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Gesundheit :: Vorsorge

Giftpflanzen für Pferde: erkennen und vorbeugen

Es gibt eine Menge Giftpflanzen, die für Pferde gefährlich werden können. Erste Vergiftungssymptome können bereits nach wenigen Minuten oder Stunden auftreten. Doch es gibt auch Giftpflanzen, deren Wirkung erst nach Wochen, Monaten oder sogar Jahren sichtbar wird.
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Beautiful flowers purple FoxgloveDas wohl bekannteste Beispiel für eine Pflanze mit sehr schneller Giftwirkung ist die Eibe. Frisst ein durchschnittlich großes Pferd auch nur 100 bis 200 Gramm der immergrünen Nadeln (entspricht in etwa einem kleinen Zweig), kann durch die Lähmung von Herz und Lunge der Tod innerhalb von Minuten eintreten. Giftpflanzen, die erst nach einiger Zeit zu Problemen führen, sind nicht etwa harmloser. Das Gift reichert sich im Körper an, die Pferde vergiften sich schleichend. Treten dann nach Monaten oder Jahren die ersten Symptome auf, können Organe bereits irreparabel geschädigt und eine Behandlung unter Umständen aussichtslos sein.

Besonders tückisch: Da keine Symptome auftreten bemerken die Besitzer die Vergiftung lange nicht und können somit auch nicht die Ursache beseitigen. Sehr populär ist in diesem Zusammenhang das Jakobskreuzkraut. Eine Vergiftung wird hier oft erst erkannt, wenn die Pferde schon über einen langen Zeitraum regelmäßig kleine Mengen gefressen haben. Auch Acker-Schachtelhalm und Sumpf-Schachtelhalm vergiften die Pferde schleichend. Erhalten die Vierbeiner über zwei Wochen lang Heu, welches zu 20 Prozent mit Acker-Schachtelhalm verunreinigt ist, führt dies zu Vergiftungssymptomen wie beispielsweise Abmagerung, Verdauungsstörungen oder Taumeln (Taumelkrankheit). Enthält das Heu 20 Prozent Sumpf-Schachtelhalm, wirkt das nach einer Fütterungsdauer von einem Monat tödlich.

Giftpflanzen auf der Weide

Artenreich soll die Pferdeweide sein, also viele unterschiedliche Gräser und Kräuter enthalten. Darunter können sich aber auch giftige Vertreter befinden. Besonders häufig auf Pferdeweiden anzutreffen sind Giftpflanzen wie Gundelrebe (Gundermann), Hahnenfuß, Herbstzeitlose und Johanniskraut, sowie die verschiedenen Kreuzkraut-Arten. Am Waldrand gelegene Pferdeweiden sollten besonders gründlich auf giftige Pflanzen wie Adlerfarn, Efeu, Eibe, Liguster, Pfaffenhütchen, Schachtelhalm-Arten sowie Tollkirsche kontrolliert werden.

Und auch der Riesenbärenklau (Herkulesstaude) ist dort häufig zu finden. Beim Hautkontakt mit dieser bis zu über drei Meter hohen Giftpflanze drohen starke Reizungen und Entzündungen der Haut, insbesondere bei sonnigem Wetter. Giftpflanzen sollten daher grundsätzlich immer nur mit Handschuhen (wasserdicht) und, insbesondere beim Riesenbärenklau, mit Schutzbrille und langer Kleidung entfernt werden.

Giftpflanzen im Garten

Befinden sich die Stallungen, Weiden oder Ausläufe in der Nähe eines Gartens, besteht für die Vierbeiner eine besonders große Gefahr, denn viele beliebte Gartenpflanzen sind sehr giftig. Gelangen die Pferde an diese Pflanzen, sei es, weil sie ausgebrochen sind, Gartenabschnitt bei den Pferden entsorgt oder die Pflanzen nicht weit genug ausgezäunt wurden, kann es zu schwerwiegenden Vergiftungen bis hin zum Tode kommen. Gerade bei Hecken sind sehr giftige Pflanzen beliebt, wie beispielsweise Buchsbaum, Eibe, Kirschlorbeer oder Thuja. Zierpflanzen wie Christrose, Engelstrompete, Fingerhut-Arten, Lupinen-Arten, Maiglöckchen, Oleander, Rittersporn-Arten sowie der Deutsche und der Färber Ginster sind zwar hübsch anzusehen, aber leider für Mensch und Tier giftig.

Auch die in Gärten anzutreffenden Ziersträucher und Bäume sind sehr gefährlich, dazu gehören unter anderem der Blauregen und Goldregen sowie die Robinie, welche auch Falsche Akazie genannt wird. Vom Gemüsebeet kann ebenso eine Gefahr für die Pferde ausgehen, wenn dort Gartenbohnen, Tomaten, Kartoffeln, Zwiebeln oder Bärlauch angebaut werden.

Duftendes Heu – eine Gefahr?

