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Ausbildung :: Allgemeine Grundlagen

Reiten im Straßenverkehr, Sicherheit geht vor

Selbst ein ruhiges oder abgebrühtes Pferd hilft oft nichts, wenn Gefahren auftauchen, denen Reiter und Pferd bislang noch nie begegnet sind. Gerade im Straßenverkehr muss man auf mehr gefasst sein als nur auf vorbeifahrende Autos. Daher sollten die Grundregeln des Reitens im Straßenverkehr jedem Reiter bekannt sein und das Pferd sollte bestimmte Situationen mit Autos und Traktoren schon einmal erlebt haben. Trainieren kann man das bis zu einem gewissen Maße, am besten zu Hause im Stall in gewohnter Umgebung.
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Beim Reiten im Gelände oder auf dem Wanderritt lässt es sich nicht vermeiden, auch mit dem Straßenverkehr in Kontakt zu kommen. Ob entlang einer befahrenen Landesstraße, beim Überqueren einer Straße oder beim Durchreiten eines Ortes, immer ist dort mit Straßenverkehrssituationen zu rechnen. Geregelt wird das Reiten im Straßenverkehr durch die Straßenverkehrsordnung. Sinngemäß gelten für Reiter die gleichen Verkehrsregeln wie für Kraftfahrzeuge.

Straßenverkehrsordnung gilt auch für Pferd und Reiter

Pferde sind zwar für den Straßenverkehr zugelassen, aber nur in Begleitung einer geeigneten Person. Wer also ein Pferd im Straßenverkehr reitet oder führt, muss über reiterliches Können, die erforderliche körperliche Konstitution und die richtige Ausrüstung verfügen. Hier kommt das oft diskutierte Thema ins Spiel, dass man Pferde mit Halfter und Strick zwar reiten kann, aber nach §28 der StVO muss es mit einer ausreichenden Sicherheit erfolgen. Sachverständige sind sich da meist einig, dass dies ohne die übliche Zäumung nicht gegeben ist.

Da das Pferd im Straßenverkehr wie ein Fahrzeug eingestuft wird, muss es daher auch immer die Fahrbahn benutzen. Es sollte äußerst rechts mit Ausnutzung des Fahrbahnrandes geritten oder geführt werden. Gehwege oder kombinierte Geh-/Fahrradwege dürfen rechtlich nicht benutzt werden. Es ist egal, ob dabei geritten oder geführt wird. Sollte der Reiter, aus welchen Gründen auch immer, dies doch als notwendig erachten, muss er größte Vorsicht und Rücksicht walten lassen. Auch der Kothaufen vorm Hau stört Anwohner in der Regel und sollte selbstverständlich entfernt werden.

Eine Ausnahme gibt es für Reiter. Das Durchfahrverbotsschild (roter Kreis, weißes Feld) gilt nach StVO nicht für Tiere, also auch nicht für Reiter/Pferde. Wenn allerdings darauf ein Reiter oder Pferd dargestellt ist, gilt es nur für diese und nicht für andere Fahrzeuge.

Reiter müssen im Straßenverkehr bei Dämmerung oder Dunkelheit nach vorne mit einem weißen Licht, nach hinten mit einem roten Licht oder einem gelben Blinklicht gesichert werden. Leuchtwesten oder -gamaschen sind in jedem Fall zu empfehlen. Kleine Gruppen reiten oder führen hintereinander, für größere Gruppen gelten Sonderbestimmungen über die man sich vor Beginn des Rittes informieren sollte.

Fehlverhalten durch Unwissenheit

Der Autofahrer weiß nicht, bis zu welchem Grad sich ein Pferd sicher fühlt und ab wann es in Bedrängnis gerät. Der Reiter kann von anderen Verkehrsteilnehmern keinen Pferdeverstand erwarten und muss darum immer mit einem Fehlverhalten rechnen.

Autos, die Reiter und Pferd in genügendem Abstand und angepasstem Tempo überholen, stuft das Geländepferd in der Regel nicht als gefährlich ein, wenn es Fahrzeuge kennt und keine schlechten Erfahrungen damit gemacht hat. Kritisch kann es hingegen werden, wenn ein Auto zu dicht an das Pferd heranfährt. Oftmals geschieht dies, wenn Fahrzeuge entgegenkommen und das überholende Auto nicht auf die Gegenfahrbahn ausweichen kann. Dann zwängen sich viele Autofahrer zwischen dem entgegenkommenden Gefährt und dem Pferd hindurch.

