Weide, die beste Reha-Maßnahme für überweidete Wiesen

Eine echte Erholungsmaßnahme für strapazierte Weiden ist die Nutzung des ersten Aufwuchses zur Heugewinnung. Je später der Schnitt, desto mehr Zeit haben gestresste Gräser und Kräuter zu wachsen und ihre Samen auszustreuen. Ob dann im Herbst noch ein zweiter Schnitt gemacht wird, oder die Pferde noch einmal abgrasen können, ist jedem selbst überlassen.

Ein gut durchdachtes Beweidungskonzept kann helfen, knapp bemessene Wiesen für die Pferde optimal zu nutzen und immer eine kräftig grüne Weide zur Verfügung zu stellen. Gesunde Pferde danken es.


Quelle:

Barnboox
Bild: Maren Beßler_pixelio.de