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Gesundheit :: Krankheiten

Botulismus beim Pferd: Symptome und Vorbeugung

Eine Maus kann ein Pferd töten. Nämlich dann, wenn sie bereits tot und mit dem Bakterium Clostridium botulinum befallen ist. Wird ein solcher Kadaver in einem Silage-Ballen eingeschlossen, so entsteht heimlich das tödlichste biologische Gift der Welt. Dieses löst beim Pferd die Krankheit Botulismus aus.
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Ein kleines Bakterium im Boden, das Clostridium botulinum, produziert unter bestimmten Bedingungen ein Nervengift, das eine Million Mal stärker ist als Zyankali. Warum, weiß niemand. Fest steht aber, dass diese Bakterien überall im Boden vorkommen und ihr Gift durch das Futter ins Pferd gelangen kann. Wenn das geschieht, sterben die meisten vergifteten Tiere innerhalb von Stunden oder auch Wochen an einer Krankheit, die Botulismus genannt wird.

Dr. Bettina Wollanke von der Klinik für Pferde der LMU München untersuchte 16 Pferde und Ponys, in deren Bestand Botulismus ausgebrochen war. Nur drei Tiere zeigten keine Symptome. Die anderen hatten sehr unterschiedlich starke Vergiftungserscheinungen. Während eine 8-jährige Shetlandponystute bereits am ersten Tag tot auf der Koppel gefunden wurde und andere Ponys schon nach zwei oder drei Tagen starben oder eingeschläfert werden mussten, konnte ein einjähriger Ponyhengst nach 21 Tagen entlassen werden obwohl er zwischenzeitlich so krank gewesen war, dass er sogar über eine Nasen-Schlund-Sonde ernährt werden musste.

Stärkste Gift-Konzentration am Herd der Infektion

Dr. Wollanke erklärt, weshalb die Krankheit im selben Stall von Pferd zu Pferd so unterschiedlich stark ausbrach: „Die häufigste Ursache für Botulismus bei Pferden ist die Aufnahme von Botulinus-Toxin mit dem Futter. Es kommt nun darauf an, welches Pferd welche Menge an Toxin aufnimmt.“ Ist beispielsweise ein Silageballen verseucht, so gibt es Stellen, die schlimmer betroffen sind als andere. Das sind jeweils die Stellen, an denen bei der Herstellung der Silage ein mit Clostridium botulinum versuchter Tierkadaver eingeschlossen wurde.

Das Bakterium benötigt für seine Vermehrung und Giftproduktion „anaerobe“ Bedingungen. Der komplette Stoffwechsel des Bakteriums läuft also ohne Sauerstoffzufuhr ab. Solche Bedingungen gibt es in freier Natur kaum. Das erklärt, weshalb das Nervengift so selten produziert wird obwohl die Bakterien fast überall vorkommen. In einem Tierkadaver, verfaulten Pflanzen oder stehenden Gewässern jedoch herrscht genau das Millieu, das die Clostridien mögen: Kein oder wenig Sauerstoff, ein pH-Wert zwischen 4,5 und 6,5, viel Feuchtigkeit und ein reiches Angebot an tierischen oder pflanzlichen Proteinen. Gelangt ein solcher Tierkadaver nun ausgerechnet in einen Silageballen, der die gleichen Voraussetzungen liefert, so gelangt das Gift in das Futter. Die stärkste Konzentration wird sich immer um den Herd der Infektion, also den ehemaligen Tierkadaver bilden. Auch wenn dieser sich zum Zeitpunkt der Fütterung schon komplett aufgelöst hat. Das Pferd, das von dieser Stelle frisst, ist höchstwahrscheinlich nach wenigen Stunden tot. „Es reicht schon, dem Tier eine Hand voll Futter mit ordentlich Toxin drin zu geben“, sagt Dr. Wollanke. Ein Pferd, was zufällig von einer weiter weg gelegenen Stelle frisst, hat bessere Überlebenschancen.

Gelangt das Botulinus-Toxin erst einmal ins Pferd, so dockt es an den Nervenenden an und verhindert die Freisetzung von sogenannten Transmittern, die eigentlich Informationen von einer Nervenzelle zur anderen weitergeben sollten. Da diese Transmitter nun blockert werden, kommt es zu verschiedenen Lähmungen. Typisch sind Schlundkopflähmungen, als deren Folge die Pferde nicht oder nur sehr eingeschränkt fressen und trinken können. Oft tritt ein Augen- und Nasenausfluss auf. Auch Einschränkungen der Skelett-Muskulatur (Ataxien, Festliegen), Koliken, Blasenlähmungen und Sehstörungen werden häufig beobachtet.

Keine Schmerzen

Ein starker Verdacht auf Botulismus besteht, wenn das betroffene Pferd trotz dieser Symptome weder Fieber noch ein gestörtes Bewusstsein hat, also weder depressiv, noch ängstlich oder bösartig ist. „Die Pferde haben außerdem keine Schmerzen wie das zum Beispiel bei Tetanus der Fall ist“, sagt Dr. Wollanke.

Sehr viel mehr Möglichkeiten, die Krankheit Botulismus zu diagnostizieren, hat der Tierarzt leider nicht. Bei Labortests von Blut und Organgewebe im Fall von Dr. Wollankes untersuchten 16 Pferden, konnte nirgendwo Botulinus-Toxin festgestellt werden. Einzig im Magen und Dünndarmtrakt einer Warmblutstute fand sich eine verdächtige Substanz. Festgestellt werden konnte diese Substanz lediglich im Tierversuch. Dabei wird Blut oder Magen-Darm-Inhalt eines erkrankten Pferdes einer Maus zu injiziert. „Bei Vorhandensein von Botulinus-Toxin in der Probe zeigen die Mäuse eine charakteristische Wespentaille und verenden in kurzer Zeit“, beschreibt Dr. Wollanke. Die Mäuse, die zuvor ein wirksames Gegengift („Antitoxin“) erhalten haben, überleben. Dieser Tierversuch sei durchaus üblich, wenn der Besitzer eines erkrankten Pferdes eine eindeutige Diagnose haben möchte.

