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Haltung :: Stalltechnik

Paddockbau: Verlegung von Vlies zur Befestigung – so funktioniert’s!

Vlies zum Trockenlegen verschlammter Paddocks hat in der Reitsportszene einen schlechten Ruf. Wird Vlies richtig angewandt, ist dieser jedoch unverdient.
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Spätestens wenn die Stiefel der Reiter, die ihre Pferde von verschlammten Paddocks holen müssen, im Dreck stecken bleiben, wird der Ruf nach einer Befestigung laut. Richtig verlegte Paddockmatten schaffen zuverlässig Abhilfe, sind aber auch eine Belastung für den Geldbeutel.

Billiges Bauvlies ist ungeeignet

Kostengünstiger als Paddockmatten ist die Verlegung einer Trennschicht aus Bändchenvlies und das Aufbringen einer Tretschicht. Vlies hat im Reitsportbereich einen ausgesprochen schlechten Ruf. Hauptkritikpunkt ist, dass es der punktuellen Belastung durch die Pferdehufe nicht standhält, reißt und sich hochwühlt. So entstehen gefährliche Stolperfallen.

Das muss nicht unbedingt so sein, denn diese Probleme entstehen meist, wenn an der falschen Stelle gespart, oder falsch verlegt wird. Billiges Bauvlies aus dem nächsten Baumarkt ist für Paddocks nicht geeignet. Es ist zu dünn und bietet nicht die nötige Reißfestigkeit. Vlies, das für Reitplätze und Ausläufe verwendet wird, muss aus Bändchen- oder Foliengewebe bestehen. Nur solches ist widerstandsfähig genug, um die auftretenden Scherkräfte bei abrupten Wendungen oder Stopps der Pferde unbeschadet zu überstehen.

Bei der Verlegung müssen Sie einige Punkte beachten. Wie bei der Verlegung von Paddockplatten gilt auch hier: Je besser der Unterbau, desto besser das Ergebnis. Doch auch ohne aufwändiges Anlegen eines Schotter-Kiesbetts soll diese Variante bei sorgfältigem Aufbau geeignet sein, um den Paddock weitgehend matschfrei zu halten.

Paddockvlies an den Rändern gut befestigen!

Das Gelände muss begradigt und der gröbste Schlamm abgeschoben werden. Ideal ist auch hier ein leichtes Gefälle zu den Rändern hin. Rund um die Fläche wird ein etwa dreißig Zentimeter tiefer Graben angelegt. Ein Minibagger erspart hier viel Handarbeit. Erkundigen Sie sich, ob Sie einen solchen in der Nähe mieten können.

Die einzelnen Vliesbahnen werden mit zehn Zentimetern Überlappung aneinandergenäht und mit den Nähten nach unten auf den Boden gelegt. Zum Nähen reicht eine einfache Sacknähmaschine – diese kann meist gegen eine geringe Gebühr direkt beim Hersteller ausgeliehen werden.
Die Vliesränder werden in den Graben gelegt, mit Aushubmaterial beschwert und umgeschlagen. Dann wird der Graben aufgefüllt. Eine gute Randbefestigung ist wichtig – hier darf nicht geschlampt werden. Es reicht nicht, die Ränder mit Balken zu beschweren – das Vlies würde früher oder später herausrutschen. Wird das Vlies hingegen ordentlich befestigt, funktioniert das wie ein Spannbettlaken.

Der richtige Sand entscheidet, ob die Tretschicht hält

Auf das Vliesbett wird dann die Tretschicht aufgebracht. Hier ist es wichtig, keinen rundkörnigen Sand zu verwenden. Bei rundkörnigem Sand ist es, als würden die Pferde in eine Waschwanne voller Pingpongbälle treten: Die Körner werden zur Seite gedrückt – zurück bleibt ein Loch. Da kann es schon vorkommen, dass das Vlies stellenweise ausgegraben wird.

Fachhändler empfehlen, gebrochenen, nicht zu scharfkantigen Reitplatzsand mit einer Körnung über 0,2 Millimeter und einem Lehmanteil von unter zehn Prozent. Dieser Sand verdichtet sich, bleibt aber wasserdurchlässig. So erhält man einen Boden, wie im feuchten Bereich eines Sandstrands: griffig, nachgiebig aber nicht so weich, dass Löcher zurückbleiben.
Die verdichtete Sandschicht muss mindestens zehn, besser 15 Zentimeter dick sein – das heißt, dass rund 15 bis 20 Zentimeter Sand aufgeschüttet werden müssen. Ein Verdichten mit einem Rüttler ist meist überflüssig, denn Pferde verdichten den Boden sehr schnell von alleine.

Überlegen Sie möglichst genau, was Sie brauchen

Sand erhalten Sie in der nächsten Kiesgrube. Er wird in unterschiedlichster Qualität und Körnung angeboten. Geben Sie den Verwendungszweck und Ihren Anspruch an den Sand möglichst genau an und holen Sie sich kompetente Beratung. Lassen Sie sich da nicht das Erstbeste aufschwatzen, denn der falsche Sand kann Ihnen die Freude an Ihrem neuen Paddock gründlich vermiesen. Nicht jeder Sand ist überall erhältlich – vermutlich werden Sie da ohnehin Kompromisse eingehen müssen. Je genauer Sie wissen, was Sie brauchen, umso besser.

Dieser Grundsatz gilt nicht nur beim Sand, sondern generell. Bevor Sie sich in Unkosten stürzen, um Ihren Auslauf zu befestigen, sollten Sie sich genau überlegen, welche Ansprüche Sie an den Boden stellen. Soll er trocken oder nur trittfest sein? Wie oft wird der Paddock benutzt und von wie vielen Pferden? Wie viel Geld möchten oder können Sie dafür ausgeben? Und welche Erfahrungen haben andere Pferdebesitzer mit dem Bodenbelag Ihrer Wahl gemacht? Scheuen Sie sich nicht, hier gründlich nachzufragen, es lohnt sich. Viele Händler haben Referenzlisten auf ihren Internetseiten – rufen Sie deren Kunden an und informieren Sie sich vor dem Kauf über deren Erfahrungen mit dem Produkt.


Quelle:

Claudia Lampert
Bild: Rainer Brückner_pixelio.de