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Haltung :: Stalltechnik

Kompostierung von Pferdemist durch Regenwürmer

Ein erwachsenes Pferd scheidet täglich 10 bis 20 kg Kot und zehn Liter Urin aus. Zusammen mit der Einstreu ergibt sich daraus 25 bis 35 kg Mist pro Pferd – aufs Jahr umgerechnet also ein Haufen von rund 10 Kubikmetern. Am leichtesten werden sie ihn los, wenn sie die Dreckarbeit von Würmern machen lassen
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OLYMPUS DIGITAL CAMERAMist-Vorschriften“ gibt es in jedem Bundesland. Die Details variieren teilweise sogar von Landkreis zu Landkreis. Grundsätzlich aber gilt überall, dass das Sickerwasser von frischem Mist nicht ins Grundwasser gelangen darf. Deshalb muss er üblicherweise mindestens acht Wochen lang auf geeigneten Dunglegen mit wasserundurchlässiger Mistplatte gelagert werden. Deren Größe hängt von der Anzahl der Pferde ab. Da die meisten Misthaufen nur in halbjährlichen Abständen von einem Landwirt abgeholt werden, empfiehlt das Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg eine Bemessung der Festmistplatte auf eine 6-monatige Stapelzeit.

In Ausnahmefällen dürfen auf landwirtschaftlichen Flächen auch Zwischenlager (Feldmisten) ohne Betonplatte angelegt werden. Dafür gibt es jedoch spezielle Vorschriften, die man bei den jeweils zuständigen Landwirtschaftsministerien erfragen kann. Eine Feldmiste muss dort unbedingt angemeldet werden, da sonst strafrechtliche Konsequenzen drohen.

Soll der Mist später kompostiert werden, ist es von Vorteil, ihn mit einem Mistschredder zu zerkleinern. Dadurch wird auch gleichzeitig das Volumen reduziert. Um Austrocknung und den bekannten grau-schimmeligen Verkokungen vorzubeugen, sollte man den frischen Mist regelmäßig wässern. Das dunkelbraune bis schwarze Gemisch kommt später zur Nachrottung auf Kompost-Mieten.

Ab diesem Zeitpunkt darf man Pferdedung auch auf natürlichem Boden ausbringen und kompostieren. Aus umweltrechtlichen Gründen sollten die Mieten allerdings alle 12 Monate umgesetzt werden. Christoph Tacke, der in Borken eine Wurmfarm betreibt, warnt jedoch: „Was Schwierigkeiten mit Behörden angeht, da kommen immer wieder die verrücktesten Sachen.“

Tacke selbst wurde per Gerichtsbeschluss von dem Vorwurf freigesprochen, Schäden an Umwelt oder Grundwasser zu verursachen. Auf über 30.000 Quadratmeter Fläche entsorgt er den Mist verschiedener Tiere über Wurmkompostierung. Kompostwürmer fressen sich mit Vorliebe durch Pferdemist und verarbeiten ihn dabei zu hochwertigem Humus. Der Mist wird dabei in Flachschichten von 30 cm Höhe angesetzt, je Quadratmeter werden 1.000 Würmer eingesetzt. Nach Abbau der ersten Schicht wächst der Komposthaufen durch erneutes Aufbringen von frischem Mist in dünnen Schichten langsam weiter – in einem Jahr auf etwa 80 bis 120 cm. Die Würmer siedeln immer aus dem alten, bereits verarbeiteten, Material in das frische über und verspeisen pro Tag eine Menge, die ihrem eigenen Körpergewicht entspricht, also etwa zwei Gramm. Pro Großpferd rechnet man mit einer Entsorgungsfläche von 5 bis 6 Quadratmetern. Nach einem Jahr wird neben der alten eine neue Miete angelegt, die Würmer siedeln von selbst in den Haufen mit neuem Nahrungsangebot über. Ein Kübel mit 1.000 Würmern ist bei Christoph Tacke für 15 Euro zu haben.

Größere Würmer kriegen auch Späne klein

„Am besten funktioniert die Kompostierung mit reinen Pferdeäpfeln“, sagt Tacke. Strohmist muss vorher wie beschrieben auf der Dunglege vorkompostiert werden. Manche Pferdehalter kompostieren sogar mit Sägemehl-Mist. Je höher aber der Anteil von Stroh und Spänen, desto größer ist die Gefahr der Austrocknung. Tacke empfiehlt in solchen Fällen eine größere Wurmart (Dendrobaena statt Eisenia), den Einsatz von Rotte-Substrat und das regelmäßige Aufschichten von Obst- und Gemüseresten. Das stimuliert die Kleinstlebenwesen, welche wiederum als Futter für die Würmer dienen. Den Bodenlebenwesen-Besatz könne man auch durch das Untermengen von Erde erhöhen.

„Ich rate den Leuten allerdings von Experimenten ab, wenn sie keinen grünen Daumen haben“, sagt der Wurmzüchter. „Man braucht schon praktische Erfahrung und einen Bezug zur Erde, um unter erschwerten Bedingungen Humus zu erzeugen. Internetrecherche reicht da nicht aus.“

Den Trend zur Kompostierung per Regenwurm gibt es sowohl bei Privatpferdehaltern, als auch bei Reitställen. Privatleute verkaufen den Humus oft an Nachbarn und Hobbygärtner.

Düngung ohne Parasiten

Größere Anlagen haben genug Eigenbedarf zur Düngung ihrer Wiesen. Ist der Pferdemist nämlich erst einmal zu Humus verarbeitet, sind die Darmparasiten längst abgetötet. Wichtig ist für diesen Vorgang, dass die Wärmeentwicklung in der Rotte über 65 Grad beträgt. Auch der Feuchtigkeitsgehalt spielt eine Rolle: Mikroorganismen brauchen zum Leben 40 bis 60 % Wasser im Material. Bei Wassermangel kapseln sie sich ein und es bildet sich Schimmel. Bei zu hoher Feuchtigkeit durch Niederschlag tritt Sauerstoffmangel auf und es kommt zu Fäulnisprozessen. Ob der Feuchtigkeitsgehalt stimmt, sehen Sie, wenn sie aus einer Tiefe von 30 cm eine Materialprobe nehmen und diese zusammendrücken. Tritt dabei Flüssigkeit aus, ist sie zu feucht, zerfällt sie wieder, ist sie zu trocken. Optimal wäre, wenn das Material in Ihrer Hand einen festen Ballen bildet.

Pferdemist benötigt etwa drei Monate, bis er zu Kompost verrottet ist. In diesem Stadium hat er die größte Düngewirkung. Bleibt er noch länger liegen, wird er zu einem sehr stabilen, reifen Dauerhumus. Sägespäne-Mist verrottet viel langsamer: In der Regel kann man von 12 Monaten ausgehen.

Wer keinen Platz für die Mietenkompostierung hat, dem bleibt nur, sich um eine Entsorgung des Mistes durch privatwirtschaftliche Unternehmen zu kümmern. Der Mist wird dann gesammelt und regelmäßig zur Kompostieranlage gebracht – natürlich nur gegen Bezahlung. Eine Alternative ist für solche Betriebe die Anschaffung einer Schnellkompostieranlage. Darin wird der Rotteprozess durch ideale Bedingungen auf nur zehn bis 15 Stunden beschleunigt. Der Mist wird vollautomatisch zerkleinert, gemischt, gewälzt und belüftet. Die Anschaffungskosten rentieren sich jedoch erst ab einer Betriebsgröße von etwa 30 Pferden.


Quelle:

Regina Käsmayr
Bild: M.Großmann_pixelio.de