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Gesundheit :: Krankheiten

Stolpern und Fallen: Wenn Pferde das Gleichgewicht verlieren

Hopp, hopp, hopp – Pferdchen lauf Galopp. Über Stock und über Steine, aber brich Dir nicht die Beine. Anders als im Kinderlied verlieren viele Pferde in der Realität schon beim Schrittgehen oft den Halt. Das ist nicht nur für das Tier gefährlich, sondern auch für uns Reiter. Was kann man tun gegen das ewige Stolpern und Straucheln?
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PferdefussIn den herbstlichen Monaten locken buntes Laub und herrlich blauer Himmel zu ausgedehnten Ausritten im flachen Land ebenso wie im steinigen Gebirge. Rutschige Passagen an abgeernteten Äckern und tiefe Pfützen bergen nur kleine Schwierigkeiten, da Reiter und Ross sich gezielt darauf einstellen können. Ernst und wenig kalkulierbar wird es, wenn ein Pferd von heute auf morgen anfängt, vermehrt zu stolpern, ohne dass erkennbare Hindernisse im Weg liegen. Als „Ameisenknochen“ oder „Luftschloss“ werden solche nicht definierbaren Blockaden umgangssprachlich bezeichnet. Tritt dieses Phänomen bei jedem Ausritt und in gesteigerter Form auf, sollte der Pferdebesitzer ein waches Auge auf Details richten.

Wie löse ich das Problem?

Jetzt heißt es: Nicht zu lange warten, damit keine bleibenden Schäden entstehen können. Pferde zerren sich gerne Sehnen und Bänder und bilden bei wiederholtem Auftreten chronische Entzündungserscheinungen, die langwierig ausheilen müssen.

Ein Gang zum Hufschmied oder Hufpfleger des Vertrauens ist eine hervorragende Wahl, um die Ursachen des Stolperns zu ergründen. Dem Fachmann fallen sehr schnell überlange Zehen oder Stellungsfehler auf. Bereits vom Führen des Pferdes an der Hand im Schritt und noch deutlicher im Trab zeigt das Pferd, was passiert, wenn Hufe falsch gepflegt wurden. Oft treten die Hinterbeine zu schnell nach vorne und das Vorderbein rollt zu langsam ab – Hängenbleiben ist hier vorprogrammiert! Zehen werden gekürzt und die Zehenrichtung korrekt vorgegeben.

Beschlagenen Pferden hilft sehr häufig ein Eisen, das im vorderen Bereich abgeschlagen aussieht – eine gerade Fläche bei verkürztem Huf erleichtert das Abrollen immens. Die ersten Erfolge sind sofort zu erkennen. Zwei Aufzüge haben sich beim Zurücksetzen auch bewährt, damit die Kappe nicht einwachsen kann. Wenn ein Pferd nach vorne in der Mitte abrollen kann, passt die Richtung in der Regel. Die Devise ist folgende: Runter mit dem Hufhorn, aber bitte nicht zu viel abraspeln.Aber: Wer keine Erfahrung mit solchen Dingen hat, sollte stets den versierten Profi zu Rate ziehen und nicht experimentieren. Ohne Huf kein Pferd!

Zu lange Intervalle

Viele Termine und zu wenig Zeit – heute fehlt vielen Pferdebesitzern die Zeit zum Ausreiten. Dann wird hier und dort noch gespart und Beschlags- und Hufbearbeitungsintervalle werden über die Maßen nach hinten geschoben. Es gibt hier allerdings keine pauschale Daumenregel, die angewendet werden kann. Manche Pferde können mit 10 Wochen noch mühelos und flott mit ihren Hufeisen traben, während andere nach vier Wochen bereits massiv von Strauchelattacken heimgesucht werden.

