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Haltung :: Fütterung

Weidegang im Winter: Ausreichend Raufutter schützt vor Koliken

Bei vielen Pferdebesitzern ist die Vorfreude auf schönes Winterwetter mit Schnee und Frost groß, können sich doch dann die Pferde auf der Weide endlich einmal wieder „so richtig austoben“. Doch Vorsicht! Damit es keine bösen Überraschungen gibt, sollten Sie die folgenden Tipps beachten.             
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Frosty dinnerDurch die Aufnahme von gefrorenem Gras kann es zu Koliken kommen. Lassen Sie deshalb die Pferde nur für kurze Zeit auf die Weide und füttern Sie
ausreichend Raufutter (am besten hochwertiges Heu) zu. Gewöhnen Sie die Pferde langsam an den winterlichen Weidegang. Wichtig ist außerdem, dass die Pferde nicht hungrig auf die Koppel gehen, also am besten erst nach einem ausgiebigen Frühstück, welches hauptsächlich aus gutem Heu bestehen sollte. Kraftfutter sollte generell erst nach dem Weidegang gefüttert werden, da sonst ebenfalls Verdauungsstörungen drohen.

Frostige Nächte oder Temperaturen knapp über Null in Kombination mit Sonnenschein lassen die Konzentration an Fruktanen in den Gräsern stark ansteigen. Fruktane sind Zucker, die in den Pflanzen gespeichert werden. Bei übermäßiger Aufnahme dieser Zucker kann es zu Hufrehe kommen. Die Grasmenge, die im Winter von den Pferden gefressen wird, ist in der Regel zwar gering, bei empfindlichen Pferden ist jedoch unbedingt Vorsicht geboten.

Giftpflanzen

Eine ausreichende Raufuttergabe ist noch aus einem weiteren Grund wichtig: auf der Winterweide ist die Gefahr groß, dass die Pferde an giftigen Pflanzen knabbern, da nur noch wenig Gras vorhanden ist. Besonders Pflanzen, die im Winter ihre Blätter oder Nadeln behalten (zum Beispiel Buchsbaum, Efeu, Thuja oder Eibe) sind für die Pferde attraktiv. Giftige Beeren, die genascht werden, stellen ebenfalls eine große Gefahr dar. So trägt zum Beispiel die Stechpalme ihre Früchte bis in den Winter hinein.

Auch das Beknabbern der Rinde einiger Bäume und Sträucher kann sehr gefährlich werden. So ist beispielsweise der Verzehr von nur 150 Gramm (!) von der Rinde der Robinie (auch falsche Akazie genannt) für ein ausgewachsenes Pferd tödlich. Es lohnt sich also die Umgebung der Pferdeweide gründlich auf giftige Pflanzen, Sträucher und Bäume zu untersuchen und die Pferde davon fern zu halten. Besonders hoch ist die Gefahr auf Pferdeweiden, die an Gärten, Parks oder Friedhöfe angrenzen oder am Waldrand liegen.

Stolperfallen

Häufig findet man auf Pferdeweiden Trittschäden, die dadurch entstanden sind, dass die Pferde auch bei nasser Witterung auf die Weide gelassen wurden. Bei Minustemperaturen werden diese Löcher dann, ebenso wie Maulwurfshügel, zu gefährlichen Stolperfallen. Hinzu kommt, dass diese durch den Schnee meist gar nicht sichtbar sind und somit für die Pferde eine besonders hohe Gefahr darstellen. Sie sollten daher rechtzeitig vor dem Winter durch geeignete Pflegearbeiten diesen Stolperfallen vorbeugen (Löcher einebnen, Maulwurfshügel glatt ziehen).

Ist der Boden erst einmal gefroren oder schneebedeckt, so sind diese Maßnahmen nicht oder nur unter sehr erschwerten Bedingungen möglich. Idealerweise werden die Pferde vor dem Weidegang etwas aufgewärmt, beispielsweise durch einen Spaziergang oder einen Ausritt im Schritt. Dies gilt besonders für Boxenpferde. Bei einem „Kaltstart“ drohen ansonsten durch das Toben gesundheitliche Schäden am Bewegungsapparat. Die Pferde dürfen jedoch auf keinen Fall nass geschwitzt auf die Weide gestellt werden.

Vorsicht Narbenschäden

Grundsätzlich sollten Pferdeweiden im Spätherbst und im Winter eigentlich für die Vierbeiner tabu sein, da bei nassem Boden Schäden an der Grasnarbe vorprogrammiert sind. Durch Lücken in der Grasnarbe haben es unerwünschte Pflanzen, eventuell sogar Giftpflanzen viel leichter, sich auf der Weide oder Wiese anzusiedeln. Nun gehört Weidegang zu einer artgerechten Pferdehaltung aber einfach dazu. Die Koppeln konsequent im Herbst und Winter zu sperren, würde bedeuten, mindestens für fünf Monate auf diese pferdegerechte Haltungsform zu verzichten. Also gilt es einen Kompromiss zu finden: Lassen Sie die Pferde nicht, wie oft praktiziert, bereits bei der ersten Schneeflocke auf die Weide. Die Pferde freut das zwar, doch das böse Erwachen lässt meist nicht lang auf sich warten, denn sobald der Schnee wieder weggetaut ist, wird das Unheil sichtbar.

War der Boden unter dem Schnee noch nicht durchgefroren, entstehen durch das Toben der Pferde meist große Schäden an der Grasnarbe. Zum Teil können das ziemlich tiefe Löcher sein, die, wenn der Boden dann gefriert, zu gefährlichen Stolperfallen für die Pferde werden (siehe oben). Der Boden sollte also richtig durchgefroren (nicht nur an der Oberfläche!) sein. Doch auch dann wird der Bereich der Grasnarbe stark strapaziert und eventuell geschädigt, insbesondere wenn eine dicke Schneeschicht den Boden leicht erwärmt und damit aufweicht. Trennen Sie deshalb, wenn möglich, einen kleineren Teil ihrer Weide für die Winternutzung ab, damit nicht die gesamte Weidefläche in Mitleidenschaft gezogen wird. Wählen Sie hierfür eine möglichst ebene Fläche, da die Erosionsgefahr (Erosion ist der Abtrag von Bodenmaterial) bei Hangweiden durch Trittschäden deutlich erhöht ist.

Wenn Sie diese Tipps beachten, dann sollte dem Spaß im Schnee eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Genießen Sie den Winter gemeinsam mit den Pferden!


Quelle:

Sven und Peggy Morell
Bild: Fotolia #47664052