Kommunikation steigert die Sicherheit

Die einfachste Kommunikation ist, den linken Arm rauszustrecken, wenn man bemerkt, dass ein Auto sehr schnell heranfährt. Mit einer Auf- und Abbewegung signalisiert man dem Autofahrer, dass er seine Geschwindigkeit drosseln soll. Vor allem, wenn man mit einem jungen Pferd unterwegs ist oder wenn das Reittier nervös geworden ist, sollte man sich über Zeichen mit den Autofahrern verständigen und ihnen verständlich machen, dass man mehr Abstand oder ein reduziertes Tempo wünscht.

Deshalb muss man in solchen Situationen auch auf „Auswege“ achten, bei denen das Pferd in sicherem Abstand gehalten werden kann. Ein breiter Wiesenstreifen neben der Straße oder ein abgeerntetes Feld sind in Notsituationen gute Ausweichflächen.

Gefahrenquellen sind in Maßen trainierbar

Im Training am Stall oder im gewohnten Gelände, kann man verschiedene Situationen simulieren: Am stehenden Auto vorbeigehen; am Rand stehen bleiben und das Auto passiert einmal von vorne und hinten kommend; den Motor aufheulen lassen oder scharf abbremsen. Einem Abbremsmanöver kann im Training ein scharfes Anfahren folgen. Schließlich kann der Fahrer aufblenden und die Hupe betätigen. Man kann auch noch Fahnen aus dem Autofenster hängen oder ein paar leere Dosen am Auto anhängen. Oftmaliges Wiederholen des Trainings desensibilisiert das Pferd gegenüber derartigen Reizen und macht es im Straßenverkehr sicherer. Damit ist es auch gegen unvorhergesehene Gefahrenmomente, die natürlich nicht direkt trainierbar sind, besser gewappnet.

Leider ist ein Auto noch lange nicht alles, was einem im Verkehr begegnen kann. Größere und lautere Ungetüme sind dabei Traktoren, Mähdrescher, Lastwagen und Baufahrzeuge. Training wird hier schwierig sein. Eine Grundregel sollten man dabei beherzigen: Pferde zeigen weniger Angst, wenn sie hinter dem Ungestüm hergehen können, es also praktisch vor sich hertreiben. So lernt es die „Gefahr“ ohne großen Stress kennen.

Artgenossen vermitteln Schutz

Zu Beginn einer Ausbildung für ein junges oder unerfahrenes Pferd gehört der gemeinsame Ausritt mit einem sicheren, bewährten Geländepferd. Das vermittelt anderen Pferden die nötige Sicherheit. Die meisten Pferde sind innerhalb einer Gruppe viel ruhiger, so dass man mit zehn Pferde zusammen oft ohne Probleme durch das Zentrum einer Großstadt reiten kann, während es mit einem einzelnen Pferd dagegen große Probleme geben könnte. Darum empfiehlt es sich, die Ausritte immer darauf abzustimmen, wohin man reiten will und ob man dann alleine oder besser in der Gruppe reitet. Allerdings muss man auch bedenken, dass eine durchgehende Pferdegruppe schwieriger wieder zu stoppen ist als ein einzelnes Pferd.

Eigene Sicherheit geht vor

Wenn sich ein Pferd verspannt und ängstlich wird, sollte man stets versuchen, an der gefährlichen Stelle möglichst ruhig im Schritt vorbeizureiten und nicht stehen zu bleiben. Der Reiter muss dem Pferd zu vermitteln versuchen, dass die Situation, die dem Pferd Angst einflößt, völlig belanglos ist. Es ist ratsam, sich also gleichgültig zu zeigen und die Gefahrenquelle zu ignorieren. Streicheln des Mähnenkamms beruhig das Pferd. Gelassen reden mit dem Pferd, hilft dem Reiter, seine Emotionen im Griff zu halten.

Ein Pferd, das schon bei vorbeifahrenden Autos unsicher ist, stellt eine große Gefahr für sich selbst, seinen Reiter und für andere Verkehrsteilnehmer dar. Ein konsequentes Training im Vorfeld des ersten Ausritts in den Straßenverkehr ist hier unbedingt erforderlich.


Quelle:

Renate Ettl, Barnboox
Bild: Fotolia #66969597