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Gesundheit :: Vorsorge

Entwurmung: Gibt es überhaupt die richtige Methode?

Die klassische Schulmedizin machte es den Pferdebesitzern noch vor 50 Jahren verhältnismäßig einfach. Die gängige Empfehlung lautete, Pferde viermal im Jahr prophylaktisch zu entwurmen, um sie vor den großen Strongyliden zu schützen. Dieser Darmparasit ist heute durch die damals sehr erfolgreiche Methode zwar nahezu ausgerottet, andere Wurmarten jedoch nicht. Das Entwurmungsmodell wurde also einfach auf alle anderen Parasiten übertragen. Der Effekt war, dass  sich  zum einem Resistenzen gegenüber einzelnen Wirkstoffen entwickelten, aber zum anderen auch, dank wachsender Kritik, neue Behandlungsansätzen. Für Pferdehalter wird es nun zunehmend unübersichtlicher: Die einen raten, zeitgemäß und selektiv zu entwurmen, die anderen, es ganz zu lassen und auf Weidehygiene, Naturheilkunde sowie eine gesunde Abwehr des Pferdes zu setzen. In den USA wiederum zeichnet sich ein ganz anderer Trend ab: das fragwürdige „daily deworming“.
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Viele Pferdebesitzer sehen das traditionelle, strategische Entwurmungsmodell mittlerweile skeptisch: Ihnen widerstrebt es, ihren Pferden –  und allen anderen im Stall – regelmäßig und flächendeckend eine chemische Keule zu verabreichen ohne zu wissen, ob diese überhaupt von Würmern befallen sind oder ob das Mittel auch wirkt. Denn in der Regel wird hierbei weder eine vorherige Diagnose gestellt noch eine abschließende Kontrolluntersuchung durchgeführt. Zunehmende Resistenzen haben in den letzten Jahren außerdem dafür gesorgt, dass die bewährten Wurmkuren in vielen Fällen überhaupt nicht mehr anschlagen. Neue Wirkstoffe gibt es bis dato aber nicht. Und nun?

Von der selektiven zur zeitgemäßen Entwurmung

Fakt ist: Ein Großteil der Tiere ist gar nicht oder nur gering mit Würmern infiziert – und eine geringe Menge an kleinen Strongyliden stellt für das Immunsystem in der Regel keine Herausforderung dar. Hier scheint die selektive Entwurmung, die ausschließlich auf die Behandlung dieser Wurmart zielt, eine geeignete Lösung zu sein. Dabei werden im ersten Jahr der Behandlung vier Kotproben gesammelt. Erst ab einem Schwellenwert von 200 EpG (Eiern pro Gramm Kot) gilt das Pferd als behandlungsbedürftig und erhält ein entsprechendes Präparat.

Um zu überprüfen, dass keine Resistenzen vorliegen, wird 14 bis 21 Tage später eine erneute Kotprobe genommen. Danach werden die Pferde regelmäßig weiter kontrolliert. Das Konzept wurde später auf alle anderen Endoparasiten (auch Spul- und Bandwürmer) ausgeweitet, die mit einem speziellen Verfahren, den McMaster-Kotprobenuntersuchungen, nachgewiesen werden können und ist als so genannte „zeitgemäße Entwurmung“ bekannt. Nachteil: Auf das Immunsystem hat auch dieses Konzept keinen Einfluss, die generellen Risiken für einen Wurmbefall bleiben bestehen. Dieses Konzept behandelt nur den nachgewiesenen Wurmbefall, auf das Immunsystem, bzw. dessen Stärkung, nimmt es keinen Einfluss

Das Immunsystem sanft stärken

Pferde mit einem gesunden Immunsystem und einem stabilen Darm werden locker mit ein paar Würmern fertig, ohne davon krank zu werden. Oberstes Gebot ist– neben konsequenter Weidehygiene und der Quarantäne sowie (eventueller) Entwurmung von Neuzugängen im Stall – im Darm ein unattraktives Milieu für Würmer zu schaffen. Diese ernähren sich hauptsächlich von Kohlenhydraten; das Pferde-Futter sollte also nicht zu getreidehaltig sein und keine versteckten Zucker (v.a. Melasse) enthalten. Viel Raufutter und das zusätzliche Füttern wurmabweisender Kräuter wie Brennnessel, Thymian, Pfefferminze oder Knoblauch soll die Wahrscheinlichkeit eines starken Wurmbefalls senken. Ob allerdings im Gegenzug spezielle Kräutermischungen oder -pellets bei einem starken Wurmbefall das chemische Medikament ersetzen können, ist zumindest fraglich.

„Daily Deworming“ – der Gegenentwurf – aus den USA

In Amerika kam vor einigen Jahren die Idee auf, Wurmbefall quasi im Keim zu ersticken. Das Pharmaunternehmen Pfizer brachte dazu ein Zusatzfutter in Pelletform auf den Markt, in dem der Wirkstoff Pyrantel in geringer Dosis enthalten ist. Das Entwurmungsmittel, das täglich gefüttert wird, soll fortlaufend Würmer und ihre Larven abtöten, die zum Beispiel über kontaminierte Weiden in den Pferdemagen gelangen – und zwar bevor sie das Pferd gesundheitlich beeinträchtigen oder gar Organe angreifen. Statt der Behandlung von Wurmbefall geht es bei dem Produkt „Strongid C“ also um Vorsorge. Dieser Ansatz steht jedoch in starkem Kontrast zu den Modellen, die für einen zurückhaltenderen Umgang mit Entwurmungspräparaten plädieren. Das Pferd wird zwar vor Wurmbefall geschützt, erhält jedoch täglich Medikamente ohne tierärztliche Diagnose. Studien zu möglichen Resistenzen liegen nicht vor, Skepsis ist also sicherlich angebracht. Und: „Strongid C“ wirkt nicht gegen alle Wurmarten. Pfizer empfiehlt, Magendasseln und Bandwürmer weiterhin mindestens zweimal pro Jahr gesondert zu behandeln. Wenn dem Pferd die regelmäßige Entwurmung ohnehin nicht erspart bleibt, sollte man über den Nutzen eines Entwurmungsfutters zumindest gut nachdenken.

Weitere Infos zur „Selektiven Entwurmung“ finden Sie hier:

  • Selektive und zeitgemäße Entwurmung: www.selektive-entwurmung.com
  • Natürlich Entwurmung: www.gut-heinrichshof.de/alternative-wurmkur
  • Daily deworming: www.russellvet.com/equine-deworming-protocol.html

Hier einige Labore, die Kotproben untersuchen:

  • Veterinärmedizinisches parasitologisches Labor „Der Wald“, Postfach 1165, 47552 Kranenburg. Telefon: 03124-3480534, E-Mail: info@wurmbekaempfung.eu
  • Parasitologisches Speziallabor Vergleichende Tropenmedizin und Parasitologie, LMU München, Leopoldstr. 5, 80802 München, Tel. (089) 2180 3622. labor@tropa.vetmed.uni-muenchen.de
  • LABOKLIN GMBH & CO.KG 
LABOR FÜR KLINISCHE DIAGNOSTIK 
Dr. Elisabeth Müller (Firmenleitung)
Steubenstraße 4
97688 Bad Kissingen, www.laboklin.de
  • Freie Universität Berlin., Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin, Robert-von-Ostertag-Str. 7-13, Gebäude 35, 22, 23, 14163 Berlin, parasitologie@fu-berlin.de

Quelle:

Julia Schay-Beneke
Bild: Fotolia #20559307