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Gesundheit :: Vorsorge

Reiten im Sommer: Was muss man beachten?

Wenn im Sommer ausgeritten wird, muss das Reitverhalten zur Temperatur passen. Das bedeutet: Kein wilder Galopp durch die flirrende Hitze, Pferde häufig tränken und im besten Fall nur morgens oder abends reiten. Wie Sie ihr Pferd gesund und fit durch die heiße Jahreszeit bringen.
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Diana und Peppy in der Abendsonne. Spätestens bei der tollen Abendstimmung waren wir dann wirklich froh uns für das Spontanshooting und gegen Kinobesuch entschieden habenWas eine Dehydrierung ist musste der Freizeitreiter Werner Kohlstätt auf erschreckende Weise lernen: Während eines Wanderritts im Sommer blieb sein Appaloosa-Wallach Gambler plötzlich stehen, rollte mit den Augen und zitterte am ganzen Körper. Kohlstätt machte den sogenannten Hautfaltentest. Dabei wird eine Hautfalte am Pferdehals mit zwei Fingern nach oben gezogen. Bleibt die Falte bestehen, kann man von einer Dehydrierung ausgehen, was bei Gambler auch der Fall war. Sein Reiter reagierte daraufhin genau richtig: Er stieg ab, brachte das Pferd in den Schatten, schickte seine Mitreiter aus, um Wasser zu besorgen und rief einen Tierarzt. Dieser bestätigte die Diagnose und verabreichte dem Wallach eine spezielle Elektrolytlösung. Anschließend wurde Gambler mit dem Anhänger nach Hause gefahren und noch einige Tage lang vom Tierarzt kontrolliert. Kohlstätt hat aus diesem Erlebnis Konsequenzen gezogen: „Ich reite nie wieder ohne einen Falteimer aus, mit dem man notfalls Wasser schöpfen oder in einem Wohnhaus erbeten kann“, sagt er. „Mir war klar, dass mein Pferd schon lange nichts mehr getrunken hatte. Aber wie schlimm es um ihn stand, habe ich nicht bemerkt.“

 

Elektrolyt-Verlust durch Schwitzen 

Genau das ist das Problem: Das Flucht- und Herdentier Pferd zeigt Schmerzen und Beeinträchtigungen meist erst dann, wenn es sich kaum mehr auf den Beinen halten kann. Umso penibler muss der Reiter auf Symptome einer Dehydrierung oder eines Hitzekollaps achten.

In Folge mangelnder Wasserversorgung dehydrieren Pferde relativ schnell. Ein Pferd produziert bei starker Anstrengung im Sommer bis zu 30 Liter Schweiß pro Stunde. Dadurch verliert es wichtige Elektrolyte, die – wie im Fall von Appaloosa-Wallach Gambler – bei stärkeren Verlusten von außen zugeführt werden müssen, um Herzrhythmusstörungen und Nervenschäden vorzubeugen. Außerdem besteht die Möglichkeit, Elektrolyte prophylaktisch durch das Futter zu verabreichen. Denken Sie immer daran: Pferde haben einen Wasserbedarf von 40 bis 60 Litern pro Tag – abhängig von der Körpergröße und Außentemperatur. Im Hochsommer kann der Bedarf auf bis zu 80 Liter steigen.

Hat ein Pferd sechs oder mehr Prozent seines Körpergewichts verloren, so weist der Flüssigkeitsmangel bereits eine verheerende Wirkung auf die Verdauungseffizienz auf. Nicht selten kommt es in der Folge zu Durchfall oder sogar Koliken.

Pferde spüren Wärme intensiver als Menschen

Doch auch die Hitze selbst kann im Sommer zur Gefahr werden. Einer Studie kanadischer Forscher zufolge spüren Pferde Wärme viel intensiver als Menschen. „Bei heißem, feuchtem Wetter reichen 17 Minuten Training in mäßiger Intensität aus, um die Körpertemperatur eines Pferdes auf gefährliche Werte zu erhöhen. Beim Menschen dauert das drei- bis zehnmal so lange“, erklärte der ausführende Professor Michael Lindinger.

Längeres Reiten an heißen Tagen kann also verheerende Folgen haben. Steigt die Körpertemperatur auf 41 Grad an, so beginnt eine Zersetzung der körpereigenen Proteine, was Blutdruckabfall, Koliken und Nierenversagen nach sich zieht. Übrigens: Die Komforttemperatur für Pferde beträgt 6 Grad. Minusgrade bis 15 Grad unter Null stecken sie problemlos weg. Aber alles, was über die 20-Grad-Plusmarke hinausgeht, belastet bereits ihren Organismus.

Reiten in den Morgen- und Abendstunden

Für das Reiten im Sommer bedeutet das: Entweder geht’s in den ganz frühen Morgenstunden raus in die Wälder oder spät abends, wenn die dicken Stechfliegen bereits wieder ihr Nachtquartier aufsuchen. Besonders die Morgenritte haben ihren eigenen Reiz, wenn die Vögel zwitschern und bei den Bäckern die frischen Brötchen duften.

Lässt sich ein Mittagsritt überhaupt nicht vermeiden, so halten Sie sich am besten vorwiegend im Wald oder in der schattigen Halle auf und verzichten auf längere Trab- und Galopp-Strecken. Gönnen Sie sich und ihrem Pferd zwischendurch immer wieder Pausen. Zeigt das Tier erste Anzeichen von Hitzekollaps oder Dehydrierung, so sollten Sie es in den Schatten bringen und idealerweise immer wieder mit lauwarmem Wasser abgießen. So können Sie seine Körpertemperatur schnell um bis zu zwei Grad abkühlen. Nach dem Reiten tut dem Pferd eine kühle Dusche gut. Dabei entfernen Sie auch den Schweiß aus seinem Fell und beugen so der Besiedelung von Bakterien, Pilzen und Milben auf der Haut vor. Das saubere Fell lockt auch weniger Fliegen an. Wichtig: Älteren Pferden dürfen bei hohen Temperaturen auf keinen Fall Anstrengungen zugemutet werden, da sie besonders empfindlich mit Kreislaufstörungen reagieren.


Quelle:

Regina Käsmayr
Bild: Katharina Paulik