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Gesundheit :: Alternative Therapien

Homöopathie für Pferde: Heilen mit Globuli

Es klingt sehr unwahrscheinlich, dass ein paar winzige Zuckerkügelchen ein Pferd von 500 Kilogramm Körpergewicht heilen sollen. Doch die Erfahrung zeigt, dass in der Homöopathie das richtige Mittel in extrem kleiner Dosierung ausreicht, um den Körper zur Selbstheilung zu stimulieren.
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Arnica GlobuliDie heute bekannte Homöopathie ist keine neue Therapieform, sondern hat sich seit über 200 Jahren entwickelt und bewährt. Begründer dieser alternativen Heilmethode ist Dr. Friedrich Samuel Hahnemann, der 1790 mit Selbstversuchen begann. Das erste Mittel, das er austestete, war die Chinarinde, die nach Einnahme ähnliche Symptome hervorrief wie die Krankheit Malaria. Da Hahnemann selbst einmal an Malaria erkrankt war, kannte er die Symptome gut und konnte so die Ähnlichkeit bestätigen. Da das Mittel bei einem gesunden Menschen nahezu dieselben Symptome hervorrief wie die Krankheit, folgerte Hahnemann, dass dieses Mittel zur Heilung der Krankheit eingesetzt werden könne. Daraus entstand das Ähnlichkeitsprinzip: „Similia similibus curentur“, oder „Ähnliches mit Ähnlichem heilen“.

Die Grundlagen der Homöopathie stützen sich auf drei Grundpfeiler: 1. der Arzneimittelprüfung, 2. der Ähnlichkeitsregel und 3. der Potenzierung. Bei der Arzneimittelprüfung wird zunächst an Gesunden das Mittel erprobt. Die daraus hervorgegangenen Symptome nennt man Arzneisymptome. Weitere Erkenntnisse zu einer Arznei werden zum gesamten Arzneibild hinzugezogen. Schließlich folgt die Dokumentation in Symptomenregistern, sogenannten Repertorien.

Auswahl von Mittel und Potenzierung führen zum Erfolg

Nach der Ähnlichkeitsregel wählt man diejenigen Mittel aus den Repertorien aus, die möglichst ähnliche Symptome bei Gesunden hervorrufen. Hierzu ist eine exakte Fallaufnahme des jeweiligen Tieres (oder auch Menschen) erforderlich, denn es müssen auch die Änderungen der Befindlichkeit auf psychischer und physischer Ebene mit berücksichtigt werden. Die Modalitäten beschreiben beispielsweise wie sich die Beschwerden äußern und unter welchen Umständen sie sich verbessern oder verschlechtern (Wärme – Kälte, Tag – Nacht, Ruhe – Bewegung etc.).

Manchmal ist es auch sinnvoll, Pferde nach ihrem Konstitutionstyp zu behandeln. Die Konstitution beschreibt seine angeborene Verfassung sowohl geistig als auch körperlich. Ebenso spielt es eine Rolle, wie ein Lebewesen auf bestimmte Einflüsse reagiert. Hier sind Faktoren wir Sensibilität, Aggressivität oder Nervosität, um nur einige Beispiele zu nennen, zu berücksichtigen.

Potenzierung ein entscheidender Faktor

Neben der Auswahl des richtigen Mittels ist auch die Potenzierung ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche Behandlung. Unter Potenzierung versteht man das Verdünnen oder Verreiben des jeweiligen Arzneimittelausgangsstoffes in mehreren Schritten. Nach jedem Verdünnungsvorgang wird das Mittel mit der Trägersubstanz wie Alkohol, Wasser oder Milchzucker verschüttelt oder verrieben. Hierdurch verringert sich mit zunehmender Potenzierung der nachweisbare Anteil des Arzneimittelausgangsstoffes. Ab einer Potenz von D23 ist chemisch kein Molekül des Ausgangsstoffes mehr nachzuweisen.

Diese Tatsache bestärkt Kritiker darin, dass die Homöopathie nur über den Placeboeffekt wirkt. Die Befürworter dieser Therapieform hingegen erklären die Wirkungsweise hingegen damit, dass auf den Trägerstoff die Information des Arzneimittels übergegangen ist. Je höher die Potenz, das heißt, je stärker verdünnt das Mittel ist, desto wirksamer soll das Mittel sogar sein.

Dies scheint im Widerspruch zu stehen mit den natürlichen Gesetzmäßigkeiten, dennoch belegen unzählige Heilungserfolge, dass eine entsprechende Wirkung da zu sein scheint. Von einem Placeboeffekt kann bei Tieren außerdem kaum ausgegangen werden, weil ihnen nicht bewusst ist, dass sie ein Arzneimittel verabreicht bekommen und welche Wirkung man sich davon erwartet.

Niedrige Potenzen bis etwa D12 wirken insbesondere direkt auf Organe und Organsysteme und werden meist bei akuten Erkrankungen verabreicht. Mittlere Potenzen (bis D30) kommen bei nicht so akuten Erkrankungen zum Einsatz. Hochpotenzen wirken deutlich stärker auf die Psyche und werden bei chronischen Erkrankungen bevorzugt.

Behandlung in erfahrene Hände legen

Die Häufigkeit, mit der das Mittel verabreicht wird, ist ebenfalls nicht außer Acht zu lassen. Während Niedrigpotenzen in der Regel zwei bis dreimal täglich – in akuten Fällen auch alle halbe Stunde – gegeben werden, ist die Gabe einer Hochpotenz einmal wöchentlich oder gar insgesamt nur eine einmalige Gabe ausreichend. Eine Gabe besteht bei tiefen und mittleren Potenzen aus zehn bis 15 Globuli oder Tropfen. Bei hohen Potenzen werden etwa fünf bis zehn Globuli oder Tropfen verabreicht.

Homöopathika gibt es in den unterschiedlichsten Darreichungsformen. Am bekanntesten sind Globuli, das sind Streukügelchen aus Milchzucker, die mit dem Arzneistoff besprüht werden. Erhältlich sind auch Dilutionen (Tropfen auf Alkoholbasis), Tabletten, Injektionen, Tinkturen und Salben.

Bei der Homöopathie kann es zu einer Erstverschlimmerung der Symptome kommen, die aber als gutes Zeichen angesehen wird. Diese verraten nämlich, dass man das richtige Mittel gewählt hat. Allerdings geht man davon aus, dass es sich um die falsche Potenz handelt, wenn sich die Symptome verschlimmern. Wenn sich jedoch Modalitäten ändern, muss der Homöopath ein neues Mittel suchen. So kann eine Behandlung auch aus mehreren homöopathischen Mitteln in einer bestimmten Reihenfolge bestehen. Deshalb muss der homöopathische Behandler den Krankheitsverlauf exakt beobachten und die Therapie anpassen.

Dies klingt sehr kompliziert und setzt eine Menge Erfahrung des Behandlers voraus. Viele Pferdebesitzer experimentieren häufig selbst mit homöopathischen Mitteln, doch der Fundus an möglichen Mitteln ist enorm groß und es ist deshalb nicht einfach, das richtige Mittel in der passenden Potenz auszuwählen.


Quelle:

Renate Ettl
Bild: Fotolia #88705013