Das Hufwachstum ist abhängig von der Beschaffenheit der Böden, der Ernährung des Pferdes, der Belastung, ob Koppelgang oder Stehen in der Box, der Häufigkeit des Ausreitens, Gewohnheiten des Pferdes und vielem mehr. Steht ein Pferd auf allen vier Beinen korrekt, geradezu schulbuchmäßig, kann ein Intervall weniger diszipliniert angelegt werden. Aber welches Pferd ist mit solchen edlen Beinen ausgestattet? Deshalb, wenn Sie es sich nicht merken können und nicht sehen, wenn die Hufe zu lange werden: Einfach mit dem Hufschmied oder Hufpfleger sprechen und den nächsten Termin im Stallbuch von Barnboox eintragen – dann ist das Stolpern definitiv „Schnee von gestern“.

Gewissensfrage

Wer jetzt meint, er müsste von Barhuf auf Hufeisen umstellen oder umgekehrt: Stolpern ist keine Frage des Beschlags, sondern der Pflege! Pferde können sogar in der Umstellungsphase von Hufeisen auf blanken Huf etwas mehr stolpern, da die Hufe fühliger und empfindlicher reagieren. Hufschuhe oder Kunststoffbeschäge sind hier die bessere Wahl, wenn sich dies auf Dauer nicht mehr abstellen lässt. Wer einmal die Ursachen erkannt und behoben hat, kann in Zukunft sorgenfrei seine Ausritte gestalten.

Wer seinem Pferd dann noch in den besonderen Genuss von Streichmassagen kommen lässt, kann mit streichenden, kreisförmigen und hebenden Bewegungen dem Nervensystem neue Informationen vermitteln. Die Angst vor Stürzen gehört dann der Vergangenheit an.

Weitere Gründe für Stolpern

Mangelnde Sorgfalt an den Hufen ist nicht der einzige Grund, warum Pferde stolpern können. Außerdem tragen dazu bei:

  • Fehlende Achtsamkeit:
    Pferde können ebenso wie wir Menschen abgelenkt sein, nur ans Fressen denken oder nach einem Artgenossen schielen. Dann helfen gezielte Tempiwechsel und flotte Gangart, um wieder mobil zu machen. Am langen Zügel dahin schleichen lassen, ist dann natürlich eher destruktiv.
  • Unpassender Sattel:
    Nicht passende Sättel rangieren in der Auflistung der Probleme hinter den Hufen an zweiter Stelle. Die schicken, sündhaft teuren Tiefsitzer nehmen sehr oft den Schultermuskel in die Zange und verhindern eine lockere Rückwärtsbewegung. Die Folge ist dann ein stark verkürzter Schritt. Sehr oft sind unsere lieben Sitzgelegenheiten zu Pferde die Wurzel allen Übels – auch bei Lahmheiten, die nicht den Beinen zugeordnet werden können.
  • Übermüdung:
    Bei Distanzpferden, die hundert Kilometer gegangen sind, kann dies sehr gut beobachtet werden. Die Augen wirken matt, der Körper ist erschöpft, die Haut dehydriert und farblos. Müde und überanstrengte Pferde reagieren ähnlich wie der Mensch. Sie können sich nicht mehr korrekt auf ihren Beinen halten, verlieren die Kontrolle und stolpern schnell. Im Alltag passiert das weniger, umso häufiger bei Bereitern, die auf ein Turnier vorbereiten und die Kondition ihrer Pferde unterschätzen. Auch mentale Erschöpfung ist beim Pferd möglich. Wanderreitern geschieht es ab und an, wenn Tagesetappen zu lange gesteckt wurden oder Regen die Pferde unterkühlen lässt.
  • Blockaden in der Gelenken und Muskeln:
    Hier handelt es sich in der Bewegung weniger um ein Stolpern als eher ein Innehalten in der Bewegung. Der Reiter fühlt ein Loch, das nicht vorhanden ist und das Pferd quasi hineinfällt. Die flüssige Bewegung und der angenehme Ablauf bleiben aus – das Pferd hat Schwierigkeiten, die von physischen Ursachen herrühren. Hier heißt es den versierten Pferdetierarzt, einen Physiotherapeuten, den Chiropraktiker oder einen Osteopathen beauftragen.
  • Arthrosen:
    Nicht nur alte Pferde werden von dieser Einschränkung heimgesucht – auch junge, zu früh belastete Tiere leiden darunter. Aufwärmphasen im Schritt, die die Muskulatur langsam an die Anforderungen gewöhnt, erleichtern dem Pferd die jeweiligen Gangarten.
  • Reiterfehler:
    Eingerollte Hälse, ein Genick, das weit hinter der Senkrechten ist – alles Ursachen fürs Stolpern, wenn ein Pferd sich fast in die Brust beißt und nicht mehr korrekt ausbalancieren kann. Wenn es dann vor sich hin stolpert, ist das nicht wirklich verwunderlich. Lassen Sie deshalb Ihrem Pferd den nötigen Spielraum, dann klappt es nicht nur besser mit der Atmung, mit dem Schlucken und mit dem Kaumuskeln, das Gebiss wird entsprechend eingeschäumt und das Straucheln ist nach kurzer Zeit verschwunden.

