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Gesundheit :: Vorsorge

Pferdekrankheiten frühzeitig erkennen

Neben Verhaltensstörungen können auch nur kleinste optische Veränderungen des Pferdes auf gesundheitliche Probleme hinweisen. Der Pferdebesitzer sollte deshalb die Anzeichen kennen, richtig einstufen und frühzeitig handeln.
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SV101702Wichtige Auskünfte können die Hufe geben, deren Hornwachstum ebenfalls ein Spiegelbild des Fütterungs- und Gesundheitszustands darstellen. Rillen, Strukturveränderungen und horizontale Risse sind deutliche Anzeichen gesundheitlicher Störungen.

Züchter wissen sehr genau, dass das Exterieur eines Pferdes Auswirkungen auf dessen Gänge und Leistungsfähigkeit für bestimmte Disziplinen oder Manöver hat. Einschränkungen sind aber nicht immer auf Fehlstellungen oder ungünstige Gelenkwinkelungen zurückzuführen. Vor allem wenn sich im Leistungsbild Änderungen eingestellt haben, muss man an erworbene Problematiken denken. Kann ein Pferd beim Spin plötzlich nicht mehr so schnell drehen, springt es im Galopp des Öfteren um, zeigt weniger Raumgriff als gewohnt, läuft es nicht mehr taktrein oder lahmt es gar, ist es an der Zeit, über die Ursachen nachzudenken. Durch Training lassen sich zwar viele Bewegungseinschränkungen kompensieren, dennoch wird die Ursache nicht behoben. Als Folge davon kann das Pferd möglicherweise ein Manöver immer noch ganz gut ausführen, dies nicht selten aber unter Schmerzen oder nur mit größter Kraftanstrengung.

Die Anzeichen von Problemen können vielfältig sein. Häufig finden sich Pferde, die nicht spurtreu fußen. Hier handelt es sich nicht immer um die oft zitierte, simple Händigkeit oder „natürliche Schiefe“, sondern kann eine Schonhaltung signalisieren. Auch ein schief gehaltener Schweif deutet auf Probleme meist im Kreuzdarmbeingelenk oder Kreuzbein hin. Eine aufgeworfene Lendenwirbelsäule ist ein sicheres Zeichen für allgemeine Rückenprobleme. Es handelt sich hierbei ebenfalls um eine Schonhaltung. Allerdings ist es für den Laien nicht immer einfach, eine „normale“ Rückenform von einer krankhaften zu unterscheiden. Die Lendenwirbelsäule steht nämlich auch ganz natürlich in einer kyphotischen Stellung, sprich sie wölbt sich leicht nach oben. Der dritte Lendenwirbel stellt dabei den höchsten Punkt dar.

Deutliche Abweichungen von der Normalform wie Senkrücken oder Karpfenrücken deuten aber immer auf Probleme hin. Auch extrem abgeschlagene oder sehr flach gehaltene Kruppen können mit einer Kreuzbeinläsion assoziiert werden. Findet man am höchsten Punkt der Kruppe eine einseitige Erhöhung, spricht der Osteopath von einem „dorsalisiertem Ilium“, was bedeutet, dass eine Beckenschaufel eine andere Stellung aufweist als die andere. Dies kann sich dem Pferdebesitzer auch zeigen, wenn das Pferd meist mit den Hinterbeinen in Schrittstellung steht und sich nur mit Schwierigkeiten parallel aufstellen lässt.

Wenn sich Gelenke offensichtlich nicht an ihr Bewegungsendmaß führen lassen, kann dies ein Hinweis auf Blockaden oder auch auf arthrotische Veränderungen sein. Der Pferdetherapeut führt hierzu spezielle Gelenktests durch. Der Pferdebesitzer kann dies beispielsweise erkennen, wenn das Pferd das Karpalgelenk nicht mehr bis zu einer geraden Linie durchdrücken kann und sich damit ein „hängendes Knie“ – wie es früher bezeichnet wurde – beziehungsweise eine Vorbiegigkeit einstellt. Diverse Gelenkfehlstellungen und -blockierungen fordern mehr Kraftaufwand und führen zu Schonhaltungen, was die Muskulatur enorm beansprucht. Die Folge sind Muskelverspannungen und -verkrampfungen mit generalisierten Schmerzen.

Zu 80 Prozent muskuläre Probleme

Muskuläre Verspannungen kann der Pferdebesitzer selbst recht gut aufspüren, indem er mit dem Finger in die Muskulatur drückt. Das Pferd sollte daraufhin keine Reaktion zeigen. Beginnt es aber auszuweichen, zu drohen oder beginnt das Fell lokal oder an anderer Stelle zu zittern, ist dies ein deutlicher Hinweis auf ein Muskelproblem. Wichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang auch, dass Probleme im Bewegungsapparat zu 80 bis 90 Prozent in der Muskulatur begründet liegen. Da nützt es wenig, die Pferde nur umgangssprachlich „einzurenken“, sprich artikuläre Blockierungen zu lösen. Zuvor muss der Pferdetherapeut ausgiebig die Muskulatur entsprechend behandeln, bevor Gelenke reponiert werden.

Ein eindeutiges Indiz für Probleme im Bewegungsapparat ist die Ausbildung einer ungleichen Muskulatur und Asymmetrien im Körperbau des Pferdes. Deshalb sollte man immer mal die rechte mit der linken Seite des Pferdes vergleichen. Findet man eine deutlich ungleich ausgeprägte Muskulatur, ist die Hilfe eines Osteopathen und eines guten Reitlehrers erforderlich. Möglicherweise wird das Pferd einseitig belastet oder es hat eine Schonhaltung eingenommen.

So gibt es viele Anzeichen für gesundheitliche Probleme, die der Pferdebesitzer am ehesten erkennen kann, da er sein Pferd am besten kennt. Dennoch muss er für jegliche Veränderungen im Verhalten und äußerem Erscheinungsbild sensibel sein, um sie zu registrieren. Oft sind es nämlich nur kleinste Anzeichen mit großer Auswirkung.


Quelle:

Renate Ettl

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