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Haltung :: Ausrüstung

Lederpflege: Sattel, Trense und Stiefel richtig pflegen

Wir nutzen es täglich. Es stellt die nachgiebige Verbindung zum Pferdemaul her, verhindert Druckstellen am Pferdekopf und Scheuerstellen am feinen Fell unserer noblen Vierbeiner. Verarbeitet als Sattel mit all seinem Zubehör umfasst es den Pferderücken, den Brustbereich und den Bauch des Pferdes, bietet uns Halt und Sicherheit in allen Grundgangarten und erleichtert uns die tägliche Arbeit mit unseren Pferden. Leder ist aus dem Reitsport nicht wegzudenken. Um haltbar und schön zu sein, braucht es die richtige Pflege.
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Kleine Materialkunde vorneweg: Glattleder ist stets nach dem gleichen Prinzip aufgebaut, seine Struktur ist von der Natur vorgegeben: Die Fleischseite fühlt sich angenehm rau an, danach folgen die Kollagenfasern des sogenannten Corium – netzartig verflochtene Bindegewebefasern. Diese werden sichtbar, wenn eine Lochzange nicht richtig arbeitet und eher rupft, als Löcher stanzt. Eine feine Lage verbindet Corium und Narbenseite, die als Kapillarschicht den Abschluss an der Oberfläche bildet.

Herkunft der Haut

Leder stammt stets von Tieren und deren Ursprung ist verantwortlich für die Einsatzmöglichkeiten und beschränkt auch gleichzeitig die Verwendung.

1. Rindsleder: Kühe aus Milch- oder Fleischrassen geben ihre Haut, die aus diesem Erwerbszweig als Nebenprodukt anfällt, wenn die Tiere geschlachtet werden. Dieses Leder ist günstig in der Anschaffung, problemlos verfügbar und bekannt für seine Langlebigkeit.

2. Kalbsleder: Sehr weich und anschmiegsam mit sehr wenigen Fehler. In Europa findet es am meisten seine Anwendung, wenn es sich um besondere Produkte handelt.

3. Lammleder: Sehr dünn, weich und besonders biegsam bietet es die Basis für Kleidung jeglicher Art.

4. Büffelleder: In den Vereinigten Staaten und Asien verfügbar und wird vor Ort verarbeitet, gilt als ebenso haltbares Leder.

5. Schweinsleder: Seine dünnen und weichen Eigenschaften prädestinieren es für feinere Artikel wie z.B. Handschuhe oder die Besätze an den Beinen der Reithosen.

Qualität des Leders

Das Alter, die Rasse und auch das Geschlecht des Tieres sind ausschlaggebend für die Haut und damit die Grundlage der Lederherstellung. Maschinell wird Leder in zwei Lagen gespalten und ergibt dann auch zwei Arten von Leder, die wieder weiterverarbeitet werden:

Das vollnarbige Leder, das die obere Narbenseite der Lederhaut enthält und von besserer Qualität ist. Als Spaltleder wird die Unterseite der Lederhaut benannt. Sie wird zu Veloursleder verarbeitet oder erhält eine Oberflächenbeschichtung, die im Aussehen und auch in ihren Eigenschaften aber das vollnarbige Leder niemals erreichen kann. Qualitätssättel werden übrigens stets aus vollnarbigem Leder ausgeführt, das haltbarer und für den täglichen Einsatz weitaus besser geeignet ist.

Zaum- und Sattelleder

Rindsleder verwenden Sattlereien sehr häufig, da es sehr haltbar und kräftig ausgeprägt ist. Als Glattleder werden Kalbs- und Schweinsleder sowie die weiterverarbeitete Form „Veloursleder“ bei hochwertigen Sätteln an Knie- und Oberschenkelpauschen oder auch auf der Sitzfläche verarbeitet. Normalerweise wird der Narbenspalt eingesetzt, der durch Pigmentfärbung veredelt wird, damit das Leder haltbar und farbecht seinen Dienst verrichten kann. Dem Leder aus nordeuropäischen Ländern eilt der Ruf der Hochwertigkeit voraus. Das Klima, in dem die Tiere aufwachsen, und die sorgfältig, handwerklich hervorragende Form der Verarbeitung brillieren weltweit. Günstige Alternativen gibt es immer wieder im Ausland, die jedoch im Einzelfall fachlich geprüft und vor allem auf ihre Farbechtheit hin getestet werden müssen.

Weshalb Lederpflege?

Wenn das Leder täglich eingesetzt wird, entstehen nach und nach mikroskopisch feine Risse und sogar Brüche, die mit dem menschlichen Auge nicht auszumachen sind. Hier können Regen oder die Feuchtigkeit aus der Luft, Pferdeschweiß und daraus abgesetztes Salz und Staubpartikel eindringen. Gelangen diese Teilchen oder die Feuchtigkeit in das Innere des Leders, ist eine Schwächung der Faserstruktur vorprogrammiert. Die daraus resultierenden Schäden sind leider irreparabel… Scheint dann noch Sonne hinter einem Fenster auf das vorgeschädigte Leder oder hängt der Sattel im Winter neben einem Heizkörper, wird es zuerst trocken, dann hart und anschließend bricht es.

