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Haltung :: Pferde-Pflege

Pferde richtig waschen

Zappeln, Scharren, Ausschlagen. Waschplätze sind oft ein Schauplatz der Emotionen. Wenn das Abspritzen des Pferdes zur Wasserschlacht wird, liegt das jedoch meist am Besitzer. Von Natur aus gibt es nämlich keine wasserscheuen Pferde. Mit den richtigen Tricks bringen Sie auch hartnäckige Staubfänger zum Glänzen.
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Nice and cleanMustangs in den Rocky Mountains tun alle das gleiche, wenn sie an eine Wasserstelle kommen: Sie werfen sich genüsslich ins seichte Wasser und planschen fröhlich vor sich hin. Anschließend gibt’s ein feines Staubbad und die Mücken sollen ruhig kommen. Abgekühlt und durchpaniert haben die Wildpferde weder Fliegenspray noch Shampoo nötig, um sich wohl zu fühlen.
Boxenpferde sind da im Grunde nicht viel anders. Domestiziert ist nämlich im Grunde vor allem der Mensch, der auch in der heißen Jahreszeit reiten will und mit Dreckklumpen und Zauselmähne nicht viel anfangen kann. Folglich sehen sich moderne Pferde plötzlich mit einem seltsamen Ungetüm namens Waschplatz konfrontiert und werden mit glitschigem Schaum eingerieben, der in ihrer Nase gar nicht so wohl riecht, wie in unserer.

Nicht mit kaltem Wasser überfallen!

Die Bestseller-Autorin Dr. Christiane Gohl („Was der Stallmeister noch wusste“) vergleicht einen Schlauch – aus der Sicht des Pferdes – sogar mit einer „wasserspeienden Schlange“. Kein Wunder also, wenn das Tier nicht gern in den Waschstand geht. „Es kann insofern sinnvoll sein, es erst mal ‚trocken‘ an den Schlauch zu gewöhnen, indem man in seinem Umfeld damit herumhantiert“, empfiehlt die 49-Jährige, die seit ihrer Kindheit mit Pferden arbeitet. „Beim Abspritzen selbst geht man vor allem langsam vor und überfällt die Pferde weder mit einem zu harten, noch einem eiskalten Wasserstrahl. Man sollte sie dabei auch nicht anbinden, sondern am Führstrick halten und möglichst ein vertrautes, älteres Pferd hinzuziehen, das die ‚Dusche‘ genießt.“

Anfangen müssen Sie übrigens keineswegs zwingend mit den Beinen. Dr. Gohl empfieht, junge Pferde zunächst mit einem lauwarmen weichen Wasserstrahl an der Schulter zu benetzen. So sieht das Pferd am besten, was der Reiter tut und dieser befindet sich an einer sicheren Stelle. Soll der komplette Vierbeiner gesäubert werden, so beginnt sie – ebenfalls mit lauwarmem Wasser – am Hals und arbeitet sich dann weiter über den Körper. „Wenn das Pferd allerdings verschwitzt und stark erhitzt vom Reiten zurückkommt, ist es schonender, mit den Beinen zu beginnen und sich langsam hochzuarbeiten. Man kühlt den Körper damit schließlich stark ab und das sollte nicht zu schnell passieren.“

Im Sommer kann das Pferd nach jedem Ritt an den verschwitzten Stellen abgespritzt werden. Vergessen Sie dabei auf keinen Fall den Bereich zwischen den Hinterschenkeln. Hier entstehen durch das Reiten oft getrockneter Schweiß und ein verklebtes Fell. Selbst im Winter können Sie die Beine abduschen, so lange kein Frost herrscht. Die Sattellage sollte aber nur dann nass gemacht werden, wenn das Pferd in einer zugfreien Box unter einer Decke trocknen kann.

Echtes Pferdeshampoo verwenden!

Steht ein Turnier, ein Leonardiritt oder sonst ein Anlass an, zu dem Ihr Pferd besonders schön sein soll, so können Sie getrost auch Shampoo verwenden. Dabei sollte es sich allerdings um echtes Pferdeshampoo handeln und nicht um ein billiges Supermarktshampoo für Menschen. Dr. Christiane Gohl sieht dann keinen Grund, sich übermäßige Sorgen um Allergien und Ekzeme zu machen: „Moderne Pferdeshampoos sind rückfettend und sehr hautverträglich. Manche Leute verwenden sie mehrmals wöchentlich, ohne dass dem Pferd dabei etwas passiert.“ Auch was Rückstände des Mittels im Fell angeht, gibt die Autorin Entwarnung: „Da passen die Hersteller schon auf! Schließlich wollen sie keine Klagen von Pferdebesitzern riskieren, deren Vierbeiner plötzlich kahl herumlaufen. Aber wenn zuviel Schaum zurückbleibt, sind die Haare nach dem Trocknen stumpf, statt zu glänzen, und natürlich können die Rückstände auch Juckreiz auslösen. Dann wälzt sich das Pferd vermehrt und der Reinigungseffekt ist sehr schnell aufgehoben. Es ist insofern sinnvoll, Pferdeshampoos mit viel und möglichst warmem Wasser aus dem Fell zu spülen.“

Pferde mögen das Einschäumen übrigens gar nicht, weil sie dadurch ihren Eigengeruch verlieren. Deshalb empfiehlt Gohl, höchstens einmal pro Monat Shampoos zu verwenden, am Schweif auch zweimal pro Monat.

