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Gesundheit :: Vorsorge

Stoffwechselstörung beim Pferd: KPU als Folge

Kotwasser, Koliken, Ekzeme, Lahmheiten, EMS und Cushing können auf ein Vorliegen der Stoffwechselerkrankung Kryptopyrrolurie (KPU) hindeuten. In solchen Fällen müssen die betroffenen Pferde mit speziellen Therapien behandelt werden. Dr. Christina Fritz über die gefürchtete und vielfach unerkannte Erkrankung KPU.
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Black and chestnut horses eating hayIst die Leber durch Stoffwechselüberlastung erst einmal in ihrer Funktion eingeschränkt, so kann sie ihrer Entgiftungsfunktion nicht mehr ausreichend nachkommen. Diese Störung kann sich langfristig als Kryptopyrrolurie (KPU) manifestieren. Diese ist im Blutbild nicht nachweisbar, allerdings mit Hilfe einer Urinprobe und der Bestimmung des Kryptopyrrol- und des Indikan-Werts.
Aus diesem Zustand kommt das Pferd ohne Hilfe von außen nicht mehr heraus, hier muss therapeutisch eingegriffen werden, bis das Pferd sich wieder stabilisieren kann. Bevor man sich auf die Lauer legt, um Urin aufzufangen, sollte man auch hier auf Symptome und Frühmarker achten, die auf eine KPU hinweisen können.

 

Hinweise auf das Vorliegen einer KPU

  • Alle Frühmarker für Leber- und Nieren-Probleme
  • Kotwasser, Durchfälle trotz pferdegerechter Fütterung
  • Wiederkehrende Koliken, trotz optimaler Haltung und Fütterung
  • Hautprobleme wie Ekzem, Mauke, Raspe, Sarkoide, Ektoparasiten
  • Chronischer Husten, therapieresistenter Husten
  • Probleme im Bewegungsapparat wie intermittierende Lahmheiten, Rückenverspannungen, die nicht muskulär oder osteopathisch erklärbar sind
  • Equines Metabolisches Syndrom (EMS), Equines Cushing Syndrom (ECS), Insulinresistenz
  • Wenn Pferde auffallend Fett sind oder auffallend viel Lympheinlagerungen haben, die nicht auf die normalen Therapieansätze ansprechen
  • Anfälligkeit für Überbeine, Knochendemineralisierung, Zahnmineralisierungsstörungen
  • Multimorbide Pferde, d.h. viele verschiedene, z.T. schwer definierbare Krankheitszustände
  • Non-responder, also Pferde, die auf Therapien nicht oder viel zu schwach ansprechen oder im Gegenteil überempfindlich auf Medikamente, z.B. Impfungen reagieren

Diese Pferde sprechen auf normale Therapien oft nicht mehr oder nur sehr schwach an. Häufig haben die Besitzer schon eine Odyssee durch verschiedene Tierarzt- und Heilpraktiker-Praxen hinter sich, ohne dass die Symptome sich nachhaltig gebessert hätten. Stattdessen kommen oft mit der Zeit und durch verschiedenste Medikamente und naturheilkundliche Mittel immer neue Erkrankungen und Symptome hinzu. Man hat das Gefühl, mit jeder neuen Therapie das Problem einfach in einen anderen Bereich zu verschieben, aber nie durchgreifenden Heilungserfolg zu erzielen.

Bei Verdacht auf KPU ist es wichtig, zunächst diagnostisch zu bestimmen, ob es sich um diese Erkrankung handelt oder nur eine zufällige Häufung von stoffwechselbedingten Symptomen. Der Test kann z.B. im Labor Sension (www.sension-gmbh.de) durchgeführt werden und kostet etwa 50 Euro.

KPU beim Pferd ist meist fütterungsbedingt

Handelt es sich um eine KPU, die den anderen Erkrankungen und Symptomen zugrunde liegt, muss diese zunächst therapiert werden. Die KPU beim Pferd unterscheidet sich dahingehend von der gleichnamigen Erkrankung beim Menschen, dass es sich beim Pferd nicht um eine Erbkrankheit handelt, sondern eine fütterungsbedingte Störung.

Das gesunde Pferd verfügt dank seiner natürlichen Darmflora über einen chemischen Mechanismus, aus dem inaktiven Vitamin B6 (Pyridoxal) das biologisch aktive Pyridoxal-5-Phosphat (P5P) herzustellen. Nur bei Störungen der Darmflora kann es zu einem Mangel an P5P und damit dem Entstehen einer KPU kommen. P5P wird in der Leber benötigt, um die Entgiftung ablaufen zu lassen. Diese erfolgt in zwei Phasen, wobei die Phase 1 auch bei KPU-Erkrankung normal abläuft. Erst zum Starten der Phase 2 wird P5P als Katalysator für die chemischen Reaktionen benötigt. Fehlt dies, so bricht die Entgiftungskaskade ab und übrig bleibt ein Zwischenprodukt, das teilweise giftiger ist als das Ausgangsprodukt und jetzt nicht mehr „entschärft“ werden kann.

Um diese Giftstoffe trotzdem für den Körper unschädlich und teilweise ausscheidbar zu machen, wird ein Teil von ihnen über einen Stoffwechselumweg in der Leber an bestimmte Spurenelemente gekoppelt. Zu diesen gehören Zink, Selen oder auch Mangan. Eine Reihe von Erkrankungen und Symptomen als Folge der mangelnden Entgiftung, aber auch als Folge der in den Mangel geratenden Spurenelemente können daraus entstehen. Im Blutbild sichtbar wird meist zuerst der Selenmangel, später auch der Zinkmangel. Dieser kann nicht langfristig durch erhöhte Zufütterung behoben werden: Der Wert steigt kurzfristig an, sinkt aber mit Absetzen der Zusatzpräparate sofort wieder ab. Die Ursache für diese Mängel ist nicht in einer zu geringen Versorgung zu suchen, sondern in einem zu hohen Verbrauch: Der Eimer hat ein Loch, da hilft es auch nicht, ständig oben Wasser nachzugießen, denn es läuft ja unten wieder raus.