Regelmäßige Pflege mit einem Reiniger (Sattelseife!) und einem Conditioner (fachkundig ausgewähltes Lederpflegemittel) vermeidet diesen Umstand. Korrekt gepflegtes Leder bleibt über viele viele Jahre einsatzfähig und behält damit langfristig seinen Wert.

Was ist zu beachten?

Nach dem Gerben wird die Lederoberfläche in verschiedener Form behandelt. Diese Daten finden sich bei der Neuanschaffung zumeist als Produktinformation in den Unterlagen und sollten ordentlich aufbewahrt und bei der Pflege peinlich beachtet werden, um dauerhaft Freude am Leder zu genießen.

Als Beispiel reagieren Anilinleder empfindlich beim Entstehen von Flecken. Lederpflegemittel enthalten oft Öle oder sogar Farbzusätze. Werden diese mit Anilinleder in Verbindung gebracht, dunkeln sie dauerhaft nach – dies kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Leder mit Pigmentierung nimmt Pflegemittel nicht sehr gut auf, besonders wenn es neu ist und bisher noch nicht gepflegt wurde. Hier stets sparsam, dafür aber häufiger verwenden und stets gering dosieren. Die Pflegehinweise des Herstellers haben oberste Priorität, denn der Fachmann weiß am Besten, was seinem Produkt langfristig gut tut.

Pflegen, aber bitte richtig!

„Was Hans noch wusste, lernt Hänschen heute nimmermehr“ – unseren Großvätern war die Pflege rund ums Pferd weitaus mehr vertraut oder unseren Reitern heutzutage. Nach jedem Einsatz sollte deshalb alles rund ums Thema „Leder“ abgewischt werden, damit Schmutz und vor allem aggressiver Pferdeschweiß keinen Schaden anrichten können. Feucht darf auch das Sattelzeug nicht im muffigen Schrank verschwinden, Schimmel würde sonst auf dem Fuß folgen. Eine gründliche Reinigung sollte nach jeder fünften Nutzung erfolgen, bei der alle Schnallen geöffnet und alle Einzelteile einer korrekten Reinigung unterzogen werden. In großen Stallungen und mit vielen Berittpferden gibt es sicherlich pferdebegeisterte Mädels und Jungs, die gerne für eine Reitstunde diese arbeitsintensiven Dienste verrichten, falls den Bereitern diese Zeit fehlen sollte.

Stets erfolgt zuerst die Reinigung des Leders und erst dann die Pflege. Bitte niemals aus Bequemlichkeit einfach „drüberkleistern“ – dies würde die Poren des Leders unnötig verkleben und das Leder nicht mehr atmen lassen. Erst wenn die Oberfläche penibel, aber ohne zuviel Wassereinsatz gereinigt wurde, darf das Pflegemittel zum Einsatz kommen. Dauerregen auf einem draußen vergessenen Sattel lässt als Beispiel die Kollagenfasern aufquellen, die Nähte werden angegriffen, das Leder dehnt sich langfristig und wird geschwächt. Moderne ph-neutrale Reiniger schonen die Lederstruktur und enthalten manchmal auch Stoffe, die die Bildung von Stockflecken durch Schimmelbildung verhindern.

Traditionell wird Sattelseife oftmals zum Reinigen und Pflegen eingesetzt. Dies ist jedoch zu vermeiden, wenn großer Schmutz die Oberfläche bereits verstopft und die Sattelseife dies nur noch versiegeln würde. Mit einem feuchten Tuch oder Lappen wird dem groben Schmutz und Spritzflecken zu Leibe gerückt. Bitte vorsichtig vorgehen, damit das Leder nicht beschädigt oder gar durch unbedachtes Vorgehen (Ringe bitte abnehmen!) verkratzt wird. Bitte stets auch eine gewisse Trocknungszeit einplanen, damit das Leder die aufgenommene Feuchtigkeit wieder an die Luft abgeben kann und hier Sonne und Wärmequellen in der Nähe meiden.

Spezielle Behandlung

Nach längeren Rittpausen, nach der Winterpause oder wenn die Geburt eines Babies das Reiten unmöglich machte – es gibt vielfältige Möglichkeiten, die den Kontakt zu unseren geliebten Vierbeinern verhindern können. Trockenes oder brüchig gewordenes Leder benötigen spezielle Zuwendung und die Beachtung von einigen Regeln. Beim Gerben wurde dem Leder Öl zugesetzt, das später die Feuchtigkeit regulieren sollte. Die seinerzeit biegsamen Fasern trocknen aus, werden dadurch dünner und steif. Was sich einmal dehnbar und sehr flexibel anfühlte, wird hart und damit schnell brüchig. Öle geben den Fasern die lange ersehnte Feuchtigkeit zurück, damit sie wieder geschmeidig werden können. In der Regel reicht hier das ein- oder zweimalige sparsame Auftragen auf der Fleischseite des Leders aus, um nachhaltige Erfolge zu erzielen – zumindest wenn die Basis noch ohne große Schäden ist.

