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Haltung :: Fütterung

Pferdefütterung – kein Buch mit sieben Siegeln

Die Fütterung hat - neben der Haltung - großen Einfluss auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Pferden. Hierbei gilt es, ein paar Grundregeln zu beachten. Ausreichend Heu, so wenig Kraftfutter wie unbedingt nötig sowie eine bedarfsgerechte Menge Mineralfutter sind für eine artgerechte Pferdefütterung ebenso wichtig wie nicht zu lange Fresspausen und zumindest stundenweiser Weidegang im Sommer. Extras können den Speiseplan der Vierbeiner bereichern, sollten aber maßvoll gefüttert werden.
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Um das natürliche Kau- und Fressbedürfnis zu befriedigen und eine reibungslose Verdauung zu gewährleisten, benötigen Pferde ausreichend Raufutter – nach neuesten Empfehlungen täglich mindestens 1,5 Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Körpergewicht. Diese Menge ist so auf mehrere Rationen zu verteilen, dass Fresspausen von mehr als vier Stunden vermieden werden. Heu kann teilweise durch hochwertige Silage oder besser Heulage ersetzt werden. Qualitativ hochwertiges Stroh kann die Futterration sinnvoll ergänzen, zu viel sollte es jedoch nicht sein: maximal 0,5 Kilogramm pro 100 Kilogramm Körpergewicht täglich (inklusive der aus der Einstreu aufgenommenen Menge!). Ansonsten drohen Verstopfungskoliken.

Zu viel Gras kann krank machen

Im Sommer kann die Raufuttergabe entsprechend der Weidedauer und des Weideaufwuchses gekürzt werden. Weidegang kommt der natürlichen Futteraufnahme am nächsten – leider sind viele Weiden insbesondere für Freizeitpferde zu gehaltvoll. Um Verdauungsstörungen oder Erkrankungen wie Hufrehe vorzubeugen, kann es daher notwendig sein, den Weidegang zeitlich zu begrenzen oder mit Hilfe eines speziellen Weide-Maulkorbes die Futteraufnahme zu verringern.

Individuell füttern

Jedes Pferd benötigt eine speziell auf seinen Bedarf optimierte Futterration. Der tägliche Gesamtbedarf an Energie setzt sich aus dem Erhaltungsbedarf und dem Bedarf für erbrachte Muskelleistung zusammen. Viele Pferdebesitzer bewerten die Arbeitsleistung ihrer Vierbeiner zu hoch. Eine Stunde Ausritt mit viel Schritt und kurzen Trab- und Galoppreprisen entspricht nur leichter Arbeit. Dieser geringe Mehrbedarf kann in der Regel allein durch Heu gedeckt werden. Anders sieht das natürlich bei Pferden mit erhöhtem Bedarf aus wie zum Beispiel Sport- oder Arbeitspferden, tragenden oder laktierenden Stuten, jungen oder alten Pferden.

Kraftfutter: weniger ist mehr

Die Auswahl an Kraftfutter ist riesig, darunter viele haferfreie Varianten – weil Hafer einen schlechten Ruf hat. Zu Unrecht, denn aufgrund seiner guten Stärkeverdaulichkeit im Dünndarm ist Hafer für Pferde sehr gut geeignet. Soll er durch energiereichere Getreide wie Gerste oder Mais ersetzt werden, dann am besten in thermisch aufgeschlossener Form. Da das Verdauungssystem von Pferden nicht auf kohlenhydrat-, beziehungsweise stärkereiche Mahlzeiten eingestellt ist, sollte Kraftfutter möglichst sparsam eingesetzt und auf mehrere kleine Portionen verteilt werden. Ein weiterer Trend in der Pferdefütterung sind strukturreiche Kraftfutter. Diese haben vor allem dann ihre Berechtigung, wenn ein Pferd eigentlich kein Kraftfutter benötigt, eine Fütterung aber dennoch nicht umgangen werden kann (beispielsweise weil alle anderen Pferde Kraftfutter bekommen oder um Medikamente unterzumischen).

Mineralien und Vitamine, Ausgewogenheit wichtig

Auch die Gabe von Mineralfutter ist dem individuellen Bedarf des Pferdes anzupassen, hierbei ist auf die Empfehlungen der Hersteller zu achten. Besonderes Augenmerk sollte auf ein ausgeglichenes Kalzium-Phosphor-Verhältnis in der Gesamtration (Ziel für ausgewachsene Pferde 1,5 bis 2 zu 1) gelegt werden. Pferde, die ausschließlich Grundfutter erhalten, benötigen mehr Mineralfutter als Pferde, die bereits mineralisierte Kraftfuttermischungen erhalten. Sportlich beanspruchte aber auch alte Pferde, haben einen höheren Bedarf an bestimmten Mineralstoffen und Vitaminen. Während der Aufzucht hat eine ausgewogene Mineralstoffversorgung großen Einfluss auf die Entwicklung der Jungtiere.

Gefährliche kleine Extras

Karotten und Äpfel sind eine gern genommene Abwechslung im Speiseplan von Pferden und auch völlig OK, aber nur wenn in Maßen gefüttert. Auch Leckerlies und Belohnungsriegel sollten sparsam eingesetzt werden, schließlich bestehen diese oft hauptsächlich aus Getreide und liefern entsprechend Kohlenhydrate. Zusatzfuttermittel wie zum Beispiel Leinsamen, Bierhefe oder Kräuter mögen in besonderen Situationen (zum Beispiel Fellwechsel) das Wohlbefinden unterstützen, eine dauerhafte Fütterung ist nur selten sinnvoll. Auch Öl wird gerne eingesetzt, unter anderem für die Verdauung und ein glänzendes Fell. Zuviel ist aber auch hier schädlich. Für Zusatzfuttermittel gilt: manche gehören zu den verbotenen Substanzen und können nicht oder nur mit einem gewissen Zeitabstand vor einem Wettkampf verfüttert werden.


Quelle:

Sven und Peggy Morell
Bild: Katarinenhof

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