Silage und Müsli wirken sich ungünstig aus

Die Ursache für das Entstehen der KPU beim Pferd ist immer eine Störung der natürlichen Darmflora. Diese kann verursacht werden durch Medikamentengaben, die toxisch auf die Darmflora wirken, wie Antibiotika oder Wurmkuren, aber auch durch Fütterung, die das Darmmilieu stört. Dazu gehört vor allem die Fütterung von silierten Produkten (Silage, Heulage, Feuchtheu, Maissilage), weil damit zu viele Milchsäurebakterien eingetragen werden und der Darm ansäuert, was giftig auf die natürlich Darmflora wirkt. Aber auch die Fütterung vieler Müslis hat sich als belastend für die Darmflora erwiesen. Vor allem die Beigabe von „Struktur“ schadet der Darmflora, weil diese Rohfaserstengel nicht gründlich gekaut werden und – wenn sie erst abgeschluckt sind – die Darmpassage verlangsamen, sodass das Futter bis zu einer Woche im Darm liegt, wo es zu erheblichen Fehlgärungen kommen kann. Kommen dann mehrere Faktoren zusammen, entsteht schleichend aus der Darmentgleisung eine KPU, die sich dann – meist einige Monate bis Jahre zeitverzögert – als Krankheit oder in verschiedenen Symptomen manifestiert.

Um die KPU beim Pferd zu behandeln, ist es notwendig, das natürliche Darmmilieu wieder herzustellen. Dazu sollte die Fütterung umgestellt, die Darmschleimhaut unterstützt und so der Darmflora die Möglichkeit gegeben werden, sich wieder zu regenerieren. Leider gibt es bis heute kein einziges Präparat zum Aufbau der Darmflora – man kann nur mit den Mikroorganismen arbeiten, die bereits vorhanden sind. Achtung hier mit „probiotischen“ Produkten im Futtermittelmarkt – sie basieren in der Regel auf Milchsäurebakterien oder auf Bierhefe. Beides sind Mikroorganismen, die nicht zur natürlichen Darmflora des Pferdes gehören. Gleiches gilt für „Präbiotika“ – diese Aussage bezieht auf Nährstoffe, die positiv auf das Wachstum von Mikroorganismen auswirken. Leider werden hier meist Studien an der Darmflora des Menschen gemacht. Diese unterscheidet sich aber eklatant von der des Pferdes, weshalb ein für den Menschen positiv wirkendes „Präbiotikum“ für das Pferd nutzlos oder sogar schädlich sein kann. Das beste „präbiotische“ Futter für das Pferd sind immer noch Heu und mageres Weidegras.

Als Therapie der KPU beim Pferd hat sich folgendes bewährt

Umstellung der Fütterung zur Entlastung des Darms: Absolut keine „Leckerchen“ wie Brot, Äpfel, Karotten Bananen etc. während der ersten 6 Monate! Aus der Fütterung alles weglassen, was leicht verfügbare Kohlenhydrate, reichlich Fette, Eiweiße oder Pektine enthält, z.B. Melasse, Mais, Rübenschnitzel, thermisch aufgeschlossene Getreide, Mischfutter mit hohem Eiweiß- oder Fettanteil, Anreicherung des Futters mit Öl. Dazu unbedingt silierte Produkte vermeiden, wie Silage oder Heulage oder ebenso wie Maissilo. Solange noch silierte Futtermittel gefüttert werden (auch wenn es „ganz trockene Heulage“ ist), kann der Darm sich nicht normalisieren.

Die Fütterung sollte bestehen aus: reichlich stängeligem Heu sowie Mineralfutter und einen Salzleckstein, der zur Verfügung steht. Insbesondere bei schweren Fällen hat es sich bewährt, für etwa ein halbes Jahr Kraftfutter und alle „Leckerchen“ komplett wegzulassen, bis der Darm wieder auf dem Weg ins sein Gleichgewicht ist. Die Futterumstellung sollte langsam über etwa zwei bis vier Wochen erfolgen.

Beispiel für eine Darmsanierung

  • Süßholzwurzelextrakt für zwei Wochen geben, zwei Wochen Pause machen, nochmals zwei Wochen geben. Der Wirkstoff der Süßholzwurzel wirkt stark entzündungshemmend auf alle Schleimhäute im Körper und regt damit die Darmschleimhaut zur Regeneration an (z.B. von www.okapi-online.de).
  • Eine Mischung von Bitter- und Gerbstoffhaltigen Kräutern (z.B. Bitterkräuter von www.okapi-online.de oder Amara Bitterkräuter von www.pernaturam.de) über sechs Wochen durchgehend füttern. Sie regen die Produktion von Gallenflüssigkeit an, die zum einen anregend auf die Peristaltik des Darms wirkt, zum anderen Fehlgärungen hemmt. Außerdem wirkt sie adstringierend, sodass sich die Darmwand schneller regeneriert.

Diese Darmsanierung sollte einmalig nach der Futterumstellung durchgeführt werden und kann bei Bedarf mit einem zeitlichen Abstand wiederholt werden.

 


Quelle:

Dr. Christina Fritz / Sanianimal UG
Bild: Fotolia #44133991