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Ausbildung :: Problem & Lösung

Pferd lässt sich im Gelände nicht halten – Was tun?

Für manche Reiter sind die Ausritte im ersten Sommerabschnitt purer Stress. Überschäumendes Temperament des Pferdes und wildes Losstürmen im Galopp kann man allerdings verhindern, denn gutes Geländereiten beginnt nicht erst im Sommerhalbjahr im Gelände, sondern muss Teil der Winterarbeit sein. Wie der stressfreie Ausritt gelingt, erläutert FN-Ausbildungsbotschafter Christoph Hess.
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Wir Reiter können es oftmals nach der Winterzeit nicht abwarten, endlich ins Gelände zu gehen und den lang ersehnten Galopp in der Gruppe zu wagen. Einige Pferde sind nur beim ersten Ausritt im Jahr voller Tatendrang und kaum zu bremsen, doch bei anderen hält diese Problematik das ganze Sommerhalbjahr an. So wird das Reiten im Gelände zu einer ständigen Herausforderung, sowohl für den Reiter als auch für das Pferd. Besonders Pferde, die sehr gehfreudig und bei eintöniger Arbeit im Winter gelangweilt sind, werden in den Sommermonaten zu „tickenden Zeitbomben“.

Auch ein Geländepferd braucht Ausbildung

Auch das Reiten im Gelände muss in ein systematisch aufgebautes Ausbildungsprogramm eingebaut werden, das heißt, in der Reithalle und auf dem Außenplatz muss Ihr Pferd sorgfältig gymnastiziert werden, damit es an feinen treibenden Hilfen steht. Wählen Sie ein frisches Arbeitstempo im Trab und Galopp und reiten häufig Übergänge zwischen diesen beiden Gangarten. Je mehr Sie Ihr Pferd vor Ihren Ausritten springorientiert gymnastizieren, desto trittsicherer wird es sich hinterher im Gelände bewegen und unter dem Sattel sein natürliches Gleichgewicht finden.

Sowohl in der Halle als auch auf dem Außenplatz sollten Sie unabhängig vom Zügel sitzen und das Leichttraben beziehungsweise das Galoppieren im leichten Sitz mit seinen unterschiedlichen Entlastungsformen als hauptsächliche Sitzform wählen. Wird das Pferd am Zügel festgehalten – was häufig unbewusst erfolgt – so wird das im Gelände zu einem richtigen Problem. Spätestens hier wird es sich diesem unangenehmen Gefühl entziehen und seinen natürlichen Instinkt, den Fluchttrieb, aktivieren. Das Pferd macht Bocksprünge oder geht gar durch. Die einzige Chance, hier gegenzusteuern besteht darin, „nach vorne ausgleichen“, also im Trab und Galopp zuzulegen und auf keinen Fall zu versuchen, das Pferd zurückzuhalten. Je mehr Sie die Zügel annehmen, desto mehr wird sich Ihr Pferd Ihrer Kontrolle entziehen.

Immer wieder Übergänge

Reiten Sie auch im Gelände eine Vielzahl an Übergängen im ruhigen, aber dennoch frischen Arbeitstempo im Trab und Galopp. Der Übergang von dem Zweitaktrhythmus des Trabes in den Dreitaktrhythmus des Galopps und umgekehrt hat für Pferde eine unglaublich beruhigende Wirkung, die zugleich die Durchlässigkeit nachhaltig verbessert. Dabei müssen Sie sicherstellen, dass Sie in die jeweils neue Gangart „hineinreiten“, also sowohl beim „hoch-“ als auch beim „herunterschalten“ die treibende Hilfe anstelle der Zügelhilfe einsetzen. Für die Arbeit auf dem Außenplatz bzw. im Gelände empfehle ich, die Steigbügel zwei bis drei Löcher kürzer zu schnallen als in der Reithalle. Es sollte im Leichttraben und im leichten Sitz im Galopp sowie auf geraden und großen gebogenen Linien gearbeitet werden. Ich empfehle, dass neben dem Einzelreiten hier immer wieder zu zweit oder in einer Kleingruppe hintereinander und nebeneinander geritten wird. Pferde fühlen sich in der Gruppe wohl, sind sie doch Herdentiere. Deshalb ist es ratsam, niemals alleine mit einem „heißen“ Pferd ins Gelände zu gehen.

 

Sinnvoller Aufbau

Im Gelände selbst sollten Sie stets einen ruhigen, aber dennoch fleißigen Arbeitstrab zu Beginn Ihres Ausritts wählen. Dieser ausgiebige erste Trab tut allen Pferden gut und Sie werden damit als Reiter in der Lage sein, den Übermut, der nicht nur bei Ihrem Pferd anzutreffen ist, kanalisieren zu können. In dieser ersten Trabphase werden durch die naturgegebenen Bodenunebenheiten die Sehnen, Bänder und Gelenke ihres Pferdes trainiert.

Nach der ersten etwa zehnminütigen Trabarbeit empfehle ich eine ebenso lange Schrittpause, bevor Sie ein zweites Mal etwa zehn Minuten am Stück traben. Wird Ihnen Ihr Pferd in dieser Trabphase etwas eilig, dann sollten Sie über die Übung „Schulterherein“ versuchen, Ihr Pferd auf sich zu konzentrieren. Damit schaffen Sie es das Pferd zu beruhigen und in seiner Losgelassenheit und Durchlässigkeit zu verbessern. Je sicherer das Pferd den inneren Schenkel annimmt und sich durch die Schenkelhilfe beruhigen lässt, desto einfacher ist das Galoppieren.

Insofern empfehle ich, lieber „gut“ im Gelände zu traben als „schlecht“ zu galoppieren. Damit meine ich: Sie müssen stets die Grundgangart, die Sie reiten, auch kontrollieren können. Ist Ihnen dies im Galopp nicht möglich, sollten Sie zunächst ausgiebig traben, solange bis Sie aus Ihrer treibenden Einwirkung heraus das Pferd auch am längeren Zügel reiten können und sich dieses an die Hand nach vorwärts-abwärts dehnt.

Beim Galoppieren ist es ganz wichtig, dass es in einem kontrollierten Vorwärts erfolgt. Ein ständiges „auf der Bremse stehen“ (in diesem Falle hieße das am Zügel ziehen und das Pferd ständig zurück halten), führt nicht zu einem kontrollierten Galopp, sondern zum Gegenteil – bis hin zum unkontrollierten Durchgehen und Buckeln. Dieses Durchgehen und Buckeln kann sich zudem noch ganz leicht auch auf die anderen Pferde in der Gruppe übertragen. Auch aus diesem Grund sollten Sie sich hinter einem ruhigen und erfahrenen Têtenreiter einordnen, um gegebenenfalls auf diesen „aufreiten“ zu können, um dadurch Ihr Pferd zu beruhigen.

Eines sollten Sie stets beachten: Der Galopp in Richtung „Heimat“ ist ein No-Go. Stattdessen sollte man in einem ruhigen Tempo im Trab und Schritt nach Hause zurückkehren.


Quelle:

Christoph Hess