Größere Schwierigkeiten haben viele Pferdebesitzer beim Waschen des Kopfes. Kaum ein Pferd streckt schließlich freiwillig Nüstern, Augen und Ohren unter einen harten Strahl eiskalten Wassers. In den meisten Fällen lässt sich das Problem allerdings durch den Einsatz eines Schwamms lösen. Bei warmem Wetter akzeptieren auf diese Weise fast alle Pferde sogar kaltes Wasser. Dr. Christiane Gohl hat die Erfahrung gemacht, dass jedes Pferd seine individuellen Vorlieben hat, die man sich beim Abspritzen, insbesondere bei der Reinigung des Kopfes, zunutze machen kann. Vielleicht findet Ihr Pferd „Zähne putzen“ toll und genießt es, wenn Sie ihm das Wasser direkt ins Maul spritzen. Oder es steht gern „im Regen“ und lässt sich genüsslich das Wasser übers Gesicht rinnen, wenn es aus einer Sprühdüse von oben kommt. „Gerade im Sommer können solche entspannten ‚Wasserspiele‘ Reiter und Pferd Spaß machen – man muss sich allerdings damit abfinden, dass man anschließend ebenso trieft wie der Vierbeiner!”, sagt Dr. Gohl.

Langhaar-Pflege

Mähne und Schweif können Sie genauso wie das restliche Fell mit einem handelsüblichen Pferde-Shampoo waschen. Bei dichtem Langhaar können Sie anschließend etwas Mähnenspray auftragen, um die Haarpracht zu entwirren. Dünnes Haar lassen Sie am besten trocknen und verlesen es dann von Hand. Wesentlich pflegeintensiver sind da schon die Hufe. Denn auch die haben Wasser nötig. Feuchtigkeit tut dem Hufhorn gut und hält es geschmeidig. Gemeint ist damit allerdings nicht die feuchte Einstreu in der Box, sondern sauberes, klares Wasser. Eine alte Weisheit sagt: „Die beste Hufpflege ist der morgendliche Tau auf der Weide.“ Genauso gut können Sie aber auch durchs Wasser reiten oder die Hufe zehn Minuten lang in einen Wassereimer stellen. Bloßes Einfetten bringt hingegen genauso wenig, als wenn Sie sich ihren rissigen Fingernagel eincremen. „Wenn man überhaupt einfettet“, sagt Dr. Gohl, „dann nach dem Waschen oder besser Einweichen der Hufe. Schmiede empfehlen hier auch weniger das handelsübliche Huffett, sondern eher Eukalyptusöl. Das erzielt mindestens den gleichen Pflegeeffekt wie das viel gepriesene Teebaumöl, ist aber preiswerter.”

Was die Mustangs mögen, ist auch die Sehnsucht unserer Boxenpferde: Im Anschluss an jedes Nasswerden wollen sie nur eines – Wälzen, Wälzen, Wälzen! Falls Sie Ihr Pferd nur zur Erfrischung abgespritzt haben, sollten Sie ihm das auch sofort erlauben. Nach der Fellreinigung mit Shampoo warten Sie aber lieber, bis es vollkommen getrocknet ist. Sonst knetet sich Ihr frisch poliertes Turnierpferd am Ende den Schmutz ins nasse Fell und sieht anschließend schlimmer aus als zuvor. Nach all dem Aufwand wäre das doch zu schade!

Das Schimmelproblem

Schecken und Schimmel sind diejenigen Pferde, die allein aufgrund ihrer „undankbaren“ Farbe am häufigsten gewaschen werden. Um scheckig-gelb wieder in schneeweiß zu verwandeln, gibt es zahlreiche Geheimtipps, „die sich allerdings durchweg überlebt haben”, findet Dr. Christiane Gohl. Deshalb benutzt sie für ihre eigenes Pferd schlicht ein gutes, modernes Pferdeshampoo. „Meine stark vergilbte Schimmelstute – ein paar Tage Boxhaltung und ansonsten Paddock mit roter Tonerde! –  wurde gerade durch ‚Stübben Care Blauer Lotus‘ in ein schneeweißes Wölkchen verwandelt, aber die Konkurrenzprodukte erzielen sicher den gleichen Effekt.”


Quelle:

Regina Käsmayr
Bild: Fotolia #43501706

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