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Haltung :: Weidemanagement

Weidehygiene für unsere Pferde

Das Sommer-Halbjahr ist für unsere Pferde die schönste Zeit, dann können sie Tag und Nacht auf der Weide verbringen, so wie es ihrer Natur am meisten entspricht. Um ihnen auf der Weide aber immer ausreichend Gras als Futter anbieten zu können, muss eine Weide permanent gepflegt werden. Das ist oft viel Handarbeit, wenn es gilt Pferdekot aufzulesen. Auch eine gutes Weidemanagement kann einen Teil dazu beitragen.
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Pferde sind keine „einfachen“ Weidetiere, denn sie verbeißen ihre Futterpflanzen sehr kurz, was oft zu einer starken Schädigung der Grasnarbe führt. Auch selektieren sie recht wählerisch: Gefressen werden nur wenige ausgewählte Gräser und Kräuter, alle anderen Pflanzen werden verschmäht.  Auf anderen Bereichen der Weide entstehen bald immer größere „Pferde-Toiletten“, die sogenannten Geilstellen, an denen die Vierbeiner bevorzugt ihren Kot hinterlassen. Wird dagegen nichts unternommen, beginnt ein Teufelskreis.

Pferdeäpfel aufsammeln für bessere Weidehygiene

Die Geilstellen breiten sich immer weiter aus und kommt es zu einer Überdüngung, der Boden wird sauer. Pferde fressen an diesen Stellen kein Gras mehr. In der Folge wachsen dort noch mehr Brennnesseln, Ampfer und andere wenig schmackhafte Pflanzen. Es gilt also zu handeln. Beste Vorbeugemaßnahme ist das regelmäßige Aufsammeln der Pferdeäpfel, was mindestens alle drei Tage, besser aber täglich geschehen sollte. Schubkarre, Köttelboy und Bollengabel sind daher wichtige Helfer im Kampf gegen Geilstellen. Für größere Betriebe eignen sich auch spezielle Maschinen, mit denen große Mengen Pferdeäpfel schnell und einfach aufgenommen werden können.

Dieses Vorgehen verhindert nicht nur die Ausbreitung der Geilstellen, sondern ist auch eine unverzichtbare Maßnahme gegen Würmer. Vielfach sieht man leider immer noch, dass Weiden abgeschleppt werden, ohne die alten Pferdeäpfel vorher aufzusammeln. Von dieser Praktik ist jedoch dringend abzuraten, denn die Infizierungsgefahr mit Parasiten wird dadurch noch erhöht und es kommt zu einer Bodenübersäuerung. In der Folge ist  wenig artenreicher Grasaufwuchs zu erwarten, was wiederum die Entstehung von Geilstellen begünstigt. Außerdem ist es für die Pferde absolut unhygienisch, in ihren eigenen Hinterlassenschaften zu grasen.

Weidemanagement hält Wiesen länger fit

Um zu verhindern, dass Geilstellen extreme Ausmaße erreichen, ist auch ein durchdachtes Weidemanagement hilfreich. Zuerst sollte eine Überweidung der Fläche in jedem Fall vermeiden werden. Das heißt, nicht zu viele Tiere zu lange auf einer Weide grasen lassen. Je nach Bodenbeschaffenheit, Nutzung und Lage der Weide rechnet man etwa zwei bis drei Großpferde pro Hektar. Gut haben sich Weiden bewährt, die,  mit mobilen Elektrozäunen, in mehrere Parzellen unterteilt werden. Sobald eine Teilfläche abgegrast ist, werden die Pferde auf die nächste gebracht. Anschließend wird der Kot sorgfältig abgesammelt und Geilstellen oder überständiges Gras abgemäht, um den Aufwuchs zu verjüngen. Das anfallende Schnittgut sollte entfernt werden, damit nachwachsende Untergräser Luft erhalten und die Ausbreitung von Pilzbefall oder Unkräutern verhindert wird.

Eine sehr empfehlenswerte Methode zur Verringerung von Geilstellen ist auch die Wechsel- oder Gemeinschaftsbeweidung mit Rindern. Die Wiederkäuer fressen viele Pflanzen, die von Pferden gemieden werden. Rinder verbeißen die Gräser nicht so kurz und düngen den Boden ganz nebenbei noch mit ihrem Kot. Auch die Klauen von Rindern verdichten den Boden nicht so stark wie Pferdehufe, sondern sorgen durch gleichmäßigere Druckverteilung für ein besseres Graswachstum.

Bei großen Flächen bietet sich auch ein Nutzungswechsel zwischen  Heugewinnung und Beweidung an. Das Gras kann im Frühjahr nach einer guten Düngung bis zur Blüte wachsen. Ein späterer Schnitt lässt die Grassamen alle auf der Weide. Als ob nachgesät worden wäre, wird die Grasnarbe dichter. Nach dem Heuschnitt kann im Herbst entweder ein zweiter Schnitt gemacht, oder die Pferde zum abweiden aufgestellt werden.

Nachsaat hilft, die Vielfalt an Gräsern zu erhalten

Entscheidend für eine gepflegte Weide ist der Zustand der Grasnarbe: Ist sie stabil, trittfest und möglichst artenreich, haben Geilstellen kaum eine Chance. Eine ausreichend lange Ruhephase zur Regeneration nach jeder Beweidung sollte daher unbedingt eingehalten werden. Je nach Jahreszeit rechnet man einen Zeitraum von ungefähr drei Wochen. Als Faustregel gilt, dass die Gräser mindestens eine Länge von 5 bis 10 cm erreicht haben sollten, bevor die Pferde wieder auf die Weide dürfen.

Möglichst vielseitige Kräuter- und Grassorten sorgen für das gleichmäßige Beweiden der gesamten Fläche. Weist die Grasnarbe nach der Beweidung Kahlstellen oder Trittschäden auf, kann eine Nach- oder Übersaat Abhilfe schaffen. Gut geeignet sind Mischungen speziell für Pferdeweiden oder Reparatursaaten, mit Gräsern wie Wiesenrispe, Lieschgras, Wiesenschwingel, Knaulgras, Rotschwingel, Wiesenfuchsschwanz und Weidelgras. Beim Ausbringen der Saat sollte der Boden feucht sein und die Temperatur nicht unter 10 Grad liegen. Werden größere Flächen eingesät,  sollte der Boden anschließend gewalzt werden, damit die Saat besser angeht.


Quelle:

Meike Bölts
Bild: Katarinenhof