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Haltung :: Haltungsarten

Artgerechte Haltung von Stuten und Fohlen

Die artgerechte Haltung von Pferden ist eine Anforderung, die nicht immer realisiert werden kann. Der Begriff „artgerecht“ ist sehr dehnbar. Viele Pferdebesitzer sind deshalb verunsichert, ob ihr Stall den Bedürfnissen der Vierbeiner entspricht. Die Haltung von Stute mit Fohlen setzt noch bedeutend höhere Anforderungen voraus.
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img_0066Unter einem artgerechten Stall verstehen nicht alle Pferdeleute dasselbe. Wenn man von „artgerecht“ spricht, müssen die Überlegungen auf die ursprünglichen Bedürfnisse der Pferde zurückgehen, wie sie sie in freier Wildbahn vorfinden. Kein Pferd hat in freier Wildbahn einen Stall. Es gibt aber auch keine Zäune, die das Territorium, auf dem sie sich bewegen, eingrenzen. Somit ist es eigentlich schon mal falsch, von einem artgerechten Stall zu sprechen. Ein Stall ist grundsätzlich nicht artgerecht. Es ist von der Natur aber auch nicht vorgesehen, dass Pferde geritten werden. Die Verwendung des Pferdes als Sportpartner hat die Zucht beeinflusst, wodurch auch keine natürliche Selektion mehr stattfindet, die auf die Erhaltung der Art ausgerichtet war.

Das domestizierte Pferd wurde durch die Zucht deutlich verändert. Es hat an Größe zugenommen und die gesamte Konstitution ist anders als die eines Wildpferdes. Vergleicht man nur das Winterfell eines wildlebenden Pferdes wie Przewalskipferd oder Dülmener Wildpferd mit dem eines deutschen Warmblutpferdes, kann man deutliche Strukturunterschiede erkennen. Das hochgezüchtete Sportpferd hat an Härte und Widerstandskraft gegenüber witterungsbedingten Einflüssen deutlich verloren. Ein direkter Vergleich kann deshalb kaum mehr vorgenommen werden.

Dennoch bleibt selbst das hochgezüchtete Sportpferd nach wie vor ein Pferd mit all seinen von der Natur vorgegebenen Eigenschaften. Somit kann man sich in Haltungsfragen die Natur sehr wohl zum Ratgeber machen. Man weiß um die wichtigen Grundbedürfnisse des Pferdes, die wegweisend für die jeweiligen Haltungsformen sind. Hierzu gehören das Bedürfnis nach Licht, Luft, Bewegungsmöglichkeit, Sozialkontakt zu Artgenossen und dauerhafter Nahrungsaufnahme.

Klimatische Bedingungen

Entscheidend ist auch die Frage nach den jeweiligen klimatischen Bedingungen, wobei selbst das so genannte Kleinklima nicht außer Acht gelassen werden darf. Sogar ein Umzug von offenstallgewohnten Pferden in eine nur wenige Kilometer entfernte Umgebung, aber mit völlig anderem Kleinklima, mag den Pferden für eine gewisse Umstellungszeit zu schaffen machen. Mit einzubeziehen sind hier flache Gegenden mit viel feuchtem, zugigem Wind sowie Nebelbildung in Flusstälern, Thermik in Höhenlagen oder waldreiche und damit windgeschützte, gemäßigtere Areale. Aber auch die Bodenbeschaffenheit von Lehm-, Sand-, Moor,- oder torfigen Böden beeinflussen die klimatischen Gegebenheiten.

Das Wildpferd kann sich auf größerem Areal bei extremen Wetterunbilden in windgeschützte Wälder zurückziehen. Das Hauspferd hingegen ist auf die mit Zäunen umfriedete Weide begrenzt. Somit ist es hier den klimatischen Verhältnissen schutzlos ausgeliefert, bietet man nicht eine Weideschutzhütte an, in die es sich zurückziehen kann, wenn Wind, Regen, Schnee beziehungsweise im Sommer die Hitze oder die Insekten unerträglich werden.

