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Haltung :: Haltungsarten

Wie finde ich einen guten Offenstall?

Das Thermometer zeigt 3°C  und dicke Regentropfen fallen aus dem trüben Nachthimmel. Am Morgen hat Raureif das Gras der Koppel fest anfrieren lassen und Sie sorgen sich um ihr Pferd. Denn wie so oft stand es auch in der vergangenen Nacht ohne Baum, Hütte oder sonstigen Unterschlupf in der Kälte. Kennen Sie dieses Szenario? Dann ist es vielleicht an der Zeit, den Offenstall zu wechseln.
Grenzen Sie ihre Suche auf dem Gebiet Haltungsarten ein. Mit einem Suchbegriff liefert unsere Datenbank Fachbeiträge zu diesem Thema an.

befestigte-paddocksWas besagt eigentlich der Begriff „Offenstall“? Die Erklärung ist recht einfach und lässt sich mit wenigen Worten darstellen: Ein offener Stall ist der Ursprung hinter dem Gedanken, der für die Pferde viel mehr Freiraum und ein artgerechtes Leben suggeriert. Große Weiden sind fantastisch, um dem Bewegungsdrang unserer rassigen Lieblinge ein großes Betätigungsfeld zu geben. Eine Hütte, die mit Bedacht an einem windgeschützten Platz aufgebaut wurde, ein kleiner Unterstand oder in den Sommermonaten große, dicht belaubte Bäume erfüllen ebenfalls ihren Zweck, doch müssen diese auch zugänglich sein und dürfen nicht hinter einem Elektro- oder Holzzaun verborgen liegen.

Wie so oft im Leben liegt die Spanne genau zwischen zu viel und zu wenig. Wer sein Pferd wie sein Auto einfach sich selbst überlässt, wird innerhalb der nächsten Monate sein blaues Wunder erleben. Die Einhufer vertragen Kälte in Verbindung mit Nässe auf Dauer nicht sehr gut. Versuchen Sie doch einmal nach einer kalten, schutzlosen Regennacht ihrem treuen Freizeitpartner eine Hand mit etwas Druck auf den Rücken zu legen. Empfindlichere Gemüter legen sich mit Verspannungsschmerz auf den Boden zu ihren Füßen. Haben Sie so etwas schon einmal erlebt? Sie brauchen keinen sensiblen Vollblutaraber, um auf diese Art etwas über Anatomie dazuzulernen.

Alternativen

Nicht jeder Stallbesitzer möchte seine Weiden mit Hütten und Unterständen optisch verunstalten oder kann ohne weiteres schnell einen Baum zum Wachsen veranlassen. Als Ausweichmöglichkeit ist die menschliche Muskelkraft und eine ausgeprägte Toleranz für andere Sichtweisen notwendig. Es ist nicht so schwer, bei anstehendem Gewitter die Tiere in den Stall und in die Trockenheit zu bringen. Selbst in regenreichen Gebieten kann die Anzahl der Regennächte an zwei Händen abgezählt werden und auf den Monat hochgerechnet wird dies sicherlich zeitlich gesehen nicht übermäßig zu Buche schlagen.

Der Stall im Winter

In den Wintermonaten schützen die Bauern ihre Weiden und das zu Recht. Wer keine großen Flächen besitzt, wird darauf bedacht sein, auch in der nächsten Saison den Pferden genügend Weideflächen zur Verfügung zu stellen. Die Tiere stehen im Vergleich zu den Sommermonaten viel länger auf engem Raum in ihrer Box. Hier trennt sich wieder die Spreu vom Weizen: Fällt Tageslicht auf diesen Platz, ist die Belüftung ausreichend und ohne Zugluft, stehen die Tiere trocken, so dass die Hufe nicht anfangen zu faulen? Wird auf gute Einstreu geachtet, ist die Qualität des Raufutters gut, wird regelmäßig gefüttert und herrscht zwischendurch Ruhe im Stall? Haben die Pferde auch bei Frostperioden die Möglichkeit, durchgängig ihren Wasserbedarf zu decken?

All das sind Fragen, die eigentlich den Stallbesitzer und nicht den Pferdefreund betreffen sollten. Doch die Praxis sieht anders aus – unregelmäßige Handlungsweisen verunsichern nicht nur Pferd, sondern auch den Reiter. Unklarheit herrscht vor – was kann ich verlangen? Was benötigt mein Pferd?

Der richtige Paddock

Noch viel schwieriger wird das Ganze, wenn das Pferd auch im Winter regelmäßig seine Bewegung beibehalten soll. Glücklich ist, wer eine Reithalle in der Nähe seines Stalls vorfindet und diese ständig nutzen kann. Im Zeitraum der Wintermonate drängen sich viele Reiter auf engstem Raum und viele Stressfaktoren erschweren das Zusammenleben. Verschiedene Sicht- und Reitweisen prallen aufeinander und das Reglement der großen Ställe verlangt äußerste Disziplin von jedem Einzelnen.