Es gibt auch spezielle Öle für besonders ausgetrocknete und sehr vernachlässigte Leder, die laut Hersteller wahre Wunder wirken können. Ob dies im Einzelfall zutrifft, muss stets geprüft werden, wobei Risse und Brüche natürlich nicht mehr zusammengefügt werden können. Ausgetrocknetes Zaumzeug kann vom Einsatz des Öles auf der Narbenseite profitieren, wenn die Farbe als Nebeneffekt aufgefrischt wird.

Weniger ist mehr

Sollte sich die Narbenseite nach dem Aufsaugen des Öles immer noch trocken anfühlen, kann sie ein weiteres Mal geölt werden. Aber bitte beachten, dass niemals zuviel geölt werden darf, denn: Überschüssiges Öl kann zwar mit einem Tuch aufgenommen werden, aber ist es vom Leder aufgenommen, gibt es kein Entkommen mehr! Die Faserstruktur im Leder reagiert auch darauf – die Oberfläche fühlt sich schmierig und vor allem ölig an. Risse können zwar nicht repariert werden, sie fallen aber durch korrekte Pflege weniger auf.

Richtige Lagerung

Sattelkammern sollten stets trocken und vor allen Dingen gut belüftet sein und dies kann nicht oft genug wiederholt werden. Viele Räume mit Sattelzeug riechen muffig, sie sind dunkel, liegen zu nah an den Boxen. Uringase und Ausdünstungen der Pferde dringen dann ein, mangels Lüftung bleibt dem Leder nur die entsprechende Reaktion durch Stockflecken oder die Bildung von Schimmelpilzen mit ihren für Mensch und Tier ungesunden Sporen. Eine konstante Raumtemperatur wäre optimal, doch oft kann diese in den Wintermonaten keinesfalls erhalten werden.

Zu große Wärme schadet dem Leder ebenso wie direkte Sonneneinstrahlung und Neonlicht, das die Farben ausbleiben und das Leder schneller altern lässt. Leder jeglicher Art wird am besten hängend und Sättel auf besonderen Sattelhaltern aufbewahrt, die bitte nicht Kanten oder Rohre aufweisen, die Druckstellen am Sattel entstehen lassen. Bitte auch darauf verzichten, Sättel übereinander zu stapeln oder luftdicht zu verschließen. Eine dünne, locker liegende luftige Staubabdeckung ist hier die weitaus bessere Wahl. Wasserdicht oder aus Plastik sollte die Abdeckung deshalb auch nicht sein, um Schimmel zu vermeiden. Atmungsaktive Materialien wie in etwa Baumwolle oder andere natürlichen Fasern ist der Vorzug zu geben.

Die pflegeleichte Alternative: Biothane

Wer absolut keine Lust darauf hat, Lederwaren täglich abzuwischen, findet mit dem aus den Vereinigten Staaten stammenden Patent eine sinnvolle Alternative: Biothane ist wetterfest, hat sich bei jedem Wetter dadurch einen guten Namen gemacht, dass es Leder, Nylon oder Polypropylene ersetzen kann und wichtige Vorteile bietet. Es ist schimmelresistent, verrottet nicht und fühlt sich ähnlich wie Leder an. Einsatz findet es nicht nur bei Halftern in bunten oder lederähnlichen Farben, sondern auch bei Zügeln oder reißfesten Steigbügelriemen.

Deshalb sollte darauf verzichtet werden, Weidepferde mit einem Halfter aus Biothane auszustatten – es reißt nicht… Es ist wasserfest, wirkt antibakteriell – Pflege? Nein danke! Nur die Metallteile dürfen regelmäßig gesichtet werden, ob Karabiner verschleißen oder Rostansätze erkennbar sind. Besonders bei täglich beanspruchten Gegenständen ist dies sehr praktisch. Lange Hundeleinen die täglich durch nasses Gras gezogen werden, sind mehr als sinnvoll. Einfach nach Verschmutzung in einem Wassereimer reinigen, aufhängen, fertig! Ein besonderes Material mit vielen Vorteilen im Alltag, mittlerweile natürlichen Farben und lederähnlichen Oberflächen und wenn wirklich einmal ein Teil draußen vergessen wird, holen Sie es einfach wieder ab – es sieht noch genau so aus wie vorher!


Quelle:

Ramona Dünisch
Bild: Fotolia #79565953