Fast jeder Pferdehof hat nur begrenzte räumliche Möglichkeiten. Ein zu großer Pferdebesatz auf beschränktem Arel erzeugt Spannungen zwischen den einzelnen Pferden oder Pferdegruppen. Mit Zäunen von einander getrennt leben unsere Reitpferde heutzutage einzeln in Innen- oder Paddockboxen. Erfreulicherweise hat sich mittlerweile in den meisten Ställen der tägliche Weidegang eingebürgert, bei dem eine ganze Herde von Pferden zusammen auf die Grünfläche zum Grasen geschickt wird.

Insbesondere in Freizeitreiterkreisen schätzt man die bewährte Offenstallhaltung, die den Pferden die Luft, das Licht, die Bewegungsmöglichkeit und den Sozialkontakt schafft, dessen es von Natur aus bedarf. Allerdings bewirkt hier der begrenzte Raum oftmals einen ungesunden Stressfaktor innerhalb einer Pferdegruppe, dass das Ruhebedürfnis von rangniedrigen Pferden nicht erfüllt werden kann. Die Fütterungspraxis ist ebenfalls problematisch. Der Herdenboss sowie andere ranghöhere, schnellfressende Artgenossen beanspruchen den größeren Anteil der Gesamtfutterration für sich.

Bedingungen für Zuchtpferde

Für Zuchtpferde gelten im Großen und Ganzen dieselben Kriterien wie für Reitpferde. Darum bietet sich eine Haltung im Offenstall an. Die Überwachung der Zuchtstute muss allerdings gewährleistet sein. Sie muss in eine Pferdegesellschaft integriert sein, in der sie sich wohl fühlt und keinem Stress unterliegt. Bei nahendem Abfohltermin soll die Zuchtstute ein eigenes Areal zur Verfügung haben, darunter eine große, gut eingestreute Box, in der sie in aller Ruhe abfohlen kann.

Stute und Fohlen sollten nach der Geburt in den ersten Tagen zusammen separat in den Auslauf oder auf die Weide dürfen. Erst wenn die Bindung des Fohlens an die Mutter genügend gefestigt ist, kann man die Artgenossen dazu gesellen. Idealerweise fohlen mehrere Stuten etwa gleichzeitig ab, so haben die Fohlen gleichaltrige Spielkameraden. Eine genügend große Weide, die sowohl als Nahrungsquelle als auch zum Herumtollen dient, ist eine zwingende Voraussetzung, wenn man Zuchtstuten hält und Fohlen aufziehen möchte.

Obwohl Fohlen viel Bewegung nötig haben, werden sie auch schnell müde. Man muss ihnen die Gelegenheit geben, sich zur Erholung niederzulegen. Im Sommer kann hierzu die Weide dienen, doch bei schlechtem Wetter muss eine mit dicker Strohlage ausgestattete Liegefläche zur Verfügung stehen. Für die Zufütterung der Fohlen sollten Areale vorhanden sein, zu denen nur die Fohlen Zutritt haben. Dies erreicht man durch den Bau von so genannten Fohlenschlupflöchern, durch die die kleinen Pferdekinder passen, jedoch nicht die älteren Pferde. In diesem kleinen Paddock, der idealerweise im allgemeinen großen Auslauf integriert ist, können sich die Fohlen eine Sonderration Futter holen. Auch Fohlentröge haben sich für die Gabe von Kraft- und Mineralfuttergaben bewährt.

Gerade für die Haltung von Zuchtpferden und Fohlen ist auf einen funktionierenden Sozialkontakt und besonders viel Bewegungsmöglichkeit zu achten. Während bei Reitpferden der Bewegungsanspruch notfalls immer noch durch das Reiten und Longieren ausgeglichen werden kann, muss die Haltungsform von Zuchtpferden viel Bewegung auf der Weide ermöglichen. Die Ausstattung des Auslaufs sollte die Pferde außerdem zu mehr Bewegung animieren, wie das Umgehen von Hindernissen oder eine weiter entfernte Tränke sowie auseinanderliegende Areale von Liegeflächen und Fressstationen. Dies erfordert viel Aufwand, garantiert aber gesunde und zufriedene Pferde.


Quelle:

Renate Ettl
Bild: Katarinenhof