Glücklich ist, wer in einer kleinen Stallgemeinschaft leben kann. Die Nachteile sind hier jedoch sehr schnell aufgezählt: Schlammige, knietiefe Paddocks zerren nicht nur an den Nerven der Pferdefans, auch die Hufeisen verschwinden endgültig im Morast. Hier Forderungen an den Hofbesitzer zu stellen, bringt diesen schnell an seine finanziellen Grenzen. Ein befestigter Pferdeauslauf kostet richtig Geld und ist mit den Einnahmen durch die Pferdepensionshaltung so leicht nicht mehr auszugleichen.

Problematik „Richtige Fütterung“

Sie besitzen ein ganz normales Pferd ohne Allergien, asthmatische Erscheinungen etc.? Herzlichen Glückwunsch, denn dann ist die Suche nach dem richtigen Stall für Sie kein Problem! Der Alltag der Pferdehaltung sieht heute leider ganz anders aus. Allergische Erscheinungen, Empfindlichkeiten und sonstige Wehwehchen erfordern eine bedachte Fütterung im Detail. Althergebrachte Meinungen helfen hier nicht viel weiter. Nur allzu leicht lässt sich der Laie in Sachen Pferd auf Experimente ein, die sich sehr schnell rächen. Achten Sie deshalb bei der Wahl des Stalls darauf, wie gewissenhaft und aufgeschlossen der Besitzer mit dem Thema Fütterung umgeht und in welchem Zustand sein Futter ist. Haben Sie den Eindruck, dass er Ihnen gar nicht richtig zuhört und am Ende doch alle Pferde mit demselben verunreinigten Müsli füttert, dann suchen Sie besser nach einem anderen Platz.

Resümee: Sie haben jetzt Angst und wissen nicht mehr, was Sie tun sollen oder Sie haben bemerkt, dass Ihr Pferd doch nicht am richtigen Platz untergebracht ist? Unsere Checkliste hilft weiter auf dem Weg zur richtigen Unterkunft. Studieren Sie mit Bedacht und nehmen Sie sich einige Minuten Zeit – es lohnt sich, für Mensch und Tier! Und bei aller Kritik: Lassen Sie auch mal Fünfe grade sein und fordern Sie nicht zu viel von ihrem Pensionsstall – die jeweilige Familie möchte auch noch ihren individuellen Freiraum behalten, nicht nur die Pferde.

Aspekte für den Menschen:

  • Stimmt das Preis-/Leistungsverhältnis ?
  • Ist der Stall-Chef offen für individuelle Wünsche?
  • Gibt es Regeln im Stall, deren Einhaltung die individuelle Freiheit nicht zu sehr beschneiden?
  • Wie weit entfernt ist der Anfahrtsweg zwischen Stall und Wohnort?
  • Gibt es einen Reit- oder Longierplatz?
  • Ist die Möglichkeit gegeben, bei schlechtem Wetter oder am Abend eine Tasse Kaffee oder Tee zu trinken oder sich einfach einmal mit anderen zusammen zu setzen?
  • Wie sieht es aus, wenn ein Pferdehänger abgestellt werden soll?
  • Ist es möglich, mit Menschen Kontakt aufzunehmen, die diesen Stall mit ihrem Tier seit längerer Zeit bewohnen?

 

Wichtige Punkte für das Pferd:

  • Wie werden die Herden zusammengestellt?
  • Wird separiert, wenn Tiere nicht zueinander passen?
  • Stehen helle, große und saubere Boxen zur Verfügung?
  • Ist der Offenstall auch wirklich ein “Offen-Stall”?
  • Wie ist die Beschaffenheit des Futters?
  • Gibt es täglich frische Einstreu – wird regelmäßig gemistet?
  • Gibt es durchgängig frisches Wasser, auch ohne Eis im Winter?
  • Ist ausreichend Frischluft vorhanden (keine Zugluft)?
  • Wird der Boden im Auslauf abgemistet oder regelmäßig erneuert?
  • Werden die Koppeln in Wechselbeweidung mit Rindern gepflegt oder abgemistet?
  • Werden regelmäßig Wurmkuren durchgeführt?
  • Sind auf den Sommerweiden Bäume, Unterstände oder Schutzhütten als Sonnen- oder Regenschutz vorhanden?
  • Werden die Pferde in Ermangelung eines Schutzes bei Hitzeperioden oder schlechtem Wetter in den Stall geführt?
  • Werden die Koppeln regelmäßig kontrolliert (Verletzungen an den Pferden, Schäden am Weidezaun, durchgängiger Stromfluss, sonstige Unregelmäßigkeiten)

 


Quelle:

Ramona Dünisch
Bild: Katarinenhof