Meist ist das nur bei sehr wertvollen Pferden der Fall. Denn das Antitoxin, das den Krankheitsverlauf bei Pferden in einem frühen Stadium die Krankheit stoppen kann, stammt aus der Humanmedizin und kostet den Pferdebesitzer zwischen 2500 und 5000 Euro. Dieses Medikament wirkt nur gegen bestimmte Typen von Botulinus-Toxin. Beim Pferd gibt es jedoch viele verschiedene. Der Tierversuch kann zwar Auskunft über den Typ geben, darf aber nicht abgewartet werden, weil sonst das Medikament zu spät kommt.

Behandlung und Vorbeugung

Aus diesem Grund werden die meisten Botulismus-Patienten nur symptomatisch behandelt. So kann der Tierarzt beispielsweise eine Infusion gegen Austrocknung verabreichen oder das Pferd über eine Nasen-Schlund-Sonde künstlich ernähren. „Wenn die Pferde einmal zum Festliegen kommen, ist eine weitere Behandlung jedoch aussichtslos und aus Tierschutzaspekten sollten die Tiere in diesem Fall euthanasiert werden“, empfiehlt Dr. Wollanke. Geschieht das nicht, so tritt der Tod innerhalb kurzer Zeit durch Atemlähmung oder Herzversagen ein.

Da Botulismus praktisch nicht geheilt werden kann, sind Vorbeugungsmassnahmen gegen diese Krankheit besonders wichtig. Außer in Ausnahmefällen, wo infizierte Tierkadaver auch das Heu oder das Kraftfutter bzw. die Weide verunreinigen, ist fast immer kontaminierte Silage der Auslöser für den Krankheitsausbruch. Gute Silage kann an bestimmten Merkmalen erkannt werden (siehe unten). Schlechte Silage sollte auf keinen Fall verfüttert und auch nicht auf den Misthaufen geworfen werden, wo die Clostridien sich weiter vermehren können. Stattdessen sollte sie verbrannt werden.

Weiden, Boxen und Futterkammer müssen regelmäßig nach Tierkadavern abgesucht werden, stammt das Trinkwasser aus einem Brunnen, so sollte dessen Wasserqualität regelmäßig kontrolliert werden. Geflügelmist scheint die Ausbreitung von Clostridium botulinum besonders zu begünstigen. Daher sollte auf eine Düngung damit verzichtet werden. „Besteht Verdacht auf einen Botulismus-Ausbruch, so ist es wichtig, jede weitere Aufnahme des möglicherweise verseuchten Futters zu unterbinden“, sagt Dr. Wollanke.

In den USA und der Schweiz gibt es bereits einen Impfstoff gegen Botulismus. Doch auch diese Medikamente schützen nur vor bestimmten Toxin-Typen. In Deutschland steht zur Zeit kein Impfstoff zur Verfügung. Obwohl sich die Silagefütterung insbesondere bei Allergikern und Bronchitikern immer mehr etabliert, wird sich in Anbetracht der unterschiedlichen Botulinus-Toxin-Typen und der Kosten einer Impfzulassung“ laut Dr. Wollanke daran vorerst wohl auch nichts ändern.

Daran erkennen Sie gute Silage

  1. Geruch: Die Silage sollte aromatisch und säuerlich bis brotartig riechen. Riecht sie stattdessen nach Schweiß oder ranziger Butter, mostartig oder beißend, so sollte der ganze Ballen verbrannt werden.
  1. Aussehen: Die Plane um den Ballen herum sollte nirgendwo beschädigt worden sein. Die Silage selbst darf nicht mit Nager-, oder Vogelkot, Erde oder Schimmel verschmutzt sein. Sie sollte normal bräunlich sein, nicht gelblich oder giftgrün
  1. pH-Wert: Die Silage muss während des Gärprozesses ausreichend „durchsäuert“ worden sein. Ist dies geschehen, so liegt ihr pH-Wert anschließend unter 4,5. Der Wert kann mittels eines pH-Meters überprüft werden. Ab einem Wert von über 5 sollte der Ballen auf keinen Fall mehr verfüttert werden.
  1. Trockensubstanzgehalt: Gute Silage hat einen Trockensubstanzgehalt von 25 bis 40 %. Diesen kann man selbst testen, indem man einen Strang Silage wie ein Handtuch einmal kräftig wringt ohne nachzufassen. Dabei sollte ein Saftaustritt zwischen den Fingern erfolgen. Die Silage ist von minderer Qualität wenn entweder kein Saft austritt oder bereits bei leichtem Händedruck
  1. Schnitthöhe: Um das Einschließen von Tierkadavern und Erde in die Silage zu verhindern, sollte der Landwirt seine Wiese nicht direkt über dem Boden mähen sondern eine Schnitthöhe von ca. 10 cm einhalten.
  1. Silierhilfsmittel: Es sind DLG-geprüfte Silier-Hilfsmittel verfügbar, die eine Wirksamkeit gegen Clostridien haben.

Quelle:

Regina Käsmayr
Bild: Kristin Charlotte Schmeding_pixelio.de