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Haltung :: Stalltechnik

Moderne Videoüberwachung für Box, Offenstall und Weide

Mehr und mehr gehen Stallbesitzer oder Stallgemeinschaften dazu über ihre Pferde via Kamera und Smartphone oder Tablet im Auge zu behalten und damit Kolik, Wolf und Pferde-Ripper keine Chance mehr zu geben. Die technischen Möglichkeiten sind mittlerweile sehr ausgereift und bieten u. a. Cloud-Speicherung, Fernsteuerung und Infrarot-Bilder für die Nacht. Wichtig: Die Persönlichkeitsrechte Dritter dürfen dabei zu keiner Zeit verletzt werden.
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VideoüberwachungVor allem, wenn Pferde rund um die Uhr im abseits gelegenen Offenstall oder auf der Weide gehalten werden, sind sie mehr oder weniger auf sich alleine gestellt. Aber auch in den meisten Ställen, in denen Pferde am Abend in die Boxen gebracht werden, lässt genau zu dieser Zeit der Trubel nach. Die Pferdebesitzer fahren nach Hause, der Reitstallinhaber geht abends noch einmal aus ins Kino. Die Türen sind abgeschlossen. Ruhe kehrt ein und mit ihr Dunkelheit und Einsamkeit.

Wenn sich jetzt plötzlich, früher als geplant, ein Fohlen ankündigt, ein Pferd Anzeichen einer Kolik zeigt, ein „Sattelklauer“ zuschlägt oder der Pferde-Ripper oder –Dieb umherschleicht, bekommt dies niemand mit. Das ist besonders schlimm, weil in solche Situationen jede Minute zählt? Moderne Überwachungssysteme setzen genau hier an. Einige der so genannten IP-Kameras sind mittlerweile wetter- und staubunempfindlich und können an neuralgischen Punkten im Stall, Offenstall und auf der Weide angebracht werden.

Live-Bild der Kamera auf dem Smartphone

Früher wurden diese Bilder lediglich auf den dazugehörigen Computer übertragen, heutzutage sind die Möglichkeiten vielfältiger und komfortabler. Die Kameras schicken, meist per WLAN, die Bilder an den dazugehörigen Router. Dieser wiederum sendet das Signal weiter an die dazugehörige Internetadresse, die man jederzeit anwählen kann. Es ist dann egal, ob vom Computer im Büro, vom heimischen Tablet oder unterwegs vom Smartphone aus. Die Bilder sind natürlich SSL-verschlüsselt und passwortgeschützt: Nur mit dem richtigen Passwort kann man live verfolgen, wie es dem Pferd gerade geht. Einzige Voraussetzung ist ein Internetzugang mit einer Bandbreite von mindestens 500 kB, d.h. die Kamera muss mit einem WLAN verbunden sein.

Dabei macht es wenig Sinn, wenn eine Kamera einfach nur 24 Stunden die gleiche Stelle im Stall aufzeichnet. Viele Geräte verfügen nicht nur über Zoom- und Schwenkfunktionen, sondern auch über eine Fernsteuerung, die man individuell einstellen kann. Außerdem ist ein so genannter Schlafmodus und/oder Benachrichtigungsmodus sinnvoll: Die Kamera aktivieren sich erst dann automatisch, wenn eine Bewegung oder ein Geräusch ab einem bestimmten Schwellenwert (Empfindlichkeitsstufen: niedrig, mittel, hoch) erkannt wird. Per E-Mail oder Push-Nachricht wird dann benachrichtigt.

Je mehr technische Spielereien, desto höher der Preis

Eine Zoomkamera kann auch weit entfernte Objekte beobachten, je nach Qualität des Geräts sind Objekte bis zu 100 Meter Entfernung beobachtbar. Dies ist vor allem im Außenbereich, zum Beispiel an entlegenen Ecken auf der Weide, ein Vorteil. Die Überwachung kann hier jedoch ordentlich ins Geld gehen: Stromversorgung der Kamera, eine gute Bildqualität mit hoher Auflösung, Zoomfunktion und Übertragung über eine größere Entfernung sind nicht billig. Hinzu kommt, dass viele Pferdebesitzer Infrarottechnologie wünschen, damit sie ihr Pferd – gerade bei anstehenden Fohlengeburten – auch nachts im Blick haben.

Wenn man zwischendurch keine Möglichkeit hat, die Bilder aus dem Stall live zu verfolgen, sind diese nicht unbedingt verloren. Viele Firmen bieten an, die Daten über eine dazugehörige Cloud zu sichern. Die Kameras von SpotCam etwa speichern – als einziger Hersteller – alle Bilder durchgehend in der Cloud ab. Bis zu 24 Stunden ist dieser Service kostenlos; erst eine Erweiterung bis maximal 30 Tage ist gebührenpflichtig. „Über die Cloud können die Live-Bilder sowie die Bilder der letzten 24 Stunden jederzeit eingesehen werden“, erklärt Ilija Vogel vom Customer Service für SpotCam und Blaupunkt-Sicherheitssysteme.

Auch wenn die zusätzliche Komfortausstattung ein Überwachungssystem insgesamt teurer machen, liegen die Kameras von SpotCam an sich im mittleren Preissegment: Indoor-Kameras beginnen bei 119 Euro, Outdoor-Kameras bei 189 Euro. „Dafür loben unsere Kunden immer wieder die einfache Handhabung und unkomplizierte Installation im Netz“, so Vogel. Günstigere Alternativen werden bereits unter 100 Euro im Internet angeboten; hier muss jeder Pferdebesitzer individuell entscheiden, worauf er Wert legt. Wer nur eine einfache Überwachung ohne großen Service wünscht, kann hier durchaus solide Geräte finden.

Die Sache mit dem Datenschutz

Wer jedoch meint, der eigene Stall oder Weide seien rechts- oder datenschutzfreie Räume, der irrt sich gewaltig. Datenschutz und Persönlichkeitsrechte gelten hier genauso wie anderswo. Arbeiten im Stall regelmäßig Angestellte, müssen diese ihre Zustimmung dazu geben, gefilmt zu werden. Für Besucher oder Einsteller sollte ein Hinweisschild über die Videokameras gut sichtbar angebracht werden. Benachbarte Grundstücke oder auch öffentliche Wege und Straßen – zum Beispiel an der Weide entlang – dürfen nicht einfach mit gefilmt werden. Hier könnten die Persönlichkeitsrechte von Passanten verletzt werden. Die Kameras sollten dort grundsätzlich so positioniert werden, dass sie nur das eigene Grundstück erfassen.


Quelle:

Julia Schay-Beneke
Bild: Fotolia #52649560