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Ausbildung :: Problem & Lösung

Wenn Pferde buckeln: Was tun?

Wer es ganz genau nimmt, unterscheidet zwischen Bocken und Buckeln. Ein Buckeln ist dann nur ein kleiner Hüpfer, bei dem meist nur zwei Beine den Boden verlassen. Bei einem Bocksprung hingegen heben alle vier Beine vom Boden ab, dabei ist der Kopf stark gesenkt. Was mit einem kleinen Freudenhüpfer anfängt, endet bei manchen Pferden in fiesen Bocksprüngen. Wir haben nachgefragt, welche Gründe Buckeln haben kann, was Sie dagegen tun können und wie Sie im Ernstfall sitzen bleiben.
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Ein buckelndes Pferd springt mit allen vier Beinen gleichzeitig oder abwechselnd mit Vorder- und Hinterbeinen in die Luft. Dabei wölbt es den Rücken nach oben und steckt oft zusätzlich den Kopf zwischen die Vorderbeine. In der Natur gibt es zwei Gründe für dieses Verhalten. Erstens: das Pferd freut sich seines Lebens. Beim Spielen ist das Buckeln ein Anzeichen von Übermut und Freude. Dabei entspannt sich sogar die Muskulatur des Pferdes. Zweitens: Das Pferd wehrt sich. In letzter Instanz, wenn das Raubtier bereits auf seinem Rücken sitzt und alles Treten, Ausschlagen und Beißen nicht mehr hilft, dann versucht das Pferd, seinen Angreifer durch Buckeln und Steigen loszuwerden

Auf den Ausdruck des Pferdes beim buckeln achten!

Um welche Art des Bockens es sich bei einem bestimmten Pferd handelt, erkennt man am besten an seiner Mimik. Ein Pferd, das aus Freude buckelt, macht lustige, kraftvolle Hüpfer und hat ein aufgewecktes Ohrenspiel. Ein Pferd mit Bauch- oder Rückenschmerzen hingegen, zeigt einen angestrengten Rundrücken, ein Schmerzgesicht und angelegte Ohren. Die klassischen Anzeichen für beginnendes Bocken sind: Kopf tief, Katzenbuckel machen, gespannt sein, Aufs Gebiss legen, Schweif klemmen

Eine Rückenwirbel-Blockade als Auslöser für Bocksprünge kann man auch als Besitzer oft durch Abtasten herausfinden. Dazu streicht man mit der flachen Hand mit leichtem Druck erst über die Wirbelsäule und dann über die Rippen, wo normalerweise der Sattel aufliegt. Hat das Pferd starke Probleme in diesem Bereich, so werden daraufhin einzelne Muskelpartien anfangen zu zittern, als wolle das Pferd eine Fliege abschütteln. Ist die Blockade weniger schlimm kann man am Gesicht des Pferdes erkennen.

Ursachenforschung betreiben

Schuld muss übrigens nicht immer der Sattel oder der Reiter sein. Studien haben gezeigt, dass auch Pferde, die niemals geritten worden sind, Blockaden haben können – etwa durch Stürze oder ungelenke Bewegungen. Als Anhaltspunkt für die Ursachenforschung dient deshalb auch die Vorgeschichte des Pferdes. Fängt ein älteres, gut ausgebildetes Pferd bei gleichbleibendem Training plötzlich an zu buckeln, so sind wahrscheinlich Schmerzen der Auslöser. Geht ein Jungpferd während seinem dritten oder vierten Galopp in die Luft, so liegt es eher an seiner Unsicherheit. Es macht sich dann mit einem „Das-kann-ich-nicht-Sprung“ bemerkbar. Buckeln kann auch eine Reaktion auf Sporen, Gerte oder Schenkel sein. Besonders Stuten am Beginn ihrer Rosse finden Schenkeldruck oft zum Aus der Haut fahren – das Klammern erinnert sie an einen aufspringenden Hengst.

 

Viele Natural Horsemanship Trainer schätzen, dass etwa jedes zweite buckelnde Pferd keine körperlichen Probleme hat, sondern reiterliche. Nach Erfahrung liegt es meistens daran, dass die Reiter ihre Pferde zu sehr einengen. Im Gelände machen sie ihre Steigbügel kurz, halten die Pferde am Zügel und lassen sie nur manchmal kurz galoppieren. Das Pferd hat also Bewegungsdrang, der Reiter aber hat Angst, die Zügel loszulassen. Macht das Pferd einen kleinen, frechen Hüpfer, so klammert der Reiter noch mehr und nimmt die Gerte dazu.

Gerade diejenigen Pferde, die gerne Gespenster am Rand gewisser Strecken oder in Ecken sehen, bescheinigen ihrem Reiter in diesem Moment: Ich vertraue dir nicht. Jetzt buckle ich dich ab! Weiß der Reiter, dass ihm gleich ein Rodeo bevorsteht, so klammert er sich erst recht fest und besiegelt damit sein Schicksal.

Kein Kampf mit dem buckelnden Pferd

Grundsätzlich sollte man sich nicht auf einen Kampf mit seinem buckelnden Pferd einlassen. Trotzdem muss man natürlich nicht beim ersten Anzeichen eines Buckelns gleich absteigen. Wer das kann, kann es auch aussitzen. Aber bitte ohne Klammern, Kicken und Zügelziehen. Denn durch falsche Strafen erzieht man oft ungewollt das Pferd erst recht zum Buckler. Ist ein Pferd einmal derart falsch konditioniert, so geben viele Freizeitreiter auf. Wer kein Geld in einen Ausbilder investieren will, verkauft sein Pferd.

So bleiben Sie oben beim Buckeln!

Für all diejenigen, die es wagen wollen, ein buckelndes Pferd auszusitzen, gibt es hier Tipps von Rodeo-Reiter Hans-Hermann „Garfield“ Büter

  • Falls Sie einen Westernsattel haben: Halten Sie sich mit einer Hand am Sattelknauf fest! Gibt es keinen Sattelknauf, so fassen Sie den „Maria-Hilf-Riemen“, greifen in die Sattelkammer oder stützen sich am Widerrist ab.
  • Ziehen Sie nicht an den Zügeln, um ihr Pferd zu stoppen. Aber verhindern Sie, dass das Pferd seinen Kopf zwischen die Beine nimmt. Dazu führen Sie die Zügel nach oben, nicht nach hinten.
  • Treiben Sie Ihr Pferd vorwärts. Ein schnelles Pferd kann nicht buckeln. Je langsamer die Vorwärts-Bewegung, desto heftiger werden die Bocksprünge.
  • Nach ein bis zwei Sprüngen Vorwärts treiben lassen Sie Ihr Pferd wieder in Ruhe. Sonst könnte es passieren, dass es stattdessen durchgeht.
  • Klammern Sie nicht mit den Unterschenkeln, sondern halten Sie sich durch Anspannen der Oberschenkelmuskulatur im Sattel.
  • Lehnen Sie sich nicht extrem nach hinten, sonst landen Sie direkt in der „Power-Line“ über der Hinterhand, wo die Kräfte nach oben besonders stark wirken.
  • Sitzen Sie mittig bis leicht nach hinten gebeugt, die Beine strecken Sie etwas nach vorne.
  • Lassen Sie sich im Takt des Pferdes nach hinten und vorne mitnehmen. Üben Sie diese Bewegungen aber nicht aktiv aus. Vor allem nach vorne kommen Sie schneller als Ihnen lieb ist von allein.

Quelle:

Regina Käsmayr