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Ausbildung :: Allgemeine Grundlagen

Bodenarbeit und Natural Horsemanship: Erste Schritte

Die Kommunikation zwischen Pferd und Halter ist wichtig für eine gute Beziehung und für den Aufbau von Vertrauen und Respekt. Bodenarbeit ist ein bedeutender Schritt hin zu einer langjährigen Partnerschaft, die Mensch und Tier bereichert und eine gute Kontrolle über das Pferd ermöglicht. Doch besonders am Anfang gibt es einige Hindernisse für Pferd und Reiter, die es zu überwinden gilt – am besten mit Natural Horsemanship.
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Jede gute Beziehung muss langsam aufgebaut werden, um Früchte zu tragen. Nur so kann sich eine harmonische Partnerschaft entwickeln, bei denen beide Partner gut aufeinander reagieren und sich ohne viele Worte oder Aktionen verständigen können. Dabei kommt es darauf an, welche Vorkenntnisse und Eigenschaften das Pferd und der Reiter dafür mitbringen, denn Bodenarbeit ist nicht nur für Jungpferde relevant, sondern richtet sich auch an Pferde, die neu erworben worden sind oder an die ältere Generation. Dazu später mehr.

Bodenarbeit mit Natural Horsemanship: Die ideale Einstiegsarbeit

Die sieben Spiele am Boden von Pat Parelli gehören zu den grundlegenden Übungen für die nachhaltige Bodenarbeit und werden von vielen Pferdebesitzern herangezogen. Die Idee dahinter ist eine Kommunikation mit dem Pferd auf natürliche Art und Weise, wie es Pferde in ihrer Herde untereinander auch tun. Die Spiele sollen Vertrauen und Selbstvertrauen aufbauen und helfen dabei, dass Mensch und Tier besser miteinander kommunizieren können. Dabei gibt es mehrere Stufen, welche zu durchlaufen sind und meist nur mit Knotenhalfter, Führseil und einem Stick mit kleinem Seilchen ablaufen:

  • Friendly Game (Freundlichkeitsspiel)
  • Porcupine Game (Stachelschweinspiel)
  • Driving Game (Fahrspiel)
  • Yo-Yo-Game (Yoyo-Spiel)
  • Circling Game (Zirkelspiel)
  • Sideways Game (Seidwärtsspiel)
  • Squeeze Game (Engpassspiel)

Friendly Game beinhaltet das Berühren des Tieres und Streicheln durch den Reiter mit der Hand oder einem Gegenstand und soll signalisieren, dass von dem Menschen keine Gefahr ausgeht. Dies ist besonders wichtig für junge Tiere, aber auch für Pferde, die aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen worden sind und sich neu orientieren müssen. Das Friendly Game zeigt, dass Reiten nicht auf dem Rücken des Pferdes, sondern am Boden beginnt und soll dem Pferd beibringen, dass der Mensch für das Tier da ist und das Equipment, wie zum Beispiel das Führseil oder ein Stick oder eine Gerte, nicht gefährlich ist. Bei dem Spiel sollte der Reiter rhythmische Handbewegungen machen und diese wiederholen, sodass das Pferd nach und nach merkt, dass es sich sicher fühlen kann.

Das Squeeze Game ist die letzte Stufe und gewöhnt das Pferd an enge Orte wie Bäche, Pferdeanhänger, Pferdeboxen oder Ähnliches. Dabei fungiert der Reiter als Barriere zwischen Pferd und Wand, zwischen denen sich das Pferd hindurchbewegen muss. Diese Übung ist eine der schwierigsten für Pferd und Reiter da Engpässe gegen die Natur des Pferdes sprechen.

Bodenarbeit für junge Pferde: Tipps und Tricks

Für die meisten jungen Pferde beginnt die Ausbildung recht früh, im Alter von etwa drei Jahren, und dieser Einsatz kann sich für die gesamte Zeit, die Reiter und Pferd miteinander verbringen, lohnen. Vorausgesetzt, es wird eine solide Grundlage geschaffen. Besonders als Vorbereitung zum Anreiten eignet sich die Bodenarbeit, denn sie ist ein gutes Fundament für das gegenseitige Vertrauen. Wurden die Pferde früher mit groben Methoden eingeritten, in denen einfach gewartet wurde, bis sie den scharfen Gebissen und Schlägen nachgaben und sich der Kontrolle des Menschen fügten, gibt es heute ein großes Verständnis für die Psyche der Pferde. Als erstes sollten junge Pferde das Führen an Halfter und Führstrick lernen. Dafür muss das Pferd lernen, Kommandos wie Steh, Komm mit und Zurück zu befolgen. Wichtig dabei ist, dass alles langsam und ruhig geschieht und dass besonders in der Arbeit mit Führstrick und Gerte kein Dominanzverhalten propagiert wird, sondern eine angstfreie Bindung und eine natürliche Motivation zur Mitarbeit entstehen.

