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Gesundheit :: Psychologie

Pferde Verhaltenslehre: Änderungen nicht ignorieren

Wer täglich mit seinem Pferd umgeht und reitet, kennt es bald in und auswendig – glaubt man. Eigentlich sollte der Pferdebesitzer sein Tier am besten kennen, was die typischen Verhaltensweisen und äußeren Anzeichen angeht. Dennoch können die wenigsten diese Merkmale richtig einschätzen. Oft stecken nämlich Erkrankungen oder gesundheitliche Unstimmigkeiten dahinter.
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Wenn Pferdebesitzer ihre Vierbeiner beschreiben sollen, fallen fast immer Begriffe wie „freundlich“, „leistungsbereit“, „kooperativ“, „schlau“, „selbstbewusst“, aber auch „ängstlich“, „scheu“, „stur“ und „dickköpfig“. Abgesehen davon, dass die Einschätzung des Charakters eines Pferdes oft fehlgedeutet wird, fällt den meisten dennoch sofort auf, wenn sich im Verhalten des Pferdes etwas ändert.

Geht ein Pferd nicht in den Transporter, wird es schnell in die Kategorie „stur“ und „dickköpfig“ eingestuft, doch vielleicht ist das Pferd nur unsicher oder hat sogar Angst? Hat es eventuell sogar ein Trauma erlebt in Zusammenhang mit einem Pferdehänger? „Ach nee, heute ist es ihm nur zu warm, um wegzufahren. Das heiße Wetter mag er nicht!“ Solche und ähnliche Sprüche hört man immer wieder, doch was steckt wirklich dahinter?

Die Interpretationen von Verhalten eines Pferdes werden zum großen Teil fehlgedeutet, teils werden Situationen und Gefühle des Pferdes vermenschlicht dargestellt, teils aber auch völlig falsch eingeschätzt. Das Erlernen der richtigen Interpretation von Verhaltensweisen ist nur über eine gute Beobachtungsgabe, viel Einfühlungsvermögen und jede Menge Pferdeerfahrung möglich.

Ob die Einschätzung eines „typischen“ Verhaltens eines Pferdes korrekt ist oder nicht, ist allerdings nicht relevant für die Erkenntnis, wenn sich ein Pferd plötzlich ungewohnt verhält. Konnte ein Pferd stets problemlos verladen werden und weigert es sich plötzlich in den Hänger zu gehen, gibt es hierfür natürlich unzählig viele Möglichkeiten, die dieses Verhalten erklären können. Zunächst muss man sich fragen: „Was hat sich verändert?“. Findet man keine schlüssige Erklärung, muss man immer auch an ein gesundheitliches Problem denken.

Wenn sich das Verhalten plötzlich ändert …

Dies gilt für jede Form von Verhaltensänderung. Viele Reiter erkennen, dass ihre Pferde nicht mehr so frisch gehen wie früher. Und das liegt nicht am heißen Wetter, denn wenn das Tier dieses Verhalten auch bei kühlem Wetter zeigt, lässt sich der erste Verdacht ausschließen. Zudem vertragen Pferde in der Regel recht gut heiße und auch sehr kalte Temperaturen. Ist das Pferd allerdings krank, kann sich eine Wetterfühligkeit einstellen. Als Beispiel: Wenn der Kreislauf nicht optimal arbeitet, können heiße Tage problematisch für ein Pferd werden. Dies beobachtet man öfter bei sehr alten Pferden.

Grundsätzlich gilt: Jede Verhaltensänderung hat einen Grund. Wenn dieser nicht offensichtlich ist, muss man an einen „inneren Grund“, sprich an ein gesundheitliches Problem denken. Gesundheitliche Einschränkungen wiederum können sehr vielfältig sein und von Stoffwechsel- und Kreislaufproblemen über Schmerzen der inneren Organe (z. B. Magengeschwüre) bis hin zu Blockierungen im Bewegungsapparat gehen.

Wenn es im Rücken zwickt oder das Kreuzdarmbeingelenk schmerzhaft blockiert ist – wer geht dann schon gerne flott und locker vorwärts? Hat man Magenkrämpfe, machen Trailaufgaben auch keinen Spaß! Und mit Kreislaufproblemen lässt sich eine Steigung ebenfalls nicht mehr so lässig bewältigen.

Pferde sind Kompensationsweltmeister

Ein Pferd leidet stumm – und macht dennoch oftmals seinen Job, so gut es kann. Deshalb ist es meist nicht einfach zu erkennen, wenn es dem Tier nicht gut geht. Das Pferd kann sehr lange gesundheitliche Probleme kompensieren. Aus diesem Grund muss der Pferdebesitzer und Reiter stets hellwach sein und sogar kleinste Anzeichen registrieren. Werden die ersten Warnhinweise erkannt, lassen sich gegebenenfalls schlimmere Auswirkungen verhindern. Deshalb gilt es, wachsam zu sein und jede Änderung im Verhalten, aber auch im Erscheinungsbild, ernst zu nehmen.

Bei einigen Hinweisen lassen sich sogar Rückschlüsse auf die versteckten Probleme ziehen. Zeigt das Pferd beispielsweise Leistungseinbußen im Training, sprich es geht nicht mehr so flott vorwärts und muss vermehrt getrieben werden, können dies multiple Probleme im Bewegungsapparat bedeuten. Es kann sich dabei um muskuläre, aber auch artikuläre Blockierungen handeln. Es können sich versteckte Entzündungen in Gelenken, Muskeln, Faszien oder anderen Weichteilen und Organen entwickelt haben. Natürlich kann es sich auch um eine unerkannte Verletzung handeln. In der Regel gehen gesundheitliche Probleme mit Schmerzen oder zumindest Unwohlsein einher. Schmerzen schränken die Beweglichkeit des gesamten Körpers oder bestimmter Körperregionen ein.

Pferde, die sich plötzlich auf das Gebiss legen, sich unter dem Sattel nicht mehr biegen wollen (meist einseitig), nur noch über Geschwindigkeit in den Galopp fallen, eine Galoppart verweigern, sich bei Wendungen im Genick verwerfen oder den Reiter nicht mehr so gut sitzen lassen, zeigen deutlich an, dass mit ihrem Bewegungsapparat etwas nicht stimmt. Abhilfe kann der Tierarzt oder ein Osteopath schaffen. Diese Fachleute sind in der Lage, das Pferd auf Verletzungen, Entzündungen und Blockaden im Bewegungsapparat zu untersuchen und eine entsprechende Therapie einzuleiten.


Quelle:

Renate Ettl
Bild: Verena N._pixelio.de