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Gesundheit :: Alternative Therapien

Phytotherapie für Pferde: Mit Kräutern heilen

Die Kräutermedizin ist eine der ältesten Heilmethoden überhaupt. Gerade beim Pferd als Pflanzenfresser ist diese Therapieform recht erfolgreich und praktisch anzuwenden. Zudem bietet die Phytotherapie so viele Varianten von Zubereitungen und Verabreichungsmöglichkeiten, dass sich die Pflanzenheilkunde gerade im Pferdebereich als eine sehr erfolgreiche Zusatztherapie etabliert hat.
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Es ist bekannt, dass schon in weit zurück liegender Urzeit Pflanzen als Heilmittel verwendet wurden. Bis in die heutige Zeit hat sich die Phytotherapie weiterentwickelt. Neben der Verabreichung von Kräutern in Reinform oder als Tee werden heutzutage auch sogenannte Phytopharmaka hergestellt. Diese Arzneimittel haben eine große therapeutische Wirkungsbreite und sind oft nebenwirkungsärmer als synthetisch hergestellte Arzneimittel. Alle Arzneimittel, die aus der Medizin bekannt sind, haben ihren Ursprung in der Pflanzenmedizin. So ist das bekannte Mittel Aspirin ursprünglich aus der Weidenrinde entstanden.

Kräuter,als Teil einer ganzheitlichen Behandlung

Bei der Phytotherapie handelt es sich um die Behandlung und Vorbeugung von Krankheiten und Befindlichkeitsstörungen durch Pflanzen, Pflanzenteile und deren Zubereitungen. Dabei kommen nicht nur ungiftige, sondern als giftig geltende Pflanzen zur Anwendung. Schon Paracelsus erkannte, dass erst die entsprechende Menge einer Substanz zu einem Gift wird: „Die Dosis macht das Gift“ ist ein vielzitierter, treffender Ausspruch.

Hauptsächlich in den fernöstlichen traditionellen Medizinformen (TCM) wird die Phytotherapie als Teil einer ganzheitlichen Krankheitsbehandlung angesehen. Die Kräutermedizin ist stark Ursachen- und Konstitutionsbezogen, sie muss also individuell auf den jeweiligen Patienten ausgerichtet sein. So stehen heute zur Therapie neben den synthetischen Arzneimitteln drei Hauptpräparateformen aus Pflanzen zur Verfügung: 1. die Rohdroge, 2. daraus hergestellte Mono- bzw. Poly-Extraktpräparate und 3. isolierte Reinstoffe. Alle drei Präparateformen fasst man mit dem Begriff Phytotherapeutika oder Phytopharmaka zusammen.

Die Phytotherapie gehört zu den Naturheilverfahren, ist aber genau genommen keine „Alternative Medizin“, sondern ein Teil der heutigen naturwissenschaftlich orientierten Medizin. Zu den Hauptindikationen gehören Befindlichkeitsstörungen, für die alleinige Therapie leichte bis mittelschwere Erkrankungen und ganz besonders die chronischen Erkrankungen wie Allergien, Arthrose und Ekzeme. Angewendet wird die Phytotherapie aber auch zur Prophylaxe von Stoffwechselerkrankungen sowie zur Nachbehandlung und in der Rekonvaleszenz. Die Wirkungen von Phytopharmaka sind auch experimentell und klinisch gut belegt.

Die Heilpflanzen werden hinsichtlich ihrer Wirkstoffe klassifiziert. So enthalten die Pflanzen Bitterstoffe, Gerbstoffe, Schleimstoffe, Saponine oder Scharfstoffe. Auch ätherische Öle haben als Inhaltsstoff ein großes Wirkungsspektrum. Viele weitere Wirkstoffe wie Alkaloide, Glykoside, Harze, Enzyme, Vitamine, Eiweiß und so weiter sind wichtige Bestandteile, die in ihrem exakt funktionierenden Zusammenspiel für die medizinische Wirkung einer Pflanze ausschlaggebend sind. Die gesamte Pflanze (Droge) wirkt immer besser als nur Teile davon.

Bitterstoffe gut bei den Stoffwechselprobleme unserer Pferde

Pflanzen mit überwiegendem Bitterstoffanteil wirken reflektorisch über den Zungengrund auf die Organe des Verdauungstraktes – den Magen, den Darm, die Leber und Bauchspeicheldrüse – regulierend und regen die Bildung und Ausschüttung der verdauungsfördernden Säfte an. Für die Aufschlüsselung der Nahrungsinformationen sind die in den Bitterstoffpflanzen enthaltenen Enzyme unerlässlich. Deshalb wirken Bitterstoffe appetitanregend, verdauungsfördernd und -regulierend.