Ein Beispiel dafür ist, das Pferd nebenher laufen zu lassen und zu befehlen, dass es sofort stehen bleibt, wenn der Mensch stehen bleibt. Dafür ist beim Stehenbleiben der Befehl zum Stehen zu geben, sodass das Pferd nach und nach merkt, worum es dem Halter eigentlich geht. Danach folgen das Herumdrehen und das sanfte Zurückgehen des Pferdes. Für junge Pferde sind klare, sich immer wiederholende Signale und das sofortige Loben nach einer gewünschten Reaktion wichtig. Die Bodenarbeit kann dabei helfen, beispielsweise das Handpferdereiten zu erleichtern. Weitere Tipps für die Bodenarbeit mit jungen Pferden und erste Schritte gibt es unter zooroyal.de, mit einem Beispiel für einen ersten Trainingsparcours. Für junge Pferde ist die Rangordnung sehr wichtig, die bei dem Natural Horsemanship auf natürliche und sanfte Weise etabliert wird.

Bodenarbeit mit älteren Pferden: Lernen in jedem Alter

Die Bodenarbeit ist nicht allein für die Ausbildung junger Pferde bestimmt, denn sie hilft auch bei älteren Tieren zu einer abwechslungsreichen Beschäftigung mit dem Pferd und bietet auch die Möglichkeit mit Pferden zu arbeiten, die eventuell nicht mehr geritten werden können. Die besondere Beziehung zwischen Pferd und Halter ist auch bei älteren Tieren wichtig. Die Abwechslung zum täglichen Trainingsplan verbessert Motivation und Konzentration und stärkt die Verbindung. Viele ältere Tiere sind oft sehr steif und unbeweglich. Die Bodenarbeit hilft dabei, die Beweglichkeit wieder herzustellen und die geistige Leistungsfähigkeit zu trainieren. Dafür lohnen sich beispielsweise ebenfalls die sieben Spiele des Natural Horsemanship, welche die Pferde nach und nach an komplexere Befehle und Bewegungen heranführen. Kurse dafür gibt es übrigens in vielen Reitschulen.

Anfangen sollte man bei den älteren Pferden ebenfalls mit dem Führen an der Hand und viel Nähe und Rücksicht. Ist das Pferd bereits gut trainiert und nicht besonders scheu, können leichte Bodenübungen mit Stangen ideal sein. Dafür können die Halter beispielsweise vier Stangen zu einem L legen, so dass eine schmale Gasse entsteht. Durch diese Gasse kann das Pferd vorwärts und rückwärts geführt werden, Ziel dabei ist, dass das Pferd die Stangen nicht mit den Hufen berührt. Mit viel Lob und Berühren wird dem Pferd die positive Grundhaltung und Stimmung zwischen ihm und dem Halter signalisiert.

Um die Muskeln aufzubauen und zu stärken sind einige Gymnastikübungen sinnvoll, die an der Hand zu vollziehen sind. Beispielsweise kann der Hals gedehnt werden, indem eine Karotte oder ähnliches an die Gurtlage gelegt wird, sodass das Pferd sich danach strecken muss. Auf dieselbe Weise werden auch der Bauch und andere Körperteile gearbeitet. Auch ist die Bodenarbeit im Roundpen ideal, da keine weitere Ausrüstung benötigt wird und das lange Longieren für viele ältere Tiere oft sehr anstrengend ist. Oft wird der Roundpen außerdem bei verstörten oder verängstigten Tieren eingesetzt. Zunächst sollten Sie Ihr Pferd an die Hand nehmen und locker in der Runde gehen. Im Roundpen funktioniert die Bodenarbeit nur über die Körpersprache von Mensch und Tier und die älteren Pferde können so ein tiefes Vertrauen in ihr menschliches Gegenüber erhalten. Für das geistige und körperliche Training ist es beispielsweise hilfreich, Positionsübungen zu machen, sodass das Pferd nach den Befehlen und dem Zeigen des Menschen die Richtung oder die Stellung wechselt. Klare Signale und Anweisungen helfen dem Tier, sich zurechtzufinden.

Ängstliche und neue Pferde: Bodenarbeit als Kontaktpunkt

Bei ängstlichen Pferden oder scheuen Tieren ist eine ruhige und sanfte Kontaktaufnahme sehr wichtig. Dafür kann das Training in einem abgegrenzten Bereich wie dem Roundpen oder einem abgesteckten Teil des Reitplatzes erfolgen, damit sich das Pferd an die Nähe des „neuen“ Menschen gewöhnt und nicht gleich wieder die Flucht ergreift. Der erste Kontakt sollte mit ruhigen Bewegungen und vielen Streicheleinheiten geschehen. Beim Anti-Scheutraining werden dabei verschiedene Hindernisse eingesetzt, die das Pferd irritieren könnten und bei denen der Mensch sich als kompetenter und vertrauenswürdiger Führer erweisen kann. Beispiele sind Regenschirme, Plastikplanen, Holzplatten oder Autoreifen, welche das Tier mit Hilfe des Menschen überwinden soll. Nach und nach gewinnt der Halter durch das sanfte Heranführen an die Gegenstände das Vertrauen des Pferdes und kann immer größere Hindernisse überwinden. Viel zu loben ist während der gesamten Bodenarbeit mit ängstlichen Tieren wichtig.

Bild oben: Das Vertrauen des Pferdes müssen sich die Halter erarbeiten, Pixabay.com © mariogartnerme (CC0 1.0)
Bild Mitte: Je nach Zone des Pferdes reagiert es unterschiedlich auf Befehle und Warnsignale; Pixabay.com © OpenClips (CC0 1.0)
Bild unten: Der Roundpen erlaubt eine bessere Interaktion zwischen Reiter und Pferd; Wikimedia.commons.org © Montanabw (CC BY-SA 3.0)


Quelle:

Annika Weber