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Haltung :: Weidemanagement

Pferde richtig anweiden: Gefahren und Tipps im Umgang mit frischen Gras

Im Frühling ist die Vorfreude groß auf die Eröffnung der Weidesaison. Um die Gesundheit der Pferde nicht zu gefährden, gibt es einiges zu beachten.
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Je langsamer, desto besser! Planen Sie genügend Zeit für die Gewöhnung Ihres Pferdes an das frische Grün ein. In der Regel dauert es einige Wochen, zwei Wochen sollten auf keinen Fall unterschritten werden. Die Umstellung von der rohfaserreichen Winterfütterung im Stall auf das junge Gras stellt das Verdauungssystem ganz schön auf den Kopf. Ein zu rascher Futterwechsel  kann zu erheblichen Verdauungs- und Stoffwechselproblemen (z. B. Durchfall, Kolik, Hufrehe) führen.

Pferde, die bereits eine Hufrehe durchgemacht haben, müssen besonders vorsichtig angeweidet werden, ebenso Pferde, die einer „Risikogruppe“ angehören. So ist beispielsweise bei den genügsamen Robustrassen die Gefahr, an Hufrehe zu erkranken deutlich erhöht, aber auch Erkrankungen wie EMS oder Cushing steigern das Risiko.

Was ist so gefährlich am Gras?

Gras ist für Pferde eine gesunde Futterquelle, wenn das Weidemanagment stimmt. Hier spielen viele Faktoren mit hinein, wie beispielsweise die Zusammensetzung der Pflanzen, die Düngung und die Nutzung. Bei Weidegang fressen Pferde große Mengen Gras, ein Warmblutpferd (Gewicht 600 Kilogramm) pro Stunde ungefähr drei bis vier Kilogramm, bei ausschließlicher Weidehaltung je nach Qualität bis zu 60 Kilogramm täglich.

Im Frühjahr ist das Gras besonders reich an Eiweiß und Kohlenhydraten (insbesondere Fruktane). Zu viel Eiweiß belastet den Stoffwechsel, vor allem die Leber und die Nieren. Während vor einigen Jahren noch dem hohen Eiweißgehalt die Hauptschuld an der Entstehung von Hufrehe gegeben wurde, so werden seit einiger Zeit Fruktane dafür verantwortlich gemacht.

Fruktane

Fruktane sind Zucker, die im Dünndarm des Pferdes kaum verdaut werden können. Geraten größere Mengen in den Dickdarm, werden diese durch Mikroorganismen explosionsartig zersetzt. Dabei wird vermehrt Milchsäure gebildet und eine große Menge „guter“ Darmbakterien stirbt ab. Die dabei entstehenden Giftstoffe gelangen in die Blutbahn und können die schmerzhafte und unter Umständen lebensbedrohende Hufrehe auslösen. Der Fruktangehalt im Gras schwankt je nach Jahreszeit, Witterung und Weidemanagement. Nicht nur „fette“ Weiden sind gefährlich.

 

Immer wieder erkranken Pferde an Hufrehe, die auf völlig abgegrasten Weiden gehalten werden. In diesem „gestressten“ Gras können die Fruktangehalte ebenfalls hoch sein. Der Rat, hufrehegefährdete Pferde auf abgegraste Weiden zu stellen ist damit überholt. Vielmehr sollte das Anweiden solcher Risiko-Pferde besonders vorsichtig durchgeführt und bei kritischen Witterungsbedingungen auf Weidegang verzichtet werden. Außerdem ist für diese Pferde generell nur stundenweises Grasen zu empfehlen.

Anweiden nach Plan

Halten Sie Ihre Pferde in Eigenregie, beginnen Sie mit zehn bis 15 Minuten und steigern Sie die Zeitdauer von Tag zu Tag langsam. Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, die Pferde zweimal am Tag für kurze Zeit auf die Weide zu lassen; in diesem Fall ist eine hofnahe Weide Gold wert. Nach kalten Nächten kann der Fruktangehalt im Gras stark erhöht sein, die Pferde sollten dann nicht vor dem Mittag auf die Weide gestellt werden. Muss die Eingewöhnung einige Tage unterbrochen werden (Dauerregen, Verletzung eines Pferdes) so müssen Sie quasi wieder von vorne beginnen und die Weidezeit erneut behutsam verlängert werden.

Direkt vor dem Weidegang sollten die Pferde ausreichend Heu, aber niemals Kraftfutter erhalten. Wenn der Kot der Pferde dünner ist als sonst und die typischen „Pferdeäpfel“ nicht mehr erkennbar sind, sollten Sie die Weidezeit reduzieren und mehr Raufutter geben. Steht Ihr Pferd in einem Pensionsstall, erkundigen Sie sich beim Stallbetreiber, wie er das Anweiden der Pferde geplant hat. Möchte dieser aus arbeits- und zeitwirtschaftlichen Gründen gleich mit mehreren Stunden Weidegang beginnen, so sollten Sie ihr Pferd schon vorher an das Gras gewöhnen. Lassen Sie es an der Hand grasen, zunächst nur für etwa zehn Minuten und mit jedem Tag ein bisschen länger.

Der richtige Zeitpunkt

Viele Pferdehalter öffnen die Weiden, sobald die Witterung es zulässt und der Boden abgetrocknet ist. Dies ist aber keineswegs ratsam. Das Gras ist dann noch sehr kurz und hat einen sehr hohen Fruktangehalt, insbesondere wenn die Nächte frostig sind (Spätfrost im Frühjahr). Nagen die Pferde an dem kurzen Gras, besteht zudem die Gefahr einer vermehrten Aufnahme von Erde und Dreck, was wiederum zu Verdauungsproblemen führen kann. Der Beginn der Weidesaison sollte sich nach der Höhe des Grases richten, mindestens 20 Zentimeter (in etwa zwei Handbreit) sind ratsam. Je später die Pferde auf die Weide dürfen, desto älter ist das Gras und somit eiweißärmer und rohfaserreicher.

Fazit

Jede Veränderung der Fütterung muss langsam und schonend durchgeführt werden. Dies gilt ganz besonders im Frühjahr, wenn die Weidesaison eröffnet wird.


Quelle:

Sven und Peggy Morell
Bild: Katarinenhof