In einem Futter für Pflanzenfresser wie das Pferd sollten deshalb viele bitterstoffhaltige Pflanzen vertreten sein. Besonders viele Bitterstoffe enthalten beispielsweise Wermut, Spitzwegerich, Löwenzahn, Huflattich, Salbei, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut, Enzian und Kalmus.

Gerb- und Schleimstoffe für den Magen

Pflanzen mit hohem Gerbstoffanteil ziehen die Hautstruktur zusammen, darum eignen sich diese für offene Wunden und Schürfverletzungen. Gerbstoffe können mit Eiweißkörpern der verletzten oder irritierten Haut komplexe chemische Verbindungen eingehen. Diese überziehen die Haut mit einer schützenden, undurchdringlichen Schicht, dass weitere schädliche Reize verhindert werden können. Gerbstoffe werden daher äußerlich bei schlecht heilenden Wunden, bei Verbrennungen, Geschwüren, Schrunden, eitrig nekrotisierenden Prozessen und nässenden Ekzemen eingesetzt. Beim Pferd verwendet man Phytotherapeutika mit hohem Gerbstoffanteil außerdem auch bei Mauke und Huffäule.

Viele Pflanzen beinhalten Schleimstoffe, die einen reizlindernden und teilweise kühlenden Effekt auf der Haut bilden. Somit lässt sich durch Salben, die schleimstoffhaltige Pflanzen enthalten, irritierte Haut beruhigen. Deshalb eignen sich Präparate mit diesen Pflanzen auch sehr gut für Ekzemerpferde und bei anderen chronischen Hautirritationen. Pflanzen mit hohem Schleimstoffanteil sind beispielsweise: Eibisch, Malve, Isländisch Moos und Leinsamen. Vor allem der Leinsamen wird wegen seiner heilsamen Wirkung gerne dem Pferdefutter zugesetzt.

Den Lymphfluss in Gang halten

Zinnkraut, Brennnessel, Goldrute, Hauhechel oder Bruchkraut sind Pflanzen und Kräuter mit hohem Anteil von Saponinen. Bei Saponinen handelt es sich um Pflanzeninhaltsstoffe, die im chemischen Sinne zwar keine Seifen sind, sich aber wie solche verhalten, wenn sie mit Wasser in Berührung kommen. Saponine haben im Organismus eine entgiftende und ausleitende Wirkung, weil sie die Drüsentätigkeit und den Lymphfluss anregen. Somit kann der Körper mehr Giftstoffe ausscheiden und der Organismus ist besser in der Lage, den Selbstheilungsmechanismus in Gang zu halten. Saponinhaltige Kräuter und Pflanzen werden bei Atemwegserkrankungen (auswurffördernde Mittel) und als Entgiftungsmittel (harntreibend, Anregung der Lymphe) eingesetzt.

Vorsicht mit ätherischen Ölen

Eine große Anzahl von Pflanzen beinhalten ätherische Öle. Als fettlösliche Substanz lassen sich ätherische Öle gut auf die Haut auftragen. Sie werden aber auch innerlich von den Schleimhäuten schnell absorbiert und entfalten auf diesem Weg ihren Effekt. Ätherische Öle riechen sehr stark, weshalb sie hauptsächlich in der Aromatherapie eingesetzt werden. Mit Eukalyptusöl kann man z.B. Ammonikagerüche im Stall binden.

Oft werden ätherische Öle aber in der Inhalationstherapie angewendet. Hier sollte man beim Pferd aber vorsichtig sein: Sie wirken sehr scharf auf die Schleimhäute und können darum auch Schaden anrichten. Aufgrund der stark reizenden Wirkung sollte man Pferde nicht mit ätherischen Ölen inhalieren lassen oder diese unverdünnt auf die Pferdehaut aufbringen.

Die Phytotherapie ist ein weites Gebiet, zumal es nicht nur viele verschiedene Pflanzen gibt, sondern auch enorm variable Einsatzmöglichkeiten als Tinktur, Salbe, Tee, Sirup, Mazerat, Aufguss, Decoctum, Kataplasma, Extrakte oder Rohdroge.


Quelle:

Renate Ettl
Bild: Fotolia #68133019