Kleine Lockerungsübung

Wer im Anschluss zur Fehlersuche noch etwas Gutes für sein Pferd tun möchte, darf gerne folgende Übung ausprobieren:

Ein Pferdebein in beide Hände nehmen und in langsamen und kreisenden Bewegungen langsam zum Boden zurückführen. Dabei bitte den Huf sanft auf der Spitze abstellen und nicht fallen lassen. Den Huf dabei so halten, dass die Zehe in Richtung Erdboden zeigt. Die Hand stützt den Huf, während der Daumen auf der Sohle liegt. Die innere Hand umfasst das Fesselgelenk, bei den Hinterbeinen das Röhrbein. Die Hufspitze beschreibt in beiden Richtungen kleine kreisende Bewegungen. Pferde reagieren manchmal irritiert. Wenn sie allerdings bemerken, dass es Blockaden lösen kann, lockern sie sich zusehends. Bitte nicht zu lange arbeiten, da Pferde sich dabei auch konzentrieren. Immer in Maßen und nicht übertreiben!

Trotz allem: Vorsicht

Bei manchen Pferden tritt nach den Korrekturen eine augenscheinliche Verbesserung ein, die aber nach einigen Tagen oder Wochen wieder hinfällig ist. Sie straucheln erneut, stolpern über ihre eigenen Füße. Ein Fall für den Fachmann in Form des Tierarztes, der im Detail die Gliedmaßen untersuchen muss und Stück für Stück im klassischen Ausschlussverfahren analysiert. Entzündungsvorgänge im Bereich von Hufrolle oder Hufgelenk können bereits im chronischen Stadium sein – erst wenn alle Details abgeklärt wurden, kann eine klare Diagnose gestellt und eine Behandlung begonnen werden. Jetzt weiter zu reiten wäre grob fahrlässig! Oftmals ist ein orthopädischer Beschlag notwendig, dessen Ausarbeitung mit dem Tierarzt oder einer Pferdeklinik abgestimmt werden muss.

Wie geht’s weiter?

Pferde dürfen ab und an lernen, wieder korrekt zu gehen und locker zu traben. Auf gerader Wiese, einem Reitplatz mit nicht zu tiefem Boden oder in einer Reithalle ist es möglich, Pferde über Stangen treten zu lassen. Bitte hier auf Farben achten, die die Pferde gut erkennen und auch ernst nehmen, damit sie ihre Hufe wieder korrekt anheben. Wer keine Gelegenheit hat, einen geeigneten Platz zu nutzen, kann im Gelände sinnvolle Möglichkeiten finden. Unebener Boden, Wurzeln, kleine Gräben – unsere Vierbeiner brauchen ebenso wie wir regelmäßiges Training, um alle Sinne wieder in Zusammenarbeit koordinieren zu können.

Gezieltes Arbeiten kann in kleinen Übungen gefordert werden: Wenn vom Pferd verlangt wird, immer mit dem linken Bein anzutreten, auf den Punkt zu stoppen, ein flexibler Schritt rückwärts verlangt wird und danach das Antreten nach vorne mit dem nächsten Vorderbein. Hier wird ein neues Bewusstsein geschaffen, das Pferd und Reiter Spaß machen kann. Probieren Sie es aus – es macht weitaus mehr Spaß, als diese Zeilen beschreiben können.


Quelle:

Ramona Dünisch
Bild: Fotolia #22926895