Verantwortlich für den angenehmen Geruch von Heu ist Cumarin. Natürlicherweise kommt Cumarin in vielen Pflanzen vor, so zum Beispiel in Waldmeister, Steinklee und Ruchgras. Es ist meist in den Pflanzenzellen gebunden, der Duft wird erst durch eine Verletzung der Zellen (Schneiden oder auch Welken der Pflanze) frei. Das ist auch der Grund dafür, warum Waldmeister und Heu erst aromatisch riechen, wenn sie bereits etwas angewelkt sind. Ist das Heu nun mit bestimmten Schimmelpilzen belastet, entsteht aus dem Cumarin sogenanntes Dicumarol, welches die Blutgerinnung beeinflusst. Ist im Heu eine hohe Anzahl cumarinhaltiger Pflanzen enthalten, kann die Konzentration von Dicumarol hoch sein. Wird ein derart belastetes Heu über einen bestimmten Zeitraum gefüttert, kann dies zu inneren Blutungen und letztendlich zum Tod des Pferdes führen.

Wachsamkeit ist wichtig

Giftige Pflanzen für Pferde gibt es sehr viele, die Wirkung der Substanzen ist sehr unterschiedlich. Während die Aufnahme einiger Giftpflanzen sehr schnell zu Vergiftungssymptomen führt, vergiften andere die Vierbeiner schleichend. Letztere werden oft unbemerkt über einen längeren Zeitraum gefressen werden, Symptome  treten meist erst auf, wenn die Pferde bereits stark geschädigt sind.

Regelmäßige Kontrollen der Weiden, der Ausläufe und der gesamten Stallanlage sind sehr wichtig, gefundene Giftpflanzen müssen entfernt oder ausgezäunt werden. Wachsamkeit ist auch bei Ausritten oder in fremder Umgebung (zum Beispiel auf Turnieren) geboten. Alle Futtermittel, insbesondere Heu und Silage, müssen vor dem Verfüttern immer auf Giftpflanzen untersucht werden. Nur so kann rechtzeitig die Gefahr erkannt und damit auch gebannt werden. Fressen Pferde trotz aller Vorsichtsmaßnahmen dennoch giftige Pflanzen, muss umgehend der Tierarzt verständigt werden.

Übersicht einiger Giftpflanzen für Pferde (Tabelle enthält nur eine Auswahl!)

deutscher Name

wissenschaftlicher Name

Giftigkeit

Abendländischer Lebensbaum Thuja occidentalis sehr stark giftig
Acker-Schachtelhalm Equisetum arvense giftig
Adlerfarn Pteridium aquilinum sehr stark giftig
Blauregen Wisteria sinensis giftig
Buche Fagus sylvatica stark giftig
Buchsbaum (Buchs) Buxus sempervirens stark giftig
Christrose Helleborus niger sehr stark giftig
Deutscher Ginster Genista germanica giftig
Efeu Hedera helix giftig
Eibe Taxus baccata sehr stark giftig
Engelstrompete Brugmansia suaveolens sehr stark giftig
Färber Ginster Genista tinctoria giftig
Fingerhut-Arten Digitalis sp. sehr stark giftig
Gefleckter Aaronstab Arum maculatum sehr stark giftig
Goldregen Laburnum anagyroides sehr stark giftig
Gundelrebe (Gundermann) Glechoma hederacea stark giftig
Hahnenfuß-Arten (Butterblume) Ranunculus sp. schwach giftig bis giftig
Herbstzeitlose Colchicum autumnale sehr stark giftig
Jakobs-Kreuzkraut Senecio jacobaea sehr stark giftig
Johanniskraut (Hartheu) Hypericum perforatum giftig
Kartoffel Solanum tuberosum stark giftig*
Knoblauch Allium sativum giftig bis stark giftig
Liguster Ligustrum vulgare giftig
Lupinen-Arten Lupinus sp. giftig bis stark giftig
Maiglöckchen Convallaria majalis sehr stark giftig
Oleander Nerium oleander sehr stark giftig
Pfaffenhütchen Euonymus europaeus stark giftig
Riesenbärenklau (Herkulesstaude) Heracleum mantegazzianum giftig
Rittersporn-Arten Delphinium sp. sehr stark giftig
Robine (Falsche Akazie) Robinia pseudoacacia stark giftig
Rosskastanie Aesculus hippocastanum stark giftig
Sadebaum (Gift-Wacholder) Juniperus sabina sehr stark giftig
Schneeball, gemeiner / wolliger Viburnum opulus / lantana giftig
Schwarzer Holunder Sambucus nigra schwach giftig
Sumpf-Schachtelhalm Equisetum palustre sehr stark giftig
Taumel-Lolch (Rauschgras) Lolium temulentum stark giftig
Tollkirsche Atropa belladonna sehr stark giftig
Vogelbeerbaum (Eberesche) Sorbus aucuparia schwach giftig
Wolfsmilch-Arten Euphorbia sp. stark giftig
Zwiebel Allium cepa giftig
Zypresse Cupressus sp sehr stark giftig

*  Beeren, Keime, Keimlinge der Knollen, grüne Kartoffeln, alle oberirdischen Pflanzenteile


Quelle:

Sven und Peggy Morell
Bild: Fotolia #101514632