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Ausbildung :: Allgemeine Grundlagen

Horsemanship – eine Definition

Der Begriff Horsemanship (HMS) steht eigentlich nur allgemein für die Art und Weise der Handhabung und des Reitens von Pferden durch den Menschen. Horsemanship ist damit mehr als nur Bodenarbeit mit Pferden. Es ist von Grund auf nicht festgelegt auf gut oder schlecht, natürlich oder künstlich. Nicht das Lernen von exakten Aufgaben nach einem genauen Plan, sondern das wie ist entscheidend. Das erfordert vom Reiter eine hohe, emotionale Flexibilität und Verantwortung beim Umgang mit dem Pferd.
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Natural HorsemanshipHorsemanship ist nicht nur bezogen auf das Trainieren des Pferdes, sondern auch alles, was Haltung und Pflege anbelangt. Schlechtes HMS kann daher auch bedeuten, dass ein Pferdebesitzer nicht ausreichend füttert oder die Hufe seiner Pferde grob vernachlässigt. Man sagt zum Beispiel:  “Dieser Reiter zeigt ein schlechtes Horsemanship, da er sein Pferd ungerecht behandelt.“ Oder:   „Es ist ein Zeichen für gutes Horsemanship in unserem Stall, dass sich alle Pferde jeden Tag in der Herde frei bewegen können.“

Horsemanship ist mehr als Bodenarbeit

Das Wort Horsemanship, welches aus dem amerikanischen abstammt, beschrieb doch in erster Linie die Art des Umgangs mit dem Pferd, die aus der amerikanischen Ranch-Reitweise des Westens der USA kam. Daher auch der Begriff Western Reiten oder Western Horsemanship.

Von daher macht es nicht viel Sinn, zu sagen: Ich trainiere Horsemanship mit meinem Pferd. Ich kann jedoch durchaus daran arbeiten, mein eigenes Horsemanship konstant zu verbessern. Soweit die ursprüngliche Bedeutung des Begriffes.

Was dann später mit HMS verbunden wurde, war weiterhin mit dem Westen der USA verknüpft. Dort entstand eine Tradition für sogenannte ‚Clinics‘: Kurse, bei denen nicht nur routinierte Rancharbeiter, sondern auch gewöhnliche Pferdebesitzer über den Umgang mit Pferden lernen konnten. Dieses Fortbildungssystem kam letztendlich auch nach Europa und zog erst einmal vorwiegend Freizeitreiter und Westernreiter an. Unter anderem wurde dort die Turnierdisziplin Western Horsemanship entwickelt, wo die Einwirkung des Reiters/der Reiterin (also sein/ihr Horsemanship) bewertet wird.

Horsemanship muss man lernen wollen

Heute bedeutet der Name Horsemanship für viele Pferdeleute eine freundliche Art und Weise mit dem Pferd umzugehen. Die Anhänger des ‚Natural Horsemanship‘ behaupten, auf natürliche Art und Weise mit dem Pferd zu kommunizieren und viele gebrauchen ihrer Meinung nach ‚natürliche‘ Ausrüstung und lehnen andere Requisiten ab. Ein Halfter am Kopf eines Pferdes kann jedoch niemals ‚natürlich‘ sein, weil es da nämlich nicht hingehört – ganz egal welches Logo sich darauf befindet.

Andere verbinden den Begriff des HMS mit einer Art Erziehungsschule. „Dein Pferd bräuchte mal etwas Horsemanship!“ hören wir, wenn sich ein Pferd augenscheinlich ‚daneben‘ benimmt, obwohl es sehr wahrscheinlich der Besitzer ist, der gut daran täte, sich weiterzubilden.

Es gibt im Horsemanship Bereich die altmodische Haltung, dass Pferde sich auch untereinander dominieren müssen, um ihren Platz in der Herde zu finden. Dafür wird ein Pferd so lange dominiert (in einem Roundpen herumgejagt), bis es sich freiwillig dem Trainer anschließt und diesem folgt. Neue Studien zeigen jedoch deutlich, dass Pferde in diesem Prozess ausschließlich lernen, wann der Druck nachlässt – nämlich wenn sie dem Trainer folgen und daher ist eben keine Magie im Spiel, nur ganz simple, lerntheoretisch angewandte Techniken.

Horsemanship ist Training ohne physischen Druck

Körpersprache ist ein weiteres Element, welches unmittelbar mit dem Begriff des Horsemanship in Verbindung gebracht wird. Hat man als Ziel vor Augen, eine harmonische Partnerschaft aufzubauen, ist es unabdingbar, die Körpersprache der Pferde zu studieren, um beurteilen zu können, was das Pferd  uns mitzuteilen will. Der Mensch kann dann Verständnis entwickeln und an seiner eigenen Fähigkeit als Lehrer arbeiten. Dass Pferdebesitzer die Körpersprache und Signale der Pferde nachahmen sollen und dies in Trainingstechniken einbauen sollen, ist eine andere Annahme. Manche Horsemanship -Instruktoren befürworten jedoch auch, dass der Trainer eine ‚raubtierartige‘ Haltung einnehmen soll, um das Pferd wegzubewegen.

Im Grunde und im Sinne von gutem Horsemanship ist es am wichtigsten, das Pferd mental, emotional und physisch nicht zu überlasten und ihm keine Schuld zu geben, wenn es eine gestellte Aufgabe nicht erfüllt, weil der Besitzer oder Trainer noch nicht klar zu kommunizieren gelernt hat .


Quelle:

Ute Lehmann
Bild